Der hektarweise Kahlschlag von Kiefernwäldern im Revier Jerchel im vergangenen Jahr sorgte während der Jahreshauptversammlung der Forstbetriebsgemeinschaft Hohes Feld am Freitagabend in Jerchel für Diskussionen. Die Waldbesitzer forderten nicht nur Entschädigungen für die Schäden, sondern auch bessere Vorbeugemaßnahmen.

Jerchel. "Vom Jercheler Friedhof kann ich bald bis nach Kenzendorf durchgucken", sagte der Vorsitzende der Jercheler Forstbetriebsgemeinschaft Hohes Feld, Günter Hakenholz, am Freitag zu Beginn der Jahreshauptversammlung. Wenn nicht bald etwas gegen den Insektenbefall getan werde, "dann können wir hier Spargel pflanzen", fuhr er fort. Hakenholz sprach damit das hektarweise Sterben von Kiefern im vergangenen Jahr und damit verbundene großflächige Kahlschläge an. Er befürchtet weitere Schäden durch Folgeinsekten und sagte, "wir müssen uns darauf einstellen, dass geflogen werden muss". Außerdem verwies Hakenholz auf "die zweite große Katastrophe" im vergangenen Jahr: Die Schäden durch Schnee- und Eisbruch kurz vor dem Jahreswechsel. "Wenn der letzte Stamm raus ist, müssen wir zusammen beraten, wie die Wege wiederhergestellt werden können, damit jeder Waldbesitzer seine Flächen vernünftig mit dem Pkw erreichen kann", sagte er.

Über das Ausmaß der Schäden berichtete Revierförster Frank Zeiseweiß. Statt der geplanten 3405 Festmeter sind durch das Kiefernsterben 11 271 Festmeter eingeschlagen worden. Das entspricht einem Holzeinschlag von 9,24 Festmetern je Hektar. Geplant waren 3,15 Festmeter je Hektar.

Die Schäden, die die Waldbesitzer im vergangenen Jahr hinnehmen mussten, sorgten dann auch für kritische Auseinandersetzungen. "Warum sagt das Forstamt nicht, es wird gespritzt?", hinterfragte Waldbesitzer Frank Grupe. "Es kann nicht sein, dass immer abgewartet wird, und nachher gucken wir uns groß an. Die Waldbauern sind am Ende die Dummen", sagte er verärgert. Grupe forderte das Forstamt auf, "mehr Druck auszuüben", um weiteren Schäden vorzubeugen. Sein Eindruck ist, "dass die Verantwortung von einem zum anderen geschoben" wird.

Waldbesitzer Henning Schulze fragte nach Schadensersatz für die geschädigten Waldbesitzer. "Es ist etwas schief gegangen", sagte Schulze. Das Land aber entziehe sich seiner Ansicht nach der Verantwortung. Es gehe ihm nicht darum, die Schuldfrage für die entstandenen Schäden zu klären, sondern darum, wie den Waldbesitzern "unter die Arme gegriffen" werden könne, so Schulze.

Waldbesitzerin Ehrengard Dümpert von Alvensleben – Gast bei der Versammlung in Jerchel – stellte die Frage danach, was Waldbesitzer tun könnten, wenn sie wollten, dass ihre Wälder mit Pflanzenschutzmitteln behandelt werden.

Der Leiter des Betreuungsforstamtes, Gerhard Henke, verwies auf klare Entscheidungsbefugnisse. "Ob geflogen wird, entscheidet der Landkreis mit der forstlichen Versuchsanstalt in Göttingen", sagte er. Das Forstamt sei für die Überwachung der Wälder verantwortlich. "Und das haben wir gemacht", betonte Henke. Aber das Forstamt sei keine Behörde und habe deshalb auch keine Entscheidungsbefugnis. Die Entscheidung treffe die Untere Forstbehörde, die seit dem vergangenen Jahr dem Landkreis angegliedert sei. 2009, als zahlreiche Kiefern von der Kiefernbuschhornblattwespe kahl gefressen worden waren, sei die Untere Forstbehörde beim Amt für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten angesiedelt gewesen. "Wir haben unsere Pflichten erfüllt", sagte Henke, der noch einmal darauf hinwies, dass nicht der Kahlfraß die Ursache für das Kiefernsterben gewesen sei, sondern ein neuer Pilz, für den es noch keine Bekämpfungsmöglichkeiten gebe.

Mit dem zuständigen Landesministerium habe es im Sommer eine Beratung gegeben. "Damals wurde klar gesagt, dass es keine Entschädigung gibt", rief Henke in Erinnerung. Begründung sei damals gewesen, dass das Land seine Pflichten erfüllt habe und nicht abzusehen gewesen sei, "dass die Natur anders reagiert". Das Forstamt werde nicht im Auftrag der Waldbesitzer Schadensersatzansprüche beim Land geltend machen. Aber: "Sie können sich sicher sein, dass wir alles Mögliche tun, um Schäden vorzubeugen", betonte er. Wenn die Waldbesitzer das Forstamt dabei unterstützen wollten, dann sollten sie die Wege in ihren Wäldern freiräumen, damit die Waldarbeiter durchkommen und wertvolle Zeit, die für die Winterbodensuche verwendet werden könnte, nicht damit verschwenden, sich einen Weg freizuschneiden. Mit der Winterbodensuche, die auf gefährdeten Flächen in den Reverien Wannefeld und Jerchel in deutlich größerem Umfang als üblich erfolge, seien die Waldarbeiter durch Schnee und Frost ohnehin schon in Verzug. Ein schneller Abschluss der Winterbodensuche sei aber wichtig, um frühzeitig erkennen zu können, ob sich neue Gefahren durch Insektenbefall abzeichnen.

Auch untereinander gibt es Konflikte zwischen den Waldbesitzern. Ein Waldbesitzer meldete sich zu Wort und forderte, dass jene für die Instandsetzung von Wegen verantwortlich gemacht werden müssten, die die Wege beim Abfahren des Holzes beschädigt hätten. Günter Hakenholz schlug am Ende der Diskussion deshalb vor, noch einmal einen Vertreter des Ministeriums einzuladen, "um die Problematik aufzuzeigen". Er schlug außerdem eine Versammlung der Waldbesitzer vor, bei der geklärt werde, wer für welche Wegeschäden aufkommen muss.

Eines stand für Hakenholz schon am Freitag fest: "Wir können es uns nicht erlauben, noch mehr kahlzuschlagen." Denn der Waldbesitzer brauche Jahrzehnte, um einen Wald aufzuziehen.

   

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