Der Gardeleger Bahnhof soll zum Sachsen-Anhalt-Tag im kommenden Juni ein bisschen aufgemöbelt werden. Keine grundhafte Sanierung, aber hier und da frische Farbe, reparierte Fenster und eine gründliche Säuberung sollen das Gebäude nicht mehr ganz so trostlos erscheinen lassen, wie es derzeit noch aussieht. Bezahlen will diese Schönheitskur die Deutsche Bahn.

Gardelegen. Karin Meyer, Bahnhofsmanagerin des Bahnbezirkes Magdeburg, sucht einen Moment nach der richtigen Formulierung. "Sagen wir mal es ist ein kleines Verschönerungsprogramm", spricht sie dann ins Telefon, und meint damit zahlreiche Maßnahmen, die die Deutsche Bahn AG in den nächsten Wochen für das Gardeleger Bahnhofsgebäude plant.

So sollen "im belebten Teil des Empfangsbereiches zum Beispiel die kaputten Scheiben durch neue ersetzt", dazu das gesamte Gebäude ringsherum "von Graffiti gesäubert werden". Überall da, wo "immer wieder verschiedenes Holz verwendet wurde", soll ein einheitliches Bild entstehen. "Frische Farbe" soll dorthin, wo alte abblättert. Zum Beispiel außen am Palmensaal: "Da könnten wir uns übrigens auch vorstellen, dass dieser Bereich von einem Graffiti-Künstler verschönert wird."

Und natürlich wird es Reparaturen geben. Unter anderem an "einigen Kellerfenstern" und "am Antrittsbereich". Kurz, es wird nicht das volle, aber immerhin ein Schönheits-Grundprogramm. "Wir wollen uns damit einbringen in die Vorbereitungen zum Sachsen-Anhalt-Tag", erklärt Karin Meyer. Denn auch der Deutschen Bahn AG sei natürlich klar, welchen Eindruck der Bahnhof bei den dort ankommenden Landesfestbesuchern hinterlassen würde.

Ein Argument, das auch Bürgermeister Konrad Fuchs in den vergangenen Monaten und Jahren immer wieder angesprochen hatte, wenn das Thema Bahnhof im Stadtrat diskutiert wurde.

Regelmäßig hatte das Bauamt immer wieder neue Vorschläge zur Zukunft des Bahnhofes gemacht. Bislang konnten sich die Stadträte jedoch weder mit der Erstellung eines eigenen noch eines geförderten Konzeptes anfreunden.

Tenor der Argumente gegen jede Überlegung zum Thema Bahnhof: Das Gebäude gehört der Bahn, die solle sich auch darum kümmern.

Und das will die nun – wenn auch nur ansatzweise – in den nächsten Wochen tun. "Rund 20 000 Euro" wolle sich das Unternehmen die Aktion kosten lassen, werde sich auch nicht kleinlich zeigen, so Karin Meyer: "Was gemacht werden muss, wird auch gemacht."

Zum Thema "müssen" hat die Bahn für das Landesfestwochenende übrigens auch eine Ausweichlösung anzubieten. So soll während der drei Festtage an der Rampe auf dem Bahnsteig ein Dixie-Klo aufgestellt werden. "Die Toilettenanlage im Bahnhof kann man niemandem anbieten", sagt Meyer: "Das ist noch dunkelster DDR-Standard." Ganz ohne Toilette solle der Bahnhof nicht bleiben. "Denn da trinkt der eine oder andere doch mal eine Selters mehr und freut sich dann, wenn er eine Toilette vorfindet."

Erledigt werden alle Arbeiten von Vertragspartnern der Bahn. "Wir sind gehalten, das möglichst über unsere eigenen Dienstleiter abzuwickeln", erklärt Meyer, die mehr als 175 Bahnhöfe betreut. Alle Pläne und deren Finanzierung seien auch schon "von der Verwaltung abgenickt". So steht dem Beginn der Arbeiten – "Ende März, Anfang April" – auch nichts mehr im Wege.

Dass die Investition indes keine nachhaltige Verbesserung ist, will Karin Meyer nicht bestreiten. "Schade" findet die Bahnhofsmanagerin in diesem Zusammenhang, "dass sich noch niemand gefunden hat, der dort mit Gastronomie oder einem Büro" den Palmensaal oder andere Teile des Gebäudes belebt.

Erfreut über die Initiative der Bahn äußerte sich gestern Bürgermeister Fuchs. Er hatte am Vortag mit Meyer verhandelt. Dabei habe er der Bahnmanagerin aber auch klargemacht, dass ein Kauf des Gebäudes für die Stadt nicht infrage komme: "Ich glaube nicht, dass ich mit dem Thema noch einmal in den Rat hineingehe." Andererseits, sinnierte Fuchs, könnte sich vielleicht doch noch jemand finden, der nach der Schönheitskur Gefallen am Bahnhof finde und mit klugen Ideen ein Nutzungskonzept ermögliche.

Denn ohne eine Nachnutzung, das hatte auch Bauminister Karl-Heinz-Daehre während seines Besuches in Gardelegen Ende 2010 klargemacht, sei eine Investition in den Bahnhof wenig sinnvoll. Falls es aber ein tragfähiges Konzept gebe, werde auch das Land seine Möglichkeiten prüfen, eine Sanierung des Bahnhofes zu fördern.