Am 28. November wurde in Gardelegen ein neuer Stadtrat gewählt. Die Volksstimme stellt von nun an in den folgenden Ausgaben täglich einen der 36 Ratsherren und Ratsfrauen vor.

Gardelegen (jm). Der Schreibtisch in seinem Sprechzimmer ist ordentlich aufgeräumt. Ordnung sei wichtig, erklärt Andreas Brendtner. Klar, für einen Arzt stimmt das. Doch Brendtner liebt nicht nur als Arzt Ordnung. "Wenn ich etwas anfange, mache ich das zu Ende", sagt der Diplom-Mediziner. Alles muss weggeräumt sein. "Ich komme lieber eine halbe Stunde zu früh", erklärt der Gardeleger lächelnd: "Zu spät zu kommen, kann ich nicht leiden."

Fast wie auswendig gelernt spult er seinen Lebenslauf herunter: 8. August 1963 in Gardelegen geboren, von 1970 bis 1982 Schulbesuch in Gardelegen, Schulabschluss Abitur. Von 1982 bis 1985 Armeezeit in Berlin, daran schloss sich von 1985 bis 1990 das Studium an der Charité in Berlin an, von 1990 bis 1996 Assistenzarzt in der Inneren Abteilung des Krankenhauses in seiner Heimatstadt Gardelegen, seit 1996 niedergelassener Arzt in Gardelegen. Sein erster Tag als praktischer Arzt in seinem Wohnhaus am Burgwall war der 1. Oktober 1996. Eine Biografie ohne Brüche.

1995 hatte Brendtner seine Frau Kirsten geheiratet. Die Sozialversicherungsangestellte arbeitet bei einer Krankenkasse in Wolfsburg. Der gemeinsame Sohn Christian (12) besucht die siebte Klasse des Geschwister-Scholl-Gymnasiums.

Brendtner ist auch in seiner Freizeit als Mediziner engagiert. Er ist Kreissprecher des Bundes der Allgemeinmediziner in Sachsen-Anhalt und organisiert die einmal im Monat stattfindenden Gespräche des hausärztlichen Qualitätszirkels in Gardelegen, die meist mit Weiterbildungen verbunden sind.

Wenn dann noch Zeit bleibt, liest Brendtner gern. "Vor allem historische Geschichten", erzählt der Gardeleger. Sein Interesse gilt vor allem der älteren Geschichte, den Griechen, den alten Römern. Derzeit liest er "Die Kreuzritter".

"Und außerdem versuche ich, mich fit zu halten durch Joggen", sagt der Arzt. Beim Laufen durch den Lindenthaler Forst "bekomme ich den Kopf frei", erzählt Brendtner. Drei- bis viermal in der Woche läuft er so für eine halbe oder dreiviertel Stunde.

Am Wall zu laufen, habe er aufgegeben: "Da werde ich zu oft angesprochen", sagt Brendtner lächelnd – das Los eines Mediziners, den viele Menschen in seiner Heimatstadt kennen. Natürlich sei auch dieser Bekanntheitsgrad mitverantwortlich für die vielen Stimmen, die er im November bei der Stadtratswahl erhalten hatte, sagt er. Ein wenig stolz habe ihn die Zahl von 290 Stimmen dennoch gemacht. Brendtner ist bisher partei- und kommunalpolitisch noch nicht aktiv gewesen, ist parteilos. "Die Arbeit der CDU kommt meinen Ansichten am nächsten", erklärt er. Brendtner hatte auf der CDU-Liste kandidiert. Er wolle nicht nur reden oder meckern, er wolle auch selbst was tun. Bei der Ratsarbeit wird Kompromissbereitschaft nötig sein – "und kompromissbereit bin ich".

"Meine Frau hat vor der Wahl spaßeshalber gesagt, sie wird mich nicht wählen", sagt Brendtner – doch auch als Stadtrat wird es wohl die Auszeiten, die sich der Mediziner mit seiner Frau nimmt, weiter geben. Dann lassen die beiden Gardelegen hinter sich und fahren mal übers Wochenende in eine Großstadt, etwa nach Berlin. Sohn Christian komme noch ab und an mit, bleibe aber inzwischen auch schon mal gern daheim. Denn dort wird Fußball gespielt. Christian spielt in der D-Jugend des SSV 80, Vater Andreas ist im Förderverein des SSV Mitglied.

Dann steht er auf von seinem aufgeräumten Schreibtisch. "Penibel", sei er, hatte er zuvor gesagt – und schmunzelnd hinzugefügt: "Noch ist das aber nicht krankhaft. Vielleicht kommt das im Alter."