Das zweite "schwalbenfreundliche Haus" gibt es nun ganz offiziell in Kalbe. Am Dienstag überreichte Michael Arens vom Naturschutzbund Sachsen-Anhalt die Plakette an Stefan Quisdorf und Doreen Klein-Quisdorf.

Kalbe l "Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer" besagt ein Sprichwort, dessen Hauptakteur, die Schwalbe, jedoch immer seltener wird. Grund hierfür sind die immer schlechter werdenden Nistbedingungen für die schnittigen Flugkünstler, wie Michael Arens, Leiter der Fachgruppe Naturschutz Vienau und Mitglied im Kreisvorstand des Naturschutzbundes (NABU) im Altmarkkreis, erklärt.

Bei Familie Quisdorf am Markt 9 in Kalbe ist das ein wenig anders. Unter dem Torweg haben sich gleich sieben Schwalbenfamilien ein Nest bauen dürfen. Und an anderen Stellen des Hofes gibt es noch weitere, berichtete Hausherrin Doreen Klein-Quisdorf. "Ja, natürlich sieht man in der Einfahrt direkt unter den Nestern jetzt, wer darüber wohnt", sagte Stefan Quisdorf. Doch der Zustand halte nur so lange an, wie die Altvögel ihre Jungen aufziehen, danach falle kaum noch Kot aus der Höhe herab, erläuterte Michael Arens. Und weil Doreen und Stefan Quisdorf so gar kein Problem mit den Schwalben haben, freute sich Michael Arens, ihnen als zweitem Haus in der Mildestadt ganz offiziell den Titel "Schwalbenfreundliches Haus" vergeben zu können.

Die alten Ställe für Kühe oder Schweine, die es bis vor 20 Jahren noch auf fast jedem Hof gab, werden immer weniger. Und wenn doch, sind sie nur noch sehr selten bewirtschaftet. Entsprechend gibt es auch kaum noch Misthaufen - die Brutstätte für die Hauptnahrung der Schwalben - Fliegen. Daraus folgt, dass die Schwalben zum einen immer weniger Nistmöglichkeiten haben und ihnen als zweites die Nahrungsgrundlage geradezu entzogen wird, machte Michael Arens deutlich. Und wenn ein Schwalbenpärchen sich dennoch mal an einer Hauswand häuslich niederlassen möchte und beginnt, die markanten Halbrundbögen an die Wand zu kleben, sei so mancher Besitzer schnell mit dem Flatterband da, um die Vögel von ihrem Vorhaben abzuschrecken. "Ob das dann schöner ist als ein Schwalbennest, das weiß ich nicht", gab Arens mit einem bestimmten Lächeln zu bedenken.

Angesichts dieser Entwicklung wurde die Schwalbe immer seltener. Und deshalb rief der Nabu 2012 erstmalig das Projekt "Schwalbenfreundliches Haus" ins Leben. "Die Aktion soll darauf aufmerksam machen, dass die Bestände der wendigen, kleinen Vögel jährlich zurückgehen", sagte der Fachmann der Vienauer Fachgruppe Naturschutz. Im Altmarkkreis Salzwedel wurden im vergangenen Jahr insgesamt 20 dieser Plaketten vergeben. In ganz Sachsen-Anhalt waren es sogar 2000. Wer mit den Schwalben in enger Nachbarschaft lebt oder deren Ansiedlung fördert, kann sich um die Plakette "Schwalbenfreundliches Haus" bewerben. Die schnellste Möglichkeit bietet dazu die Internetseite des Naturschutzbundes Sachsen-Anhalt unter Projekte und Aktionen.

Für Stefan und Doreen Quisdorf hat ihr Beagle Maya großen Anteil am Schwalbenschutz auf dem Hof ihres Hotels. "Sie hält die Katzen fern, und erst heute hat sie eine Elster vertrieben. Es ist ein richtiges Schauspiel", erzählte die Hausherrin begeistert. Maya habe eine Mauer zu ihrem Beobachtungsposten gemacht und wache von dort aus über ihr Reich. "Unsere Schwalben brauchen sich am Tag um Katzen jedenfalls keine Sorgen zu machen. Und wir brauchen uns im Gegenzug keine Sorgen um Mücken zu machen", erzählten Stefan und Doreen Quisdorf.

Und die einzig sichtbare Beeinträchtigung durch die Schwalben, die lasse sich mit Kotbrettern direkt unter den Nestern ohne Probleme beseitigen, gab Michael Arens dem schwalbenfreundlichen Kalbenser Paar noch einen abschließenden Tipp.