Der Wasserverband Bismark klagt zunehmend über die Unvernunft einiger Kunden, die mit der Entsorgung von Lappen oder Windeln über die Kanalisation Schäden an Pumpstationen verursachen. Allein in diesem Jahr seien dies bisher über 5000 Euro gewesen.

Gardelegen/Lindstedt l Feuchttücher, Putzlappen, Babywindeln, Wattestäbchen, sogar Inkontinenzwindeln - und die Krönung bisher - ein Badvorleger - werden in die Toiletten gestopft. Offenbar vor allem im Zuständigkeitsbereich des Bismarker Wasserverbandes, wozu unter anderem Lindstedt gehört. Dort habe sich auch der Badvorleger um Schneidwerk und Welle einer Pumpe im dortigen Schmutzwasserpumpwerk gelegt.

Für Verbandsgeschäftsführer Herbert Kunze ist das kein Bagatellvergehen, denn der finanzielle Schaden für den Verband sei hoch. Allein in diesem Jahr habe der Verband Reparaturen in Umfang von mehr als 5000 Euro ausführen lassen müssen. Ursache sei die Gleichgültigkeit einiger Kunden, die ihre Toiletten für die Entsorgung der unmöglichsten Dinge, die nicht in die Kanalisation gehören, nutzen. "Wir haben schon so ziemlich alles gefunden", sagte Kunze im Volksstimme-Gespräch. Zu den eingangs erwähnten Dingen kämen unter anderem Strümpfe, Zubehör für Aquarien, Unterwäsche und vieles mehr dazu.

Diese Form von Entsorgung führe dazu, dass über einen bestimmten Zeitraum die Pumpstationen zulaufen und verstopfen, erläuterte Kunze. Denn diese Stoffe würden sich nicht auflösen. Die Pumpen seien irgendwann dicht. Und das würden dann als erstes die Grundstückseigentümer merken, die in der Nähe solcher Pumpstationen wohnen. "Deren Schmutzwasser läuft dann nicht mehr ab. Es drückt zurück ins Haus", so Kunze. Für die Beseitigung der Schäden müsse der Verband Fremdfirmen beauftragen. Die Reparatur erfolge dann in mühseliger Handarbeit. "Das muss dann mit Schraubenziehern oder anderen Gerätschaften Stück für Stück aus Schneidwerk oder Welle herausgeholt werden, denn das Zeug zieht sich fest um die Pumpenteile", so Kunze. Wenn man Pech habe, finden sich auch Rasierklingen in dem ekligen Wulst.

In etlichen Fällen seien die Übeltäter zwar bekannt. Es sei allerdings schwierig, die Beweisfrage zu klären. Sollte das gelingen, dann werden diese Ordnungswidrigkeiten mit Bußgeld und Regressforderungen geahndet. Bei einem Totalschaden an einer Pumpe könnten Kosten bis 5000 Euro und mehr anfallen. "Wir appellieren daher an die Bürger, dass sie durch ihr umsichtiges Verhalten dazu beitragen, dass keine unnötigen Reparaturarbeiten entstehen, die den Gebührenhaushalt und somit den Endverbrauchern insgesamt wieder in Rechnung gestellt werden", betonte Herbert Kunze, der sich jetzt aufgrund der Häufigkeit an die Öffentlichkeit gewendet hat.

Öl und Fett setzen sich in den Rohrleitungen ab

Im Zuständigkeitsbereich des Gardeleger Wasserverbands gibt es mit der Entsorgung solcher Dinge eher weniger Probleme. Die hat der Verband vor allem mit der Entsorgung von Küchenabfällen über Toiletten, vor allem Raum im Kalbe und Gardelegen, informierte auf Anfrage Gardelegens Verbandsgeschäftsführerin Katja Rötz. Diese Abfälle würden sich in den Rohrleitungen absetzen und Ratten anlocken. Der Verband müsse dann mit Rattenködern arbeiten. Heißes Öl oder anderes Bratfett sei ein weiteres Problem. Heiß in den Abfluss gekippt, erstarre das Öl oder Fett auf seinem Weg in die Kanalisation und setze sich an den Rohrwänden ab. "Die Rohre können regelrecht zuwachsen mit dem Fett", schilderte Rötz die Folgen. Das sei beispielsweise auch ein Grund, dass Gaststätten oder Großküchen einen sogenannten Fettabscheider haben müssten.

Auch beim Gardeleger Verband kostet es Geld, wenn die Verursacher von Verstopfungen im öffentlichen Bereich ermittelt werden können. Wenn nicht, dann müssen alle Gebührenzahler die Kosten tragen. Bei Verstopfungen im privaten Bereich muss der Grundstückseigentümer die Rechnung bezahlen.

Der Verband habe einen Bereitschaftsdienst, der 24 Stunden, also rund um die Uhr, angerufen werden kann. Eingesetzt wird dann die Saug- und Spültechnik des Verbandes. Pro Stunde koste die 115,63 Euro. Sollte ein zweiter Mitarbeiter erforderlich sein,kämen noch 29,45 Euro hinzu. Bei Einsätzen außerhalb der regulären Arbeitszeit werde zudem ein Zuschlag erhoben.