Das Projekt Stolpersteine in Erinnung an jüdische Familien, die in der Nazizeit deportiert oder ermordet wurden oder zwangsgeflohen sind, wurde bisher in etwa 1000 Orten realisiert. Am 24. Oktober werden die ersten Stolpersteine in Gardelegen gelegt - auf Initiative von Schülern des Gymnasiums.

Gardelegen l Gut ein Jahr Arbeit, intensive Recherchen, Schriftverkehr, Briefwechsel und Gespräche haben zehn Schüler des Gymnasiums für eine ganz besondere Aktion investiert: für das Projekt Stolpersteine. Am 24. Oktober wird dann der große Tag sein: Künstler Gunter Demnig, Initiator des Projektes Stolpersteine, wird in Gardelegen die ersten Stolpersteine legen.

Vor gut einem Jahr wurde das Gymnasium angesprochen, ob sich die Einrichtung an diesem Projekt beteiligen will. Und das Gymnasium mit dem Namen "Geschwister Scholl" wollte sich daran beteiligen. Im März des vorigen Jahres wurde eine Arbeitsgemeinschaft unter der Leitung von Andrea Müller, Lehrerin für Geschichte und Russisch und Fachbereichsleiterin für Geschichte am Gymnasium, gegründet. Zur Arbeitsgemeinschaft gehören die heutigen Zehntklässler Tabea Kreutz, Karla Steinecke, Lea Weisbach, Lina Holz, Gunnar Bude, Robert Ghigeanu, Alina Wolfowski, Lena Leuschner und Jessica Kraska. Die Treffen finden wöchentlich statt, jeweils außerhalb des Unterrichtes. "Die Schüler sind sehr engagiert und haben überaus fleißig gearbeitet", lobte Andrea Müller die Schüler der nicht alltäglichen Arbeitsgemeinschaft, deren Arbeit eine enorme Außenwirkung haben wird. Unterstützt wird die AG zudem auch von externen Fachleuten, wie Karl-Heinz Reuschel aus Gardelegen.

Kuchenbasare und Sponsorensuche

Im zurückliegenden Jahr haben die Schüler das Schicksal von fünf jüdischen Familien erforscht, haben mit Zeitzeugen gesprochen, haben Überlebende aufgespürt, die unter anderem in Israel und London leben. Für vier Familien werden am 24. Oktober nun die Stolpersteine gelegt: für Leo und Julie Lippstädt und Sohn Joachim vor dem einstigen Pionierhaus, für Karl Siegbert Marcus vor dem heutigen Eiscafé Venezia, für Dr. Werner und Julia Lemberg vor der heutigen Roßmann-Drogerie und für Elly Cohn im Parkplatzbereich vor dem Netto-Markt an der Hopfenstraße.

Die Schicksale dieser Menschen haben die Schüler erforschen können. Leo und Julie Lippstädt beispielsweise wurden in Auschwitz ermordet, Sohn Joachim ebenfalls. Elly Cohn wurde 1942 nach Theresienstadt deportiert. Vor dem Transport nach Auschwitz ging sie in den Freitod beziehungsweise, wie es Künstler Gunter Demnig formuliert, flüchtete sie in den Tod.

Stolpersteine wird es auch für Familie Behrens, einst wohnhaft an der Sandstraße, Ecke Kinostraße, geben. Allerdings erst zu einem späteren Zeitpunkt. Die Forschungen und Recherchen seien noch nicht komplett abgeschlossen, da die Familie sehr groß sei und auch die meisten Opfer zu beklagen hatte, so Andrea Müller. Kontakte mit einem Nachfahren gebe es bereits. Es sei der Enkel von Albert Behrens, mittlerweile 93 Jahre alt und in London zu Hause.

Die Vorarbeiten seien geleistet. Die Texte für die Stolpersteine stünden fest und seien von Gunter Demnig bestätigt worden. Nächster Schritt werde die Suche nach Sponsoren sein. Jeder Stein werde in Handarbeit hergestellt. Die Kosten pro Stein liegen zwischen 120 und 140 Euro. Sieben Steine sollen verlegt werden - für jedes Familienmitglied gibt es einen Stein mit persönlichen Angaben. Die Mitglieder der AG werden unter anderem Kuchenbasare organisieren. Andrea Müller: "Die Schüler wollen Geld sammeln für einen Stein, damit wir dann sagen können: Das ist unser Stein, der Stein der Arbeitsgemeinschaft."

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