Gardelegen l Mit einem Telefonat des Richters war gestern klar: Der Straftäter muss am Freitagmittag in Halle in der Jugendarrestanstalt sein, um dort das Wochenende hinter Gittern zu verbringen. Wenige Minuten zuvor hatte das Jugendschöffengericht in Gardelegen den 20 Jahre alten Kalbenser wegen schweren sexuellen Missbrauchs eines Kindes zu sechs Monaten Jugendstrafe, ausgesetzt auf Bewährung, verurteilt. Die Tat gab der Angeklagte zu, bei der ersten Vernehmung bei der Polizei hatte er dies noch bestritten. Am 19. Januar hatte der 20-Jährige in seinem Zimmer der Familienwohnung Geschlechtsverkehr mit einem zwölf Jahre alten Mädchen aus Kalbe. "Es ist so gewesen. Ich habe alles durch die rosarote Brille gesehen. Mir ist erst im Nachhinhein bewusst geworden, was ich für Mist gebaut habe", sagte der Angeklagte. Eine Aussage, die Staatsanwältin Rosemarie Fährmann so nicht stehen ließ, denn bereits 2011 war ein Verfahren wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes gegen den Mann eingestellt worden. "Spätestens seitdem wussten Sie, dass Sie keine Kinder anfassen dürfen", so Fährmann.

Dass der Kalbenser auch wusste, dass das Mädchen beim Missbrauch im Januar erst zwölf Jahre alt war, bestritt er nicht. Die Mutter der jungen Kalbenserin hatte ihm sogar eine SMS mit dem Alter ihrer Tochter geschrieben. Zum Geschlechtsverkehr sagte der Mann, dass "ich das nicht gemacht hätte, wenn sie es nicht gewollt hätte". Gezwungen habe er sie nicht. Und er habe beim Sex gemerkt, dass sie keine Jungfrau mehr sei: "Ich merke so etwas." Richter Bormann merkte kopfschüttelnd an: "Hören Sie auf zu reden."

Kennengelernt habe er die Zwölfjährige beim Altstadtfest 2013. "Aber da war nichts bis aufs Umarmen beim Tschüsssagen", berichtete der Kalben-ser. Im Januar dann wollte sich die Schülerin mit ihm treffen. Zuvor hatte er von einem Bekannten bereits Unterwäsche- und Nacktfotos des Teenagers bekommen.

Unzweifelhaft stand für Jugendgerichtshelferin, Staatsanwältin, Pflichtverteidiger und das Jugendschöffengericht fest, dass der Mann noch nach Jugendstrafrecht verurteilt werden soll. Als Auflage muss der Kalbenser außerdem 25 Wochen jeweils 20 Stunden arbeiten, ingesamt 500 Stunden.