Stabile Schlösser und Schwachstellen bei Türen und Fenstern präsentierten gestern die Polizisten im Präventionsmobil auf dem Rathausplatz. Viele Bürger nutzten das kostenfreie Beratungsangebot in den Vormittagsstunden.

Gardelegen l Wer sich von Fred Brehmeier beraten lässt, kann durchaus das Gefühl bekommen, dass er doch lieber schnellstens nach Hause gehen sollte, um seine Fenster und Türen auf Vordermann zu bringen. Gerne zeigt der Mitarbeiter des Präventionsmobils des Landeskriminalamtes auch mal, wie er in Sekundenschnelle mit einem Schraubenzieher ein handelsübliches Fenster aufhebeln kann. "Fast lautlos, und es ist nur wenig auffällig", so der Polizist.

Zwar lautete das Thema bei der Beratung von Brehmeier und seinem Kollegen Günter Schwabe gestern auf dem Rathausplatz besonders "Sicherheit in der Ferienreisezeit", doch "wichtig ist dieser Schutz 365 Tage im Jahr", betonte Brehmeier. Und so beschäftigten die Polizisten besonders viele Bürgerfragen zur Tür- und Fenstersicherheit. Brehmeier und Schwabe rieten zu mindestens vier Zentimetern Türblattstärke, Mehrfachschlössern, die nicht nur an einer Stelle die Tür verschließen, und Schlüsseln mit Überkreuzabtastung.

Zu Schließtechniken hatten auch Renate Buchholz und Enkel Tim Haertel (13) aus Gardelegen einige Fragen. Auch weil sie schon mal Einbruchsspuren an ihrer Tür hatten - es blieb in diesem Fall jedoch bei den Spuren. Wenig Anreize sollten Eigentümer potenziellen Tätern bieten. Dazu gehört etwa: "Nie mit angekippten Fenstern das Haus verlassen", so Brehmeier. Auch nicht für nur zehn Minuten. "Denn genau darauf warten die Täter. Es müssen sich die Gelegenheiten bieten."

Und sein Kollege Günter Schwabe ergänzt einen weiteren wichtigen Fakt: "60 bis 70 Prozent sind ortsansässige Täter." Und denen reichen kleinste Hinweise, um zu wissen, dass Haus oder Wohnung leer stehen. Brehmeier: "Da reicht schon, wenn man sieht, dass das Auto gepackt wird."

Umso wichtiger: aufmerksame Nachbarn. Schwabe: "Die kann keiner ersetzen. Daher unbedingt bei den Nachbarn Bescheid sagen, wenn es in den Urlaub geht."

"Wenn die Sat-Schüssel zu sehen ist, können Täter erkennen, dass da auch ein Fernseher ist."

Günter Schwabe

Mit rund 120 Wohnungs- und Hauseinbrüchen pro Jahr im gesamten Altmarkkreis sei die Zahl relativ überschaubar und gleichbleibend in der Vergangenheit gewesen. Anders sieht es dagegen bei Keller-, Lauben- und Garageneinbrüchen aus. Während im Sommer in den Gartenhäusern Betrieb herrscht und Täter wenige Chancen auf ungestörte Momente haben, werden die Gebäude im Frühjahr, Herbst und Winter oft von Dieben heimgesucht. Schwabe: "Da hilft nur, möglichst wenig vor Ort zu haben und rechtzeitig zum Ende der Saison auszuräumen. Wenn die Sat-Schüssel am Hauseingang zu sehen ist, können Täter natürlich erkennen, dass da wohl auch ein Fernseher ist." Nur schwerlich seien Lauben aufgrund ihrer Bauart wirklich einbruchssicher zu gestalten, so Schwabe. Wenn Unbekannte durch die Gartenkolonien wandern, "ist es am besten, sie direkt anzusprechen, nach dem Namen und ihrem Ziel zu fragen", rät Schwabe.

Tim Haertel hatte gestern zu seinem Fahrradschloss noch Fragen. Die Antwort von Fred Brehmeier fiel eindeutig aus: "Die dünnen Drahtschlösser bieten keinen wirklichen Schutz, sondern nur Bügel- und Faltschlösser."

Mit auf dem Rathausplatz war gestern Antje Reckleben von der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt. Schwabe: "Das begrüße ich sehr, weil wir bei der Präventionsarbeit die gleichen Ziele haben." Besonders bei aufgeschwatzten Abos und Handyverträgen gebe es gute Erfolgschancen, dagegen vorzugehen, so Reckleben.