Seit Dienstag sind sie mit dem Radl unterwegs: 35 Männer und Frauen mit der Lizenz zum Glückbringen. Am Sonnabend hielten die berühmtesten Schornsteinfeger Deutschlands bei ihrem Kollegen Torsten Kiel in Ziepel und nahmen auch von dort ein bisschen "Glück" mit: für krebskranke Kinder und ihre Angehörigen.

Ziepel l Wer ihnen auf der Straße begegnet, muss sich in den kommenden Wochen wohl keine Sorgen mehr machen: Das Glück, das eine Kolonne von 35 Schornsteinfegern bringt, hält bestimmt eine Weile vor. Und unbestritten sind die Damen und Herren im schwarzen Dress auch ein echter Hingucker, auch wenn sie natürlich nicht in ihrer Kluft radeln.

"99 Prozent von uns sind aber wirklich echte Schornsteinfeger", versichert Werner Klein schmunzelnd. Da hat er auf dem schmucken Hof von Brigitte und Otto Kulow in Ziepel gerade "absolut leckeren Kirschkuchen" gegessen. Den wiederum hatte Simone Kiel - von gegenüber - gebacken und serviert. Ihr Mann, Bezirksschornsteinfegermeister Torsten Kiel hatte nämlich mal eben einfach so 35 Kollegen eingeladen. "Er hat uns angerufen und gefragt, ob wir kommen wollen, und da sind wir", sagt Werner Klein, und augenzwinkernd: "Es hat sich gelohnt. Wir müssen nur noch die Tupperdosen rausholen und die Reste einpacken."

"Was wir sammeln, übergeben wir eins zu eins."

Werner Klein, Tourorganisator

Einpacken dürfen sie dann aber vor allem etwas anderes, nämlich Spendengeld. Neben Gastgeber Torsten Kiel, der den Kollegen was aufs Spendenkonto überweisen wird, hatte auch Bürgermeister Konrad Fuchs, neben einer Spendenzusage der Stadt, einen privaten Umschlag dabei. "Mir liegt das Thema persönlich am Herzen", sagt er. Gardelegens Stadtchef kämpft selbst seit Jahren erfolgreich gegen den Krebs an.

Was die Männer und Frauen des Vereines "Glückstour der Schornsteinfeger" sammeln, kommt krebskranken Menschen zugute. Und zwar den jüngsten. "Wir wollen etwas für die Kinder tun, die an Krebs erkrankt sind", erklärt Werner Klein. Und dabei sind sie erfolgreich: Denn was die Schornsteinfeger seit neun Jahren zusammentragen, wenn sie im Sommer durch ganz Deutschland radeln, ist absolut nicht mehr als Kleingeld zu bezeichnen. Bereits im ersten Jahr waren es stolze 46000 Euro. Mittlerweile sind die Schornsteinfeger mit Herz durch Printmedien, Funk und Fernsehen so bekannt, haben so viele Sponsoren aufgetan, dass nun jährlich noch eine eins vor etwa dieser Summe steht. Über eine Million Euro haben die Glücksbringer bereits zusammengetragen.

Auch jeder Tourteilnehmer allein spendet nämlich schon 500 Euro. Die Kosten für Versorgung und Übernachtungen müssten natürlich auch alle selbst finanzieren, sagt Klein. "Was wir sammeln, übergeben wir eins zu eins an Hospize, Kinderkrebsstationen oder Elterninitiativen." Verwendet werde das Geld aber natürlich nicht für die medizinische Versorgung, erläutert Klein, "die ist in Deutschland okay, soweit wir das einschätzen können". Helfen wollen die Schornsteinfeger dort, wo es nicht finanziert wird. So werden zum Beispiel Wohnmöglichkeiten für Besucher geschaffen, Reha- kliniken gefördert oder Projekte unterstützt, die krebskranken Kindern Leben, Lebensmut und Freude schenken.

In diesem Jahr wird ein Teil des Geldes in Sachsen-Anhalt bleiben: "In Tangermünde übergeben wir einen Scheck an den Förderkreis krebskranker Kinder in Magdeburg", informiert Vereinspräsident Hans Schreiber. Von da aus geht es dann weiter nach Berlin. Auch anderswo können die Kinder schließlich ein bisschen Glück gebrauchen. Und das wünscht natürlich auch Torsten Kiel den Kollegen vor ihrer Weiterfahrt.

So lustig die Männer und Frauen auf ihrer siebentägigen Tour mitunter sind, viele denken oft an einen aus ihren Reihen: Jürgen Stricker, Mitbegründer des Vereines aus Oberfranken, hatte 2005 ein Kind an die heimtückische Krankheit verloren und war zwei Jahre später selbst an Krebs gestorben. Heute wäre er aber ganz sicher stolz auf seine engagierten Kollegen der Schornsteinfegerzunft.

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