Die Sanierung der Kalbenser Burgruine, die eigentlich in diesem Monat beginnen soll, wird deutlich teurer als ursprünglich geplant. Deshalb muss der neue Stadtrat zu einer Eilsitzung zusammenkommen.

Kalbe l Vom alten Stadtrat hat Bürgermeister Karsten Ruth die Legitimation dafür erhalten, dass er den Auftrag für die Sanierung der Burgruine auslösen darf, sobald die Submission erfolgt ist. Doch nach Eröffnung der Angebote steht fest: Die Arbeiten kosten rund 30000 Euro mehr als ursprünglich geplant. Und darüber will und kann Ruth nicht allein entscheiden. Deshalb gibt es eine Eilsitzung des Stadtrates.

Laut Förderantrag - die Burgsanierung würde über das Leader-Programm subventioniert - sollte die Maßnahme ursprünglich 122440,59 Euro kosten. Nach neuestem Stand würde das Investitionsvolumen allerdings nun 152244,54 Euro betragen. Und das ergibt sich in erster Linie aus zusätzlichen Leistungen, die im Zuge der Denkmalschutz-Auflagen erbracht worden sind. So ist die Burgruine mit speziellen Messkameras Schicht für Schicht fotografiert worden. Auf der Basis dieser Photogrammetrie-Aufnahmen konnte dann ein Bauforscher feststellen, wann welche Teile der Burg entstanden sind. Ein Restaurator wiederum legte anhand dieser Ergebnisse und einer eigenen Befundung fest, welche Materialien bei der Sicherung der uralten Bauwerke zur Anwendung kommen können - und welche eben nicht.

"Wir haben in dieser Form nicht damit gerechnet. Denn es ging ja eigentlich um Bestandssicherung", erklärte der zuständige Bauamtsmitarbeiter Frank Wulff. Hinzu komme, dass die nicht alltägliche Maßnahme, mit der auch der zuständige Planer Neuland betreten habe, ja schon seit Februar 2013 vorbereitet werde, dass in der Zwischenzeit aber die Baupreise deutlich angestiegen seien, so Frank Wulff.

"Es muss dort etwas passieren. Und so eine Förderung bekommen wir auch nie wieder."

Bürgermeister Karsten Ruth

Wie sich die höheren Kosten nun zusammensetzen würden, "das ist nachvollziehbar. Es muss dort ja nun einmal etwas passieren. Und so eine Förderung bekommen wir auch nie wieder", erklärte dazu Bürgermeister Karsten Ruth.

Er sieht der Eilsitzung des Stadtrates deshalb nicht mit erheblicher Skepsis entgegen, zumal auch schon geklärt ist, wie die Mehrkosten abgedeckt werden könnten. Denn die 50000 Euro, die für eine neue Heizungsanlage für die Petersberg-Wohnblöcke in den aktuellen Haushaltsplan eingestellt worden waren, werden nicht mehr dafür benötigt. Grund: Die Stadtwerke Stendal haben die Wärmelieferung für besagte Wohnblöcke übernommen (Volksstimme berichtete). Die Kommune muss dort also nicht mehr investieren.

Investieren muss sie aber sehr wohl in die Burgsanierung. Denn das alte Bauwerk, das gleichzeitig das Wahrzeichen der Stadt ist, bröckelt. Ohne Sanierung müsste es über kurz oder lang für den Besucherverkehr gesperrt werden. Denn immer wieder lösen sich Putz und Gesteinspartikel aus dem Gemäuer. Und das stellt auch eine Gefahr für die Anwohner dar.

Sollte der Stadtrat die Mehrausgabe in Höhe von knapp 30000 Euro billigen, so würden die Arbeiten Mitte des Monats beginnen. Der Auftrag würde an eine Firma aus dem Raum Wolmirstedt gehen. Insgesamt seien allerdings nur zwei Angebote eingegangen, obwohl zehn Firmen die Ausschreibungsunterlagen abgefordert hätten, wie Karsten Ruth sagte.

Die Förderung würde 75 Prozent der Netto-Bausumme betragen. Der Rest wären städtische Eigenmittel. Es wäre die letzte große Maßnahme, die im Zuge der aktuellen Leader-Förderperiode in der Einheitsgemeinde Kalbe umgesetzt würde. Und deshalb plane er, so der Bürgermeister, auch die örtliche Leader-Interessengemeinschaft sowie das Leader-Management zur Bauanlaufberatung einzuladen.