Für Außenstehende sah es wie ein echter Einsatz aus. Mit Großaufgebot rückte die Gardeleger Wehr am Freitagabend zu einem Wohnblock aus, in dem es qualmte und vier Personen auf Hilfe warteten. Es war eine Einsatzübung, der Block wird im Juli abgerissen.

Gardelegen l Um 18.12 Uhr ist am Freitagabend die Sirene zu hören, doch der Gardeleger Ortswehrleiter Henrik Lehmann steht zusammen mit Stadtwehrleiter Sven Rasch entspannt an einem Wohnblock an der Bertolt-Brecht-Straße. In der Hand nur Zettel und Stift, denn er wartet auf seine Kameraden, die nun ausrücken und bei einer großen Einsatzübung einen Kellerbrand löschen und vier Hausbewohner retten sollen.

Für den Qualm im Treppenhaus, der die Flucht der vermeintlichen Wohnungsmieter verhindert, sorgt eine Nebelmaschine. "Los, macht mal oben die Tür auf, damit der Nebel hochzieht", ruft Lehmann den zwei Männern im fünften Stock zu.

Mit 21 Kameraden, darunter acht Atemschutzgeräteträger, und mit sechs Fahrzeugen rücken die Gardeleger an. Nur vier Mitglieder waren in die Planungen der Übung mit einbezogen worden. Zwar mimen vier Feuerwehrleute die verzweifelten Mieter, doch der Block der Gardeleger Wohnungsgenossenschaft (WGG) mit 24 Wohnungen ist schon seit Ostern leergezogen. Da zogen die letzten fünf Mieter aus. Einige von ihnen wohnten von Beginn an in dem Block, der 1962 gebaut wurde. Den Übungseinsatz am Freitag schauten sich nicht nur zahlreiche Anwohner - teils mit bestem Blick von den Balkonen aus - an, sondern auch WGG-Vorstand Henri Schulz. Die Übung der Feuerwehr ist die letzte Aktion in diesem Haus, denn im Juli beginnt der Abriss.

"Wir sind der WGG sehr dankbar, dass wir den Block dafür nutzen konnten, denn so etwas ist eine einmalige Gelegenheit", betonte Lehmann. Übungen gebe es immer nach Bedarf. Ab und an stellen sich auch Unternehmen zur Verfügung, um mit den Mitarbeitern zu zeigen, wie ein echter Einsatz ablaufen würde.

Mit dem Hubsteiger werden Patrick Rasch und Andy Fehse aus dem vierten Geschoss geholt. Klassisch mit Leiter wird René Hillert aus der zweiten Etage in Sicherheit gebracht, ebenso Felix Schmidt, der im ersten Geschoss auf Rettung wartet. Die vier Männer sind Mitglieder der Solpker Ortswehr. Nachdem die Schläuche wieder verstaut sind und die Einsatzkräfte durchgeschwitzt, beginnt für die Wehrmitglieder der zweite Teil des Abends: die Auswertung im Gerätehaus.

"Kleinere Fehler waren da, die werden wir analysieren und daran arbeiten", schätzt Lehmann vor Ort ein. Aber er ergänzt: "Bisher sind Fehler immer nur bei den Übungen passiert, bei den Einsätzen nicht."

   

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