Die Gardeleger Ingeborg und Ulrich Köhn besuchten vor kurzem Monique Dardel und Lucien Colonel in Frankreich und brachten ihnen das Gardelegen-Gedicht auf DVD mit. Dardel ist die Tochter eines Opfers des Massakers an der Isenschnibber Feldscheune 1945, Colonel war im Todeszug und überlebte durch Flucht.

Gardelegen/Chambery l Sehr berührte Worte richtete die ehemalige Geschichtslehrerin Monique Dardel aus Chambery (Frankreich) in einem persönlichen Brief an Torsten Haarseim (siehe Artikel links), dessen DVD Gardelegen-Gedicht, Ergänzung zu seinem Buch Gardelegen-Holocaust, wir als Geschenk mit französischer Textübersetzung im Reisegepäck nach Frankreich mitgenommen hatten.

Dardel spendete 4000 Euro für Förderverein

Zur Erinnerung: Monique Dardels Vater, Louis Abel Allemandet, war eines der Opfer des Massakers in der Feldscheune Gardelegen am 13. April 1945. Im Jahre 2004 kam sie mit ihrem Mann François während der "Tour de souvenir", organisiert von der Gesellschaft "Dora-Buchenwald" unter der Leitung von Lucien Colonel nach Gardelegen, um das Grab ihres Vaters zu suchen. Die über jeden Zweifel erhabene Zeugenaussage des überlebenden französischen Kameraden Georges Crétin bestätigte ihrer Mutter, dass Louis Abel Allemandet in der Feldscheune bei lebendigem Leibe verbrannte.

Sie fand das Grab ihres Vaters zwar nicht unter der ihr bekannten Häftlingsnummer, hat aber die Gewissheit, dass er unter einem der Kreuze ruht und nun kein "unbekannt" mehr ist. Sein Name befindet sich im Namensbuch der Gedenkstätte. Aus Dankbarkeit für das Engagement der Stadt Gardelegen und ihrer Bürger für die Erhaltung der Gedenkstätte spendete sie 2006 4000 Euro, die vom Förderverein zur Restaurierung des Gedenksteines und seines Umfeldes verwendet wurden.

Monique Dardel war inzwischen wiederholt in Gardelegen und wird auch im nächsten Jahr an den Feierlichkeiten zum 70. Jahrestag teilnehmen.

Seit zehn Jahren hat sich aus dem anfänglichen Briefkontakt zwischen den Dardels und uns, Familie Köhn, eine aufrichtige Freundschaft entwickelt, so dass wir eingeladen wurden, eine wunderschöne Urlaubswoche in ihrem Sommerhaus in den französischen Alpen zu verbringen.

Angetan vom Projekt Stolpersteine

Neben all den unvergesslichen Eindrücken einer faszinierenden Berg- und Seenlandschaft, Monumenten der Geschichte Savoyens und den Genüssen der französischen Küche spielte natürlich das Thema Gedenkstätte Gardelegen, aktuelle Fragen der Vergangenheitsbewältigung, die vorgesehene Aufnahme unserer Gedenkstätte in die Landesstiftung und der geplante Bau eines Informationszentrums eine wesentliche Rolle.

Ebenso angetan waren Dardels von dem Projekt Stolpersteine, zu dem wir aktuelle Zeitungsberichte mitgenommen hatten. Sie äußerten ihre Hochachtung vor dem großen Engagement der Jugendlichen und der Geschichtslehrerin des Geschwister-Scholl-Gymnasiums, Andrea Müller, die mit ihrer Schülergruppe in aufwendiger Arbeit recherchiert, in welchen Häusern Gardeleger Juden gelebt haben, um ihrer mit einem Namensstein vor dem ehemaligen Wohnsitz zu gedenken.

Auch Lucien Colonel, den wir gemeinsam mit den Dardels am 24. Juni besuchten, war erfreut, so viel Positives bezüglich der Vergangenheitsbewältigung aus Gardelegen zu hören. Er ist inzwischen 89 Jahre alt und gesundheitlich nicht mehr in der Lage, eine Gedenkreise in die ehemaligen Stätten seines KZ-Martyriums zu unternehmen.

Umso mehr freute er sich über unseren Besuch und die guten Neuigkeiten aus Gardelegen. Natürlich hatten wir für ihn und seine Frau neben dem obligatorischen Salzwedeler Baumkuchen auch das "Gardelegen-Gedicht" von Torsten Haarseim mitgebracht. Den freundschaftlichen Kontakt zu ihm und seiner Familie pflegen wir seit 20 Jahren.

Er war im Todeszug, der im April 1945 in Letzlingen endete und hatte das große Glück, dem letzten Transport in die Remonteschule durch Flucht zu entkommen. Er wurde nach eigener Aussage in Burgstall durch die Amerikaner befreit. Damals war Lucien Colonel 20 Jahre alt und wog noch 36 Kilogramm. Das Massaker an seinen Kameraden verfolgte ihn sein Leben lang. Zu Hause in Annecy besitzt er ein umfangreiches Archiv, Ergebnis seiner lebenslangen Forschungsarbeiten zur Aufklärung der Verbrechen des Nationalsozialismus.

Verbrechen darf nie vergessen werden

Er wollte die DVD allein und in aller Ruhe ansehen und uns dann telefonisch seinen Eindruck mitteilen. Der Anruf erfolgte am 2. Juli zu unserer großen Freude, denn wir wissen, wie schwer ihm das Atmen und Sprechen fallen. Er sagte Folgendes: "Gratulation an das gesamte Team für die ausgezeichnete DVD. Die Worte haben mich zutiefst erschüttert. Als Fotograf finde ich die verwendeten Einspielungen der Bilder sehr gelungen. Ich bedanke mich bei allen Beteiligten herzlich dafür. Auf diese Weise wird die Jugend angesprochen. Danke an alle in Gardelegen, die sich so engagieren, dass dieses Verbrechen nie vergessen wird. Das ist der richtige Weg, die Menschen heute zu erreichen."