Am 16. Juli jährt sich zum 700. Mal der Tag, an dem Gardelegen das Braurecht übertragen wurde - gewissermaßen die Wiege für das Gardeleger Garley-Bier. Das Ereignis soll am 16. Juli mit einem kleinen Fest gefeiert werden. Rupert Kaiser von der Gardeleger Stadtverwaltung hat dazu in drei Teilen einen kurzen geschichtlichen Abriss verfasst.

Gardelegen l Am 16. Juli 1314, also vor genau 700 Jahren, gefiel sich Markgraf Waldemar von Brandenburg als Gönner und schenkte der löblichen Stadt Gardelegen das Malzrecht, also das Recht, Gerste zu mälzen, um daraus mit dem um Gardelegen angebauten Hopfen, der der beste weit und breit gewesen sein sollte, ein wohlschmeckendes und nahrhaftes Bier zu brauen. (Der Urkundentext soll genauso sperrig gewesen sein, wie dieser Satz.)

Damit legalisierte er das längst in unseren Mauern betriebene Brauhandwerk und begründete somit das Markenzeichen "Garlei", das in abgewandelter Form zu einer der langlebigsten Handelsmarken und einem der ältesten Markenbiere der Welt wurde.

Und so setzte er eine Geschichte voller Segen und Fluch in Gang ...

Dabei fing alles so verheißungsvoll an - Garlei soff sich weg wie nichts. Der Trank war dickflüssig, hatte einen ganz netten Alkoholanteil, heilte innerliche wie äußerliche Gebrechen und schadete selbst den lieben Kleinen nicht. Zudem wurde das Gebräu in Apotheken verabreicht, was ihm den Charakter eines Heilmittels verlieh. Die, die es produzierten, kamen zu bescheidenem Reichtum. Und Gardelegen zur Hanse.

Das lag nun aber nicht am Bier, sondern vielmehr daran, dass Gardelegen zum altmärkischen Städtebund zählte - und von Stendal und Salzwedel mit allen anderen "Bundesgenossen" quasi in die Hanse mitgeschleppt wurde, die günstige Lage, gute Tuch- und Töpferwaren und eben den besten Hopfen weit und breit konnte unsere Stadt in die Waagschale werfen.

Vom Bier war nicht die Rede. Konnte auch nicht sein, denn dafür war das Zeug einfach nicht haltbar genug. Doch es entwickelte sich, das Brauwesen. Die Gardeleger von der Wiege bis zur Bahre tranken es sowieso, und über kurze Distanzen, sagen wir, bis Calvörde, konnte es auch exportiert werden. Das brachte Geld, was dem in Berlin residierenden Markgrafen Johann Cicero natürlich nicht entgangen war.

Der, wieder einmal finanziell in der Klemme, fasste 1488 den Beschluss, dass der, der zu Reichtum gekommen sei, auch zahlen könne. Prompt erhöhte er für die altmärkischen Städte die Biersteuer, Ziese genannt. Damit hoffte er, das geschrumpfte Staatssäckel mästen zu könnten.

Doch da hatte Johann Cicero die Rechnung ohne den Wirt, also ohne die Brauer, gemacht. Es kam zum berüchtigten Bierziesekrieg. Der Kurfürst persönlich ritt in die Städte ein, als Sieger wieder heraus und hinterließ eine blutige Spur.

Auch in Gardelegen griff er mit harter Hand durch. Drei Rädelsführer verloren buchstäblich ihren Kopf. Die Stadt hatte 1500 Rheinische Gulden zu zahlen, die erhöhte Biersteuer war eine unter Heulen und Zähneknirschen beschlossene Sache.

Was schwerer wog: Die Altmarkstädte hatten aus allen Bündnissen auszutreten, also auch aus der Hanse. Und da die Gardeleger schon damals ein folg- und fügsames Völkchen waren, taten sie, wie ihnen der Kurfürst geheißen.

Das Bier - das doch noch eine so große Zukunft in und für die Hansestadt Gardelegen haben sollte - war zum Sargnagel der Hanseherrlichkeit der Stadt geworden.

Wir waren dabei - das muss uns genügen. Und damit endet der erste Teil der Geschichte.