Kalbe l Telma Marques dos Santos und Tiago Veroade de Oliviera sind wieder zu Hause. Am Sonntag haben die beiden portugiesischen Künstler, die seit Ende Juni als "Artists in residence" in Kalbe gewohnt und gearbeitet hatten, die Heimreise angetreten - aber nicht, ohne ihre Werke, die in den vergangenen Wochen entstanden sind, einer interessierten Öffentlichkeit zu präsentieren. Dazu gab es am Sonnabend einen Rundgang durch die Atelierräume.

Kreative Projekte als Berufsziel

Und daran nahm dann auch noch eine weitere Portugiesin teil: Joana Gomes. Sie ist die Freundin von Stephan John und besuchte am Wochenende mit ihm dessen Mutter Hilda John in Kakerbeck. Die hatte unmittelbar zuvor in der Zeitung gelesen, dass zwei junge Künstler aus Portugal in Kalbe aktiv sind und war der Meinung: "Das wäre doch mal wieder eine tolle Gelegenheit für Joana, portugiesisch zu sprechen." Denn so groß seien die Möglichkeiten in Deutschland ja nicht. Schließlich leben ihr Sohn und seine Freundin, die sich vor drei Jahren in England kennen gelernt haben, schon seit einiger Zeit zusammen in Leipzig. Und so fuhr die Familie am Sonnabend nach Kalbe.

Dorthin könnte es aber auch Telma Marques dos Santos bald zurückziehen. Denn die 30-Jährige, die wie ihr Kollege Tiago ein Studium der Bildenden Kunst abgeschlossen hat, findet in ihrer Heimat keine Arbeit. Gern würde sie etwas mit Kindern machen. Warum nicht in Deutschland? Es gäbe schließlich, sagte Künstlerstadt-Initiatorin Corinna Köbele, ein neues Förderprogramm der Europäischen Union, das derartige Projekte fördere. Mit den Kindern könnte kreativ gearbeitet werden, gleichzeitig würde ihnen dabei die englische Sprache näher gebracht. Denn Deutsch kann Telma Veroade dos Santos (noch) nicht, Englisch aber sehr wohl.

Sommercampus in der Künstlerstadt Kalbe

Deshalb mussten während des Atelier-Rundganges am Sonnabend auch Corinna Köbele sowie Carl Vetter als Dolmetscher agieren. Letzterer ist ebenfalls bildender Künstler, lebt in Langenapel und hatte die beiden Portugiesen vor einiger Zeit bei einem Workshop in deren Heimatland kennen gelernt. Dabei hatte er sie dann auch auf die Möglichkeiten aufmerksam gemacht, die ihnen die Künstlerstadt Kalbe bieten würde. Die stellt nämlich kostenfrei Wohn- und Arbeitsräume für Kreative zur Verfügung.

Für die kommenden Wochen sind allerdings alle Plätze ausgebucht. Denn am Sonnabend, 26. Juli, beginnt der Sommercampus 2014, zu dem insgesamt 60 Kunststudenten erwartet werden. Einige von ihnen kommen schon zu zweiten Mal nach Kalbe.

Telma Veroade de Oliviera kann das gut nachvollziehen. Auch sie sagte am Sonnabend: "I love this place. The people are very friendly." Zu deutsch: "Ich liebe diesen Platz, die Menschen sind sehr freundlich."

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