Der Kontrollinspekteur des Bereiches Gardelegen, Eckhard Wienecke, informierte während der Jahreshauptversammlung der Milchkontrollvereine Gardelegen/Haldensleben und Klötze, die insgesamt 70 Betriebe zählen, am Mittwoch über die wichtigsten Kennzahlen im Jahr 2010. Die Zellzahl, die Auskunft über die Eutergesundheit einer Kuh gibt, ist im Bereich Gardelegen/Haldensleben bei 317 000 konstant geblieben. Im Bereich Klötze hat sie sich auf 307 000 erhöht.

Jerchel. Zum ersten Mal ist die Milchproduktion im Bereich Gardelegen im Jahr 2010 rückläufig gewesen. Das berichtete Kontrollinspekteur Eckhard Wienecke am Dienstag während der Jahreshauptversammlung der Milchkontrollvereine in Jerchel. Im Jahr 2009 produzierten die Milchbauern in der Region Gardelegen noch 8629 Kilogramm Milch. Im Jahr 2010 waren es 183 Kilogramm weniger. Auch der Milchviehbestand hat sich verringert – von 10 502 Kühen im Jahr 2009 auf 9184 Kühe im Jahr 2010. Trotz der geringeren Produktion konnten die Eiweiß- und Fettanteile aber gesteigert werden. Auch im Bereich Klötze sei die Zahl der Kühe rückläufig: Der Bestand sank von 5508 Kühen im Jahr 2009 auf 4736 Kühe im Jahr 2010, wobei die Milchleistung aber um 81 Kilogramm auf 8403 Kilogramm gesteigert wurde.

Als positiv führte Wienecke an, dass sich die Zellzahl im Bereich Gardelegen nicht erhöht habe. Die Zahl gibt Auskunft über die Eutergesundheit der Kühe. Sowohl im Jahr 2009 als auch im Jahr 2010 lag sie bei durchschnittlich 317 000. "Lieber wäre mir aber, hier stünde statt der Null ein Minus", sagte Wienecke, so dass rückläufige Zellzahlen verbucht werden könnten. Im Bereich Klötze erhöhte sich die Zellzahl gegenüber dem Vorjahr um 15 000 auf 307 000.

Wieneckes Empfehlung: Hilfe von außen suchen

Ab einer Zellzahl von 351 000 "wird es aber langsam brenzlich", sagte Wienecke, "ich glaube, dann müssen Sie aktiv werden und versuchen, von außen Hilfe zu bekommen." Hilfe bietet der Landeskontrollverband. Wienecke führte an, dass es einen Betrieb gebe, der es durch Umsetzung der Ratschläge auf eine Zellzahl unter 251 000 gebracht habe. Insgesamt lagen 2010 im Bereich Gardelegen 27 Betriebe unter einer Zellzahl von 351 000. 12 Betriebe lagen zwischen 351 000 und 400 000, sechs bei 401 000 bis 450 000 und vier Betriebe hatten eine Zellzahl von mehr als 451 000 vorzuweisen. Im Bereich Klötze lagen 14 Betriebe unter einer Zellzahl von 351 000. Vier Betriebe lagen zwischen 351 000 und 400 000, zwei Betriebe wiesen Zellzahlen über 451 000 vor.

Ein kritisches Augenmerk legte Wienecke auf die Geburtenverläufe. Sowohl im Bereich Gardelegen als auch im Bereich Klötze waren bei den Erstkalbungen zwölf Prozent Totgeburten und Verendungen zu verzeichnen. "Hier sollten wir vielleicht den Rinderzuchtverband Sachsen-Anhalt hinsichtlich der Leichtkalbigkeit noch mehr ins Boot holen", lautete Wieneckes Empfehlung.

"Die Kühe gehen zu früh aus der Leistung", sagte er hinsichtlich der Abgangsursachen aus der Produktion. Häufigste Ursachen dafür waren im Bereich Gardelegen Euterkrankheiten (20,6 Prozent), Klauen und Gliedmaßen (16,4) sowie Unfruchtbarkeit (12,9). Im Bereich Klötze waren die häufigsten Ursachen Klauen und Gliedmaßen (19,8 Prozent), Euterkrankheiten (18,1) und Unfruchtbarkeit (15,9). Wienecke mahnte die Milchviehhalter deshalb, die Halte- und Liegebedingungen sowie die Stallanlagen zu überprüfen. Er betonte: "Das soll keine Kritik sein, nur ein Rat."

Im Vergleich der Gesamtleistung und Nutzungsdauer mit allen geprüften Kühen im Landeskontrollverband lag Klötze leicht über dem Durchschnitt, Gardelegen lag leicht unter dem Durchschnitt. Dennoch resümierte Wienecke: "Ich denke, Sie sind auf dem richtigen Weg." So produzierten im Bereich Gardelegen 9738 Kühe durchschnittlich 18 736 Kilogramm Milch mit Fett- und Eiweißanteilen von 757 und 640 Kilogramm bei einer durchschnittlichen Nutzungsdauer von 26,1 Monaten. Im Bereich Klötze produzierten 4595 Kühe durchschnittlich 19 518 Kilogramm Milch mit Fett- und Eiweißanteilen von 783 und 668 Kilogramm bei einer Nutzungsdauer von 27,3 Monaten. Im Landeskontrollverband insgesamt lagen 116 692 Kühe bei 19 507 Milchkilogramm mit 777 Fettkilogramm und 660 Eiweißkilogramm bei einer Nutzungsdauer von 25,7 Monaten.

Kritische Anmerkungen gab es dann noch vom Vorsitzenden des Rinderzuchtvereines Gardelegen/Klötze, Frank Wienecke. Er monierte, in den Medien werde der "Dioxinskandal ausgeschlachtet", wobei fachlich korrekte Diskussionen selten zu finden seien. Er betonte, Deutschland sei eines der sichersten Länder für Lebensmittelproduktion. Viele Landwirte hätten inzwischen aber die Lebensmittelproduktion eingestellt. Wenn keiner mehr auf die Lebensmittelproduktion baue, seien Importe aus anderen Ländern notwendig. Pacht- und Kaufpreise für Grund und Boden würden inzwischen steigen. Viele Landwirte hätten bereits Biogasanlagen gebaut. Wienecke vermutete, dass die Zahl derer noch steigen werde. Nach wie vor sei der Export von Milchvieh "eine tragende Säule". Aber in Algerien sei durch den Dioxinskandal bereits ein Importverbot für Deutschland verhängt worden. Hauptabnehmer waren im vergangenen Jahr Libanon, Kroatien und Marokko. Der Bedarf an Zuchtvieh sei groß.

Zum Dioxinskandal beruhigte Amtstierarzt Frieder Oswald die Gäste der Jahreshauptversammlung. Im gesamten Altmarkkreis Salzwedel sei in nicht einen Rinderbestand Dioxin gekommen. Das sei so auch den Molkereien bestätigt worden. Wer sich fachlich versierte Informationen zu dem Thema beschaffen möchte, werde beim Bundesinstitut für Risikobewertung fündig, empfahl Oswald.

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