Die Mitglieder der Gemeinde-Elternvertretung für Kitas und Horte in der Hansestadt Gardelegen trafen sich am Mittwochabend in der Berger Kita "Wichtelstübchen" zur regulären Sitzung. Bei einem Rundgang zeigten sich im Gremium teils extreme Eindrücke.

Berge l "Oh Gott, hier möchte ich nicht arbeiten. Da bekommt man doch Depressionen", sagt Oliver Stegert und schaut sich noch einmal im Büro der Kita "Wichtelstübchen" um. Kein Fenster, nur das kalte Licht zweier unverkleideter Neonröhren erhellt den Raum, der eher mit einer Abstellkammer zu vergleichen wäre. Matratzen und Bettwäsche stehen in dem schmalen Raum in Regalen, der Blick vom Schreibtisch geht direkt auf eine Wand, und auch sonst ist zwischen Regalen mit Spielmaterial, Kartons und Schränken kaum Platz.

Anlass der Wahl des Sitzungsortes war, dass "laut geworden ist, die Kita Berge in den Estedter Hort zu integrieren, wenn die Schule schließt", drückt es Manuela Dietrich-Beckers von der Gardeleger Stadtverwaltung, unter anderem zuständig für die Kitas, aus. Als Bestandsaufnahme sieht es der Vorsitzende der Gemeinde-Elternvertretung, Nico Macht, und verweist auf die vorangegangenen Sitzungen in Lind-stedt, Mieste und Letzlingen mit gleichem Hintergrund.

"Dass es dafür eine Betriebserlaubnis gibt, ist unfassbar."

Beate Hoppe, Elternkuratorium Kita "Abenteuerland" Köckte

Die Bestandsaufnahme geht im Gruppenraum für die 20 Kindergartenkinder weiter. Spielen, essen, schlafen - alles in einem Raum. Für die 13 Krippenkinder gibt es einen Gruppenraum und einen separaten Schlafraum. Vier Mitarbeiter und einen Hortner für zwei Stunden täglich, "wenn er denn mal da ist", gibt es in Berge, führte die Vorsitzende des Elternkuratoriums der Kita, Andrea Dannies, aus. Grund zur Beanstandung gibt es in den Sanitärräumen augenscheinlich nicht, stellen die Vertreter weiter fest. Doch dann führt der Rundgang unter einem Plastikdach hindurch über ein kleines Stück Hof zur Küche. Spätestens dort schlägt das stumme Staunen um. "Das geht doch gar nicht!", sagt Nico Macht in der Küche, die eher einer Waschküche auf einem Bauernhof gleicht.

"Dass es dafür eine Betriebserlaubnis gibt, ist unfassbar", sagt Beate Hoppe von der Köckter Kita "Abenteuerland", während sie sich im Sportraum umschaut. Kahle Wände mit uralter Tapete, ab und zu eine gebastelte Papierblume als Wandschmuck, vergitterte Fenster und abgestellte Kulissenteile von den Theaterstücken der Kita sind dort zu finden. Passiert haben die Besucher zuvor einen vollgestellten Flur, zu dem auch die Kinder Zutritt haben, wenn sie ihr Essgeschirr zur Küche bringen, ein paar Stufen, einen schmalen Raum, der offensichtlich eine Grundsanierung nach Wasserschaden braucht und noch einen Flur, in dem vor einem großen Loch in der Regipswand eine alte Tür steht, die wiederum mit einem davor abgestellten Tisch am Umfallen gehindert werden soll, bevor sich die Tür zum Sportraum öffnet.

"Wir müssen hier Gefahr von den Kindern abwenden."

Nicole Wohlgemuth, Elternkuratorium Kita "Hellbergwichtel" Estedt

Mit der Bitte, in der Kita die eine und andere Sache zu beseitigen, soll sich Dietrich-Beckers an das Bauamt wenden, sagt Nico Macht bei der anschließenden Sitzung im Gruppenraum der Kita. "Wir müssen hier Gefahr von den Kindern abwenden", betont Nicole Wohlgemuth vom Elternkuratorium der Estedter Kita.

Den Gerüchten über die Schließung der Kita gibt Dietrich-Beckers an diesem Abend keinen Zündstoff. "Es geht heute weder um Schließung noch um Investitionen. Wir wollen nur mal schauen", sagt sie. "Es könnte doch aber eine Anregung sein, hier zu investieren" antwortet Jörg Marten.

Anja Rohrdiek, Elternvertreterin aus der Kita "Entdeckerland" Lindstedt, fragt Andrea Dannies, wie es mit dem Wunsch der Eltern zum Verbleib der Kita im Ort steht. "Wir wollen hier am Ort und diesem Platz bleiben." In der Vergangenheit hätten die Eltern "viel Herzblut in die Einrichtung gesteckt". "Das kann ich bestätigen", sagt Dietrich-Beckers. Erst im vergangen Jahr sei der Flur renoviert und gestrichen worden.

Aufgeräumt war Donnerstagmittag bereits der zugestellte Flur an der Küche, sagt die Sachgebietsleiterin gestern auf Nachfrage. Kita-Leiterin Irmgard Buchholz habe erklärt, dass die meisten der Sachen wegen des Besuches aus den Gruppenräumen geräumt worden waren. Und mit den Kartons, in denen das neue Geschirr geliefert worden war, spielten die Kinder noch.