Alkoholprobleme sind häufig Männerprobleme. Das zeigt zumindest die Statistik der Sucht- und Drogenberatung. Von 82 Alkohol-Klienten 2013 waren 68 Männer. In Gardelegen im Büro bieten zwei Berater Hilfe an, um Wege aus der Sucht zu finden. Die können ganz unterschiedlich sein.

Gardelegen l Das Ziel jedes Klienten, der zu ihnen kommt, ist klar: "Einen Weg ohne Abhängigkeit zu finden", sagt Sozialpädagoge Mathias Lubahn. Lubahn und seine Kollegin Juliane Ensminger von der Awo-Sucht- und Drogenberatungsstelle helfen Suchtkranken, den richtigen Weg zu finden. Der kann ganz unterschiedlich sein, kann vom Aufhören bis hin zu Entgiftung oder psychotherapeutischer Behandlung reichen. Ensminger und Lubahn vermitteln dann die Kontakte. Das Gardeleger Büro ist seit 2005 eines von zwei im Altmarkkreis Salzwedel und auch für den Bereich Klötze zuständig. Das Alter der Klienten und ihre Probleme sind ganz unterschiedlich.

Der Schüler mit Videospielsucht, die dazu führt, dass er das Essen vergisst, ist genauso dabei wie die Alkoholikerin, die seit Jahrzehnten mit ihrer Sucht kämpft. Oder der Arbeiter, der jeden Morgen trinkt, um überhaupt zur Arbeit gehen zu können. Im vergangenen Jahr betreuten die zwei Sozialpädagogen in Gardelegen und ihre zwei Kollegen in Salzwedel insgesamt 200 Klienten - in ganz unterschiedlicher Intensität. Der eine kommt regelmäßig zum Gespräch, etwa weil es eine Gerichtsauflage gibt, ein anderer braucht nur alle paar Wochen einen Termin, weil er sein Leben schon halbwegs im Griff hat. Wer den Weg zu Beratung geht, "hat erkannt, dass es nicht alleine geht", so Lubahn. Der Wunsch auf Lebensveränderung müsse da sein. "Wir tragen niemanden zu Terminen hin", verdeutlicht Lubahn.

Ab und an kommt der Impuls nicht vom Klienten selbst. Dann, wenn sich etwa Angehörige einschalten und Hilfe bei den Sozialpädagogen suchen. Und dann auch bei ersten Terminen mit dabei sind.

Beratungen finden üblicherweise in den Räumen an der Gartenstraße statt. Die meisten Klienten haben Alkoholprobleme. Von 82 Klienten waren 68 Männer und 14 Frauen. Der Großteil von ihnen war älter als 45.

Bei den Drogen nannte Ensminger Speed und Cannabis als die, die von Klienten konsumiert werden. Die neue Droge Crystal spiele bislang keine Rolle in der Beratungsstelle.

Ein weiteres Feld ist die Spielsucht. Lubahn nannte dabei klassisch die Spielotheken mit Spielautomaten, aber auch Internetspiele oder auch Facebook-Sucht bei Jugendlichen. So mancher ist bei Videospielen so in seinen Spielrollen, dass er das normale Leben - mit Einkaufen, Essen zubereiten, Post aus dem Kasten nehmen -nicht mehr bewältigt. Bei Bedarf wird dann auch Kontakt zur Schuldnerberatungsstelle gesucht, wenn der Suchtkranke das möchte. Fünf Spielsüchtige hätten bereits in diesem Jahr Kontakt zur Beratungsstelle aufgenommen. Es gebe inzwischen Spezialkliniken für Internetsucht, zu denen Ensminger und Lubahn die Kontakte vermitteln können.

Die Sozialpädagogen unterliegen der Schweigepflicht, das Angebot ist kostenfrei und freiwillig. Beim ersten Kontakt wird meist ein Termin vermittelt. Dienstags und donnerstags ist das Büro ganztägig besetzt. Die Awo-Mitarbeiter betreuen Klienten auch nach einer Rehamaßnahme wegen Suchtproblemen. 22 Termine in den sechs Monaten nach der Reha sind dabei vorgesehen.

Kontakte entstehen über ganz unterschiedliche Wege. Da gibt es den Firmenchef, der sich um seinen Angestellten sorgt, weil er mitbekommen hat, dass dieser trinkt oder Hilfe bei der Wiedereingliederung wünscht. Oder aber der Hausarzt empfiehlt die Berater. Auch von Krankenhäusern, dem Jobcenter oder der Agentur für Arbeit werden potenziellen Klienten Hinweise zur Sucht- und Drogenberatungsstelle gegeben. Firmen, Organisationen, aber auch Schulen und Jugendhilfe-Einrichtungen können sich an die Beratungsstelle wenden.

Hilfe wird auch bei der Vorbereitung auf die medizinisch-psychologische Untersuchung geboten, wenn jemand den Führerschein wiederbekommen möchte. Der nächste Kurs beginnt im Oktober.