Gardelegen l Die Bescheide sind am Montag verschickt worden. Die Entscheidung des Landesschulamtes lag gestern zwar noch nicht schriftlich im Gardeleger Rathaus vor, der Inhalt war aber natürlich schon bekannt. Sicher ist nun: Am 4. September dieses Jahres werden in die Estedter Grundschule keine Kinder mit bunten Schultüten einziehen, keine aufgeregten Eltern ihre Jungs und Mädchen zum ersten Mal in die Klassenräume begleiten.

"Die Mindestschülerzahl wird nicht erreicht. Es wird darum keine Ausnahmegenehmigung für eine Eingangsklasse in Estedt geben", informierte gestern Silke Stadoer, Pressesprecherin im Landesschulamt Halle. Der Schulträger könne jetzt nur noch den Klageweg beschreiten. Angesichts der kurzen Zeitspanne bis zum Schulbeginn und der vorliegenden Zahlen "kann man sich aber schon ausrechnen, dass das nicht viel Aussicht auf Erfolg haben würde", schätzte Stadoer ein.

"Aus Sicht des Landesschulamtes eine kluge Entscheidung." - Bürgermeister Konrad Fuchs

Und auch Bürgermeister Konrad Fuchs kann sich eine Klage nicht vorstellen, dafür aber etwas anderes, nämlich den Schulbetrieb mit drei Klassenstufen, wenn auch nur für einen befristeten Zeitraum.

Laut Aussage des Landesschulamtes könnte die Schule nämlich auch ohne Eingangsklasse weiter bestehen: "Der Träger muss nun überlegen, wie es weitergehen soll", formulierte Silke Stadoer gestern vorsichtig. "Rein theoretisch" sei es nämlich möglich, die Schule weiterzuführen. Das Ganze wäre zwar "nicht gesetzteskonform, es gibt aber keine Möglichkeit, das durchzusetzen." Kurz gesagt: Die Stadt entscheidet als Träger allein, notfalls auch gegen die nicht bestätigte Schulentwicklungsplanung, dass die Schule nur mit den Klassenstufen zwei bis vier weiterläuft - zumindest noch eine gewisse Zeit. Bürgermeister Konrad Fuchs sprach gestern auf Nachfrage von einem Schuljahr als realistische Größe.

Ein Aspekt, der bisher so ausführlich noch nie zur Sprache kam, der aber offenbar sogar im Landesschulamt auf Verständnis stößt. Laut Konrad Fuchs hatte die Behörde den einjährigen Aufschub nämlich als "vernünftige und kluge Entscheidung" gewertet.

Und auch Fuchs selbst hält die um ein Jahr verschobene Schließung für "eine gute Lösung für Eltern, Lehrer und Kinder". Die Schließung erst im kommenden Jahr gebe allen ausreichend Zeit, sich an den Gedanken zu gewöhnen und zu planen, so Fuchs. Und auch für die Schüler der nun nicht mehr zustande kommenden ersten Klasse trifft er eine klare Aussage: "Sie werden in der Otto-Reutter-Schule eingeschult."

Dass es angesichts der Atempause für Estedt noch ganz andere Optionen gibt, als nur den Aufschub um ein Jahr, verschwiegen gestern weder Pressesprecherin Silke Stadoer, noch Fuchs. Statt der Schließung 2015 könne "der Schulträger den Standort ja zwischenzeitlich auch wieder stärken", sagte die Landesschulamtsmitarbeiterin. Sprich: Die Schuleinzugsbereiche müssten zugunsten von Estedt geändert werden. "Das ist nun wieder eine politische Sache", sagte Fuchs. Letztendlich habe die Behörde die "Entscheidungskarte" wieder an die Stadt zurückgeschoben. Der Stadtrat wird sich also dazu positionieren müssen - und zwar der neu gewählte. Denn der jetzige Stadtrat hat am kommenden Montag seine letzte geplante Sitzung.

"Jetzt spiele ich den Ball erstmal an den Schulelternrat weiter."
- Bürgermeister Konrad Fuchs

"Jetzt", sagte er, "spiele ich den Ball aber erstmal an den Schulelternrat weiter." Der solle sich schon mal mit dem Thema befassen. Er persönlich halte eine "Stärkung des Schulstandortes" durch veränderte Einzugsgebiete über 2015 hinaus allerdings nicht für sinnvoll, schon "weil die Mindestschülerzahl ab 2017/18 nicht mehr 52, sondern 60 Schüler beträgt."