Ein Stück Gardeleger Geschichte ist verschwunden: der Traditionswagen der Garley-Brauerei. Der Wagen steht jetzt auf dem Gelände einer Brauerei im sächsischen Hartmannsdorf von Ludwig Hörnlein, der die Gardeleger Brauerei nach ihrer Insolvenz übernommen hatte.

Gardelegen l In Gardelegen war der weithin bekannte und markante Traditionswagen zum letzten Mal beim Sachsen-Anhalt-Tag 2011 im Einsatz, beim großen Festumzug zum Abschluss des Landesfestes. Gezogen von einem Kaltblutgespann von Udo Behrends aus Trüstedt. 2012 hatte Behrends noch einmal im Festumzug beim Landesfest in Dessau mit dem schmucken Traditionswagen für die Hansestadt Gardelegen und das Garley-Bier geworben. Danach wurde das Gefährt in der Flaschenhalle der Gardeleger Brauerei abgestellt - mit einer Plane zugedeckt. Die Gerätschaften für das Anspannen nahm Behrends mit nach Trüstedt.

In diesem Jahr nun wollte Behrends mit dem Traditionswagen im brandenburgischen Brück vorfahren und dort für die Stadt Gardelegen bei Europas größter Kaltblut-Pferdesportveranstaltung "Titanen der Rennbahn" werben. Ebenso war ein Einsatz des Wagens beim Garley-Fest am 16. Juli auf dem Rathausplatz geplant, das anlässlich des 700. Jahrestages der Verleihung des Malzrechtes gefeiert wurde.

Beide Veranstaltungen fanden statt, aber ohne den Gardeleger Traditionswagen. Er war verschwunden, wie Udo Behrends außerordentlich verärgert feststellt.

Behrends war Mitglied des vor Kurzem aufgelösten Tourismusvereines Region Gardelegen, fährt Kremserwagen für Touristen und hat auch den Traditionswagen betreut. Der nämlich war schon einmal vor Jahren weg und hatte auf wundersame Weise einen Weg nach Ballenstedt gefunden. Dort habe er in einem Garten, eingewachsen von Gestrüpp, gestanden. Udo Behrends und einige Helfer holten den Wagen wieder zurück nach Gardelegen. "Damals fehlten schon einige Fässer. Der Wagen war in einem schlechten Zustand", erinnerte sich Behrends. Er habe sich dann mit der Gardeleger Brauerei in Verbindung gesetzt und Spenden gesammelt. Letztlich konnte er im Jugendförderungszentrum wieder aufgearbeitet werden, damit er zum Sachsen-Anhalt-Tag in Gardelegen im Festumzug mitfahren konnte, erzählte Behrends.

"Das geht doch nicht. Der gehört der Stadt, das ist unser Wagen."

Udo Behrends, Trüstedt

Und nun ist der Traditionswagen wieder weg. "Das geht doch nicht. Der gehört der Stadt, das ist unser Wagen", stellte Behrends klar.

Verwundert zeigte sich auch Gardelegens Bürgermeister Konrad Fuchs über das Verschwinden des Wagens. Der Stadt allerdings gehöre das Gefährt nicht. Insgesamt jedoch habe die jüngste Insolvenz - die Brauerei gehörte bis dahin dem Ehepaar Maximilian und Ingrid Hösl - etliche Probleme mit sich gebracht. Die Stadt habe versucht, die Markenrechte zu sichern. "Für 70000 Euro hätten wir die vom Insolvenzverwalter kaufen können", so Fuchs. Das sei eindeutig zu viel gewesen. Er hofft indes auch, dass der Traditionswagen wieder zurück nach Gardelegen kommt.

Im Moment jedenfalls steht er auf dem Gelände einer Brauerei im sächsischen Hartmannsdorf. Und dorthin gebracht hat ihn Ludwig Hörnlein, Besitzer der Hartmannsdorfer Brauerei. Hörnlein hatte im Rahmen des Insolvenzverfahrens im Herbst des vorigen Jahres die Gardeleger Brauerei übernommen. Er schaffte es allerdings nicht, die Brauerei wieder in Gang zu setzen.

"Ein schönes Stück, der Wagen", meinte Hörnlein auf Anfrage, "ja, der steht in Hartmannsdorf. Ich habe ihn vom Insolvenzverwalter erworben." Die Brauerei habe ein Jahr lang "verwaist dagestanden". "Alles, was nicht niet- und nagelfest gewesen war, kam weg", berichtet Hörnlein. Der Wagen sei sein Eigentum. Den habe er sich gesichert. Ebenso sei er noch "im Besitz der Brauerei und der Markenrechte". Sicher, der Wagen gehöre zur Brauerei, räumt Hörnlein ein. Und über dessen Zukunft werde er mit Ulf Steinforth, der die Gardeleger Brauerei vor Kurzem übernommen habe, reden. Er, Hörnlein, sei da ganz guter Dinge, dass der Chef des erfolgreichen Box-Stalles SES Magdeburg die Gardeleger Brauerei wieder auf Vordermann bringe.

"Wir würden nicht investieren, wenn uns Brauerei nicht gehört."

Christof Hawerkamp, Magdeburg

Dessen Geschäftspartner und Marketingberater, Christof Hawerkamp, zeigte sich auf Volksstimme-Anfrage etwas überrascht über die Äußerungen Hörnleins, was den Brauereibesitz betreffe. "Wir würden nicht investieren, wenn uns die Brauerei nicht gehört", stellte Hawerkamp klar. Gebäude, Grund und Boden der Brauerei würden Ulf Steinforth gehören. Allerdings gebe es noch einiges zu klären. "Wem, wo, was gehört, wird noch genau aufgedröselt", sagt Hawerkamp. Zurzeit sei die Situation etwas wirr. "Das ist ein juristisches Feld. Das wird alles aufgeklärt. Ein Beispiel ist der Traditionswagen."

Grundsätzlich habe Ulf Steinforth ein großes Interesse daran, dass in Gardelegen zügig wieder Bier gebraut werde, "das dann auch Garley heißen soll".