Am Sonnabend hat die Arbeitsgemeinschaft (AG) Rot- und Damwild Colbitz-Letzlinger Heide im Letzlinger Kulturhaus getagt. Die AG-Mitglieder bewirtschaften zusammen eine Fläche von zirka 72000 Hektar.

Letzlingen l Vor 16 Jahren wurde die Arbeitsgemeinschaft Rot- und Damwild Colbitz-Letzlinger Heide gegründet. Seit sieben Jahren steht Forstamtmann Ralf Pieper vom Betreuungsforstamt Letzlingen als Leiter an der Spitze. Jetzt denke er aber darüber nach, "ob ich das noch will", sagte er am Sonnabend. Denn das geringe Interesse an der Veranstaltung habe ihn "stark geärgert". Und dabei sei eine Arbeitsgemeinschaft Rot- und Damwild wie die für die Colbitz-Letzlinger Heide selten in Deutschland, "darauf können wir doch stolz sein". Das nachlassende Interesse der Mitglieder zeige aber, dass "der großräumige Gedanke" in den Hintergrund trete. "Und dabei haben beide Wildarten diese großflächige Betrachtung verdient", sagte Ralf Pieper. Die Leitungsfrage warf er während der Versammlung auch aus einem anderen Grund auf: Bei der Gründung der AG war festgelegt worden, dass alle zwei Jahre ein neuer Leiter gewählt werden soll, damit alle Parteien im Bewirtschaftungsgebiet - Hegegemeinschaften gehören ebenso dazu wie der Bundesforstbetrieb Nördliches Sachsen-Anhalt sowie Eigenjagden - einbezogen werden können.

Vor seinem sehr persönlichen Plädoyer für mehr Engagement der Mitglieder in der Arbeitsgemeinschaft blickte Ralf Pieper auf die Streckenentwicklung bei Rotwild und bei Damwild im vergangenen Jahr zurück und stellte die Planzahlen für das Jagdjahr 2014/15 und die Ergebnisse der Brunftzählung vor. Bei der Brunftzählung werden die Tiere erfasst, die an einem bestimmten Wochenende im AG-Bereich gesehen werden. So wurden am Wochenende 21. und 22. September vergangenen Jahres 1106 Stück Rotwild gezählt, darunter 313 Kälber. Am Wochenende 26. und 27. Oktober wurden 168 Stück Damwild gezählt, darunter 46 Kälber. Während es beim Rotwild seit 1999 eine kontinuierliche Entwicklung im Bestand gebe, "könnte es beim Damwild mehr sein. Aber es gelingt nicht immer so, wie wir es wollen", sagte der AG-Leiter. Die Zahlen beim Damwild sind seit Jahren relativ gleichbleibend.

Im Jagdjahr 2013/14 wurden 764 Stück Rotwild zur Strecke gebracht und 66 Stück Damwild. Beim Rotwild geht die Strecke seit 1995 kontinuierlich nach oben. Das reicht aber noch nicht aus, denn meist wird weniger als der Zuwachs zur Strecke gebracht, der Bestand selbst wird nicht reduziert. Wichtig sei es darum, besonders die Jagd auf Kahlwild, also die weiblichen Tiere, als Schwerpunkt zu sehen, sagte Pieper. Er appellierte an die genehmigenden Behörden, im Abschuss-Planansatz das Geschlechterverhältnis anzupassen auf zum Beispiel 60 Prozent weibliche und 40 Prozent männliche Tiere. Derzeit ist eine Hälfte-Hälfte-Regelung normal.