Ein rund zehn Wochen altes und etwa 40 Kilogramm schweres Rotwildkalb wurde am Waldrand bei Jerchel von einem Wolf gerissen. Die Jäger haben beim Wild bereits eine zunehmende Rudelbildung bemerkt, die das Jagen erschwert.

Jerchel l Ganz nah am Waldrand, rund 300 Meter vom Jercheler Kindergarten entfernt, sah Jagdpächter Günter Hakenholz am Dienstagmorgen Kolkraben, Bussard und Milan aufsteigen. Immer wieder. "Das konnte ja nur ein Stück Wild sein", so Hakenholz. Es war ein 35 bis 40 Kilogramm schweres Rotwild-Kalb, das von einem Wolf gerissen wurde. Das bestätigte Wildbiologin Antje Weber aus Jeggau, die den Kadaver wenig später untersuchte. "Die Bisse sprachen für den Wolf", so die Expertin aus Jeggau. Die Felldecke sei durchdrungen gewesen, es habe vier Bisslöcher gegeben, auch Unterhautblutungen seien aufgetreten. Ob es mehr als ein Wolf gewesen sei, konnte Weber nicht sagen: "Dafür gab es schon zu viel Nachnutzung an dem Tier."

Für Hakenholz indes steht fest, dass es sich um mehr als einen Wolf gehandelt haben muss, "denn ein Wolf schafft maximal fünf Kilogramm. Von den knapp 40 Kilo des Rotwildes waren aber nur sechs, sieben Kilo da".

Auch im Umland des Fundortes sah sich Antje Weber um und fand den Tötungspunkt, etwa 20 Meter vom Fundort entfernt. Alle Daten zum Riss werden im derzeit laufenden Wolfsmonitoring aufgenommen, so Weber. Bis zum 31. April 2015 läuft das Monitoring-Jahr.

Weber sagte, es sei davon auszugehen, dass der Wolf aus Richtung des Truppenübungsplatzes nach Jerchel gekommen sein könnte. "Da hatten wir im Vorjahr sechs oder sogar sieben Welpen, die wollen jetzt eigene Reviere gründen", so die Wildbiologin. Sie betonte jedoch, dass sich an der grundsätzlichen Strecke der Jäger nichts ändere. Weber: "Das haben Langzeitstatistiken aus der Lausitz gezeigt."

Es gebe jedoch gravierende Veränderungen, berichtete Jost Weber, Revierjäger im benachbarten Revier. Das Wild bilde Schutzmechanismen zur Großrudelbildung, "und damit wird es für den Wolf und die Jäger schwieriger". Außerdem sagte er, dass seit dem Auftreten des Wolfs in der hiesigen Region, "der Muffelwildbestand komplett erloschen ist".

Die zunehmende Rudelbildung nannte auch der Leiter der Arbeitsgemeinschaft Rot- und Damwild, Ralf Pieper, als Schwierigkeit. Hinzu komme, dass das Wild seine Aktivitäten mehr in die Nacht und weniger in die Dämmerung verlagere.