Mit einem musikalischen Gottesdienst haben die Wernitzer am Sonntagabend die Wiedereinweihung ihrer Orgel gefeiert. Das Instrument war repariert worden. Mit dem Ergebnis zeigten sich die Einwohner aus Wernitz zufrieden.

Wernitz. 306 Pfeifen ließen die Wernitzer 1879 in die Orgel einbauen – eine Pfeife für jeden Einwohner, die zusammen wie die Orgel einen Wohlklang ergeben sollten. Das berichtete Pfarrer Albrecht Warweg am Sonntag im musikalischen Gottesdienst zur Wiedereinweihung der Orgel. Das Instrument war in den vergangenen Wochen runderneuert worden. Landeskirche, Kirchenkreis und Kirchgemeinde hatten in die Reparatur 4500 Euro investiert.

Das habe sich gelohnt, resümierten die Wernitzer nach dem Gottesdienst. Die Einwohner Ursula Otte und Christa Gadecke stießen im Anschluss an den Gottesdienst erfreut mit Sekt auf die Wiedereinweihung an. Die Orgel klinge "klar, hell und wesentlich schöner", fand auch Eva Reuschel. Die Gardelegerin spielt sonst die Orgel in Wernitz. "Spielbar war sie ja noch. Aber manchmal blieb im Pedal ein Ton hängen, so dass ich mich schon nicht mehr getraut habe, es zu spielen", erzählte sie. Auf ihre Initiative hin war die Orgel repariert worden. Nun freut sich Reuschel schon auf den nächsten Gottesdienst in Wernitz, den sie dann mit dem reparierten Instrument begleiten kann.

Im Gottesdienst zur Wiedereinweihung überließ sie das Orgelspielen Kantorin Natalia Gvodzkova. Sie hatte für die Wiedereinweihung Stücke von Robert Schumann, Felix Mendelssohn Bartholdy und Albert Becker ausgewählt, mit denen sie den Wernitzern die klangliche Spannweite der Orgel demonstierte.

Bevor allerdings die Orgel zum ersten Mal erklang, stellte Albrecht Warweg das Instrument in den Dienst Gottes. Er widmete sich in seiner Predigt mit vier kurzen Geschichten der Weisheit. Weise sei, wer seinem Frust und Zorn nicht freien Lauf lasse, wer bei aller Mühsal das Schöne im Leben sehe, wer mit seinem Leben einverstanden werde und wer von einer Niederlage sagen kann, sie habe ihn weitergebracht. Den Anlass, sich der Weisheit zu widmen, bot ein Auszug aus dem Kolosser-Brief. "Belehrt und ermahnt einander in aller Weisheit!", heißt es darin. Das bedeute vor allem, den richtigen Ton im Umgang miteinander zu finden. Wohlklang sei Weisheit, fand Albrecht Warweg.

Wohlklang brachte auch der Kirchenchor Dannefeld-Mieste mit einigen Liedern in die Wernitzer Kirche. Und beim Kanon "Lobet und preiset, ihr Völker, den Herrn", den Chor und Gemeinde gemeinsam anstimmten, wurden die Einwohner zumindest gesanglich betrachtet in Wohlklang gebracht.

Am Ende des Gottesdienstes kam Albrecht Warweg noch einmal auf den Wohlklang zurück, auf den, den Natalia Gvodzkova in den Gottesdienst gebracht hatte. Zum Dank erhielt sie eine Klangschale, bevor die Einwohner auf die gelungene Wiedereinweihung der Orgel anstießen und bei belegten Broten und guten Gesprächen in der Kirche verweilten.

Die Wernitzer Orgel wurde 1879 vom Stendaler Orgelbaumeister Voigt errichtet und kostete damals 600 Mark. Im Ersten Weltkrieg verstummte das Instrument, denn für Rüstungszwecke wurden seine Pfeifen eingeschmolzen. Zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg wurden die Pfeifen dann aber wieder erneuert. Eine weitere Erneuerung stand Ende der 1940er Jahre an. In den 1980er Jahren wurde die Belüftung auf elektronischen Betrieb umgestellt. Nach der nun realisierten Reparatur kann die Orgel entweder mechanisch oder elektrisch belüftet werden.

 

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