Innerhalb des Planinsolvenzverfahrens der Gardeleger AKT hat das Berliner Insolvenzgericht die vorläufige "starke Verwaltung" angeordnet. Grund dafür war der Misstrauensantrag einer Gläubigerbank. Insolvenzverwalter Dr. Christoph Schulte-Kaubrügger ist nun allein verfügungsberechtigt, will aber weiter mit der derzeitigen Geschäftsführung zusammenarbeiten. Ziel ist weiterhin die Rettung des Unternehmens, für das es derzeit 20 Kaufinteressenten gibt.

Gardelegen. Schon wieder eine Änderung in der Chefetage der Gardeleger AKT: Zu Jahresbeginn hatte der größte Arbeitgeber der Region unerwartet Insolvenz angemeldet. Mit den neu eingesetzten Dresdner Geschäftsführern, dem Insolvenzanwalt Andrew Seidl und Bernhard Schrettle, Berater der Logos Consult GmbH, sollte daraufhin ein Planinsolvenzverfahren in Eigenregie erfolgen. Doch seit Donnerstag sind beide Geschäftsführer nun wieder "ohne funktionelle Macht. In unseren Rechten sind uns quasi Handschellen angelegt", beschrieb Schrettle gestern bildlich. Jedwede Entscheidungsbefugnis liege nun allein bei Insolvenzverwalter Dr. Christoph Schulte-Kaubrügger. Damit habe das Insolvenzgericht auf einen entsprechenden Antrag der Commerzbank reagiert. "Ich bin heute noch da", so Schrettle gestern. Alles weitere werde der Insolvenzverwalter entscheiden. "Theoretisch" könne der sogar ein Hausverbot erteilen und die Bezüge streichen.

Davon ist Schulze-Kaubrügger indes weit entfernt. Der Berliner Anwalt, der Anfang Januar als Insolvenzverwalter für das zahlungsunfähige Gardeleger Unternehmen eingesetzt wurde, plant, "weiterhin mit Schrettle und Seidl zusammenzuarbeiten". "An den Prozessen, am Sanierungskonzept ändert sich nichts", so der Insolvenzverwalter: "Schrettle und Seidl sind in Ordnung, sie arbeiten seriös."

Die Entscheidung des Gerichtes, beiden die vorläufige Geschäftsführung zu entziehen, sei einfach darin begründet, dass die Gläubiger das Vertrauen in die von den Gesellschaftern Aloys Burwinkel und Dr. Clemens Püttmann eingesetzte Geschäftsführung der AKT verloren hätten.

Die Commerzbank, so Schulte-Kaubrügger, sei dabei nur eine von mehreren Gläubigern in einem Bankenpool, die alle auf diese Entmachtung gedrängt hätten. Nach dem doch "überraschenden Insolvenzantrag zu Beginn dieses Jahres", könne man das "den Banken auch nicht übel nehmen".

Fakt sei, dass die Gesellschafter in der Vergangenheit keine zuverlässigen Geschäftspartner für die Gläubiger gewesen seien. Auch der von Püttmann und Burwinkel angestrebte Versuch, das Gardeleger Unternehmen zu verkaufen, sei von wenig Erfolg gekrönt gewesen, obgleich es "genug Interessenten gegeben" habe, so der Insolvenzanwalt.

Und das sei auch aktuell noch so: 20 Kaufinteressenten gebe es derzeit, bestätigt er auf Anfrage. Im Gespräch ist der Berliner "unter anderem" mit dem Burscheider Unternehmen Jonson Controls, das gleichzeitig Kunde der AKT sei, "wie aber etliche andere Interessenten auch", so Schulte-Kaubrügger. Ein Verkauf des Unternehmens sei geplant.

"Darauf läuft es hinaus", bestätigte gestern auch Bernhard Schrettle. "Der klare Auftrag" des Insolvenzverwalters sei "der Verkauf".

Über diese Pläne sei die Belegschaft bereits informiert worden, so Christoph Schulte-Kaubrügger. Die beiden Geschäftsführer stünden für einen offenen Umgang mit den Fakten zum Insolvenzverfahren. Schrettle und Seidl seien von Beginn an "offensiv auf die Leute zugegangen". So habe es in den vergangenen Tagen bereits zwei Belegschaftsversammlungen gegeben. Und erst am Freitag sei ein Rundschreiben herausgegeben worden, in dem die Mitarbeiter mit Informationen versorgt worden seien.

Der Betriebsratsvorsitzende Gerhard Hottowitz bestätigte dies gestern. Tenor des Schreibens sei, "dass es weitergeht, und dass das Geld gesichert ist". Derzeit reagierten die Kollegen allerdings "sehr unterschiedlich", so Hottowitz. Schließlich hinterlasse allein das Wort Insolvenz "immer einen faden Beigeschmack", viele hätten darum "Angst um ihre Arbeit".

Das sei jedoch auch nach einem möglichen Verkauf unbegründet, glaubt Christoph Schulte-Kaubrügger: "Ein Personalabbau wäre derzeit auf keinen Fall angebracht: "Im Gegenteil, eigentlich ist ja sogar zu wenig Personal da."

An den vollen Auftragsbüchern habe sich schließlich nichts geändert. Immerhin 150 Leiharbeiter verstärken seit geraumer Zeit die gut 1000 festangestellten Mitarbeiter der AKT.

Wichtig für das weitere Verfahren sei nun vor allem, "dass endlich Ruhe reinkommt", so der Insolvenzverwalter: "Das sehen auch die Banken so."

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