Gestern war ihr letzter Arbeitstag. Kathrin Wenske verlässt nach nur einem halben Schuljahr als Direktorin die evangelische Grundschule Gardelegen. Die Gründe für ihre sehr plötzliche Entscheidung sind "sehr persönlich", sagt Wenske. Dennoch kann sie sie in vier Worten zusammenfassen: "Ich habe einfach Heimweh."

Gardelegen. Heimweh sei schlimmer als Zahnschmerzen, sagt ein Sprichwort. Kathrin Wenske kann das wohl bestätigen. Noch vor dem Ende des ersten Schulhalbjahres der gerade erst gegründeten evangelischen Grundschule in Gardelegen geht die gebürtige Burgerin in ihre Heimat zurück. Nicht nach Burg, wo ihre Eltern wohnen, sondern zurück nach Worms, wo die 42-Jährige 20 Jahren lang lebte, wo ihre beiden Kinder geboren sind, wo ihr Mann und der 20-jährige Sohn leben und ihre sozialen Kontakte seien, sagt Wenske. Ein weiterer Grund für ihre Entscheidung ist ihre fünfjährige Tochter Marie, die Wenske mit Beginn ihrer Arbeit in Gardelegen im Sommer 2010 nach Burg begleitete. Sie sei mit der Umstellung nicht zurechtgekommen, so die Schulleiterin: "Und ich bin schließlich auch eine Mama!"

Die "Heimatverbundenheit" zu Sachsen-Anhalt, auf die sie noch im Frühjahr 2010 vertraut hatte, reichte nicht aus, um ihre weitere berufliche Perspektive hier zu sehen. "Man kann das eben nie ganz vorhersehen. Es hat einfach nicht geklappt", bedauert Wenske. In Worms wird sie schon am Montag wieder in ihrer alten Schule als Lehrerin weiterarbeiten: "Die Kollegen freuen sich schon."

In Gardelegen kam ihre Kündigung indes ziemlich unerwartet. "Wir waren schon sehr überrascht", sagt Oliver Teßmer, Vorsitzender des Fördervereines der evangelischen Grundschule. Allerdings seien personelle Belange nicht Sache des Vereins, sondern des Schulträgers. Und daran, dass der Schulbetrieb uneingeschränkt weitergeführt werden könne, "habe ich keine Zweifel", so Teßmer.

"Wir sind mit dem Kultusministerium in Gesprächen über eine Neubesetzung", bestätigt gestern Dr. Andrea Helzel, Vorstandsmitglied der Johannes-Schulstiftung als Träger der Grundschule. "Von jetzt auf gleich" sei die Stelle aber natürlich nicht zu besetzten. Auch für die Stiftung sei der Wunsch von Kathrin Wenske überraschend gewesen. Dass eine Schulleiterin so kurzfristig aus ihrem Vertrag entlassen werden könne, sei aber im gegenseitigen Einvernehmen möglich, "wenn es besondere Umstände bedingen", erklärte die Verantwortliche auf Anfrage weiter. Und "spätestens zum neuen Schuljahr" sollte ein Nachfolger für Wenske zu finden sein, so Helzel hoffnungsvoll.

Optimistisch gibt sich auch Lehrerin Swantje Roitsch. Sie werde zunächst kommissarisch als Schulleiterin fungieren, erklärte sie gestern im Volksstimme-Gespräch: "Wir werden mit Frau Wenske im Gespräch bleiben, der Schulbetrieb läuft ganz normal weiter." Wenn in anderen Schulen plötzlich Lehrkräfte ausfallen, müsse das schließlich auch überbrückt werden. Die Deutschstunden ihrer bisherigen Schulleiterin wird Roitsch zunächst selbst übernehmen. Zudem gebe es schon "Gespräche" mit potenziell neuen Kollegen, versicherte Roitsch. Und die Hauptpersonen, die Kinder nämlich, "verkraften das besser, als man denkt".

Ihnen habe sie am Mittwoch natürlich persönlich von ihrem Weggang berichtet, erzählte Wenske. "In einem Sitzkreis" hatte sie den 18 Jungen und Mädchen von ihrer Familie erzählt, und die Kinder hätten "sehr verständnisvoll reagiert", ebenso wie die Eltern, denen sie während einer Elternversammlung die Sachlage geschildert habe. Besonders bei ihnen möchte sie sich auch "für die Chance bedanken, diese Schule aufbauen zu können: "Ich bin sehr stolz, dass ich dabei sein durfte."

Wer ihre Nachfolge antritt, muss sich laut Aussage von Swantje Roitsch übrigens keine Sorgen um die Schülerzahlen machen: "Wir haben fürs nächste Schuljahr schon viele Anmeldungen. Für das darauf folgende Jahr sind wir schon fast voll."