Die wirtschaftliche Lage bei Eldisy ist sehr gut, nie arbeiteten mehr Frauen und Männer beim Dichtungssysteme-Hersteller. Doch die Verantwortliche des Personalmanagements, Angela Neuschulz, hat trotzdem Sorgen. Ihr fehlen Bewerber für vier Mechatroniker-Lehrstellen ab September. Christopher Pander und David Schleef, zwei Auszubildende, die ihre Gesellenbriefe vor vier Tagen erhielten, wurden übernommen.

Gardelegen. Als Christopher Pander (20) aus Hohenberg-Krusemark und David Schleef (20) aus Tangerhütte vor dreieinhalb Jahren ihre Ausbildungen bei Eldisy begannen und die Produktionshalle mit dem typischen Gummigeruch betraten, hatte Angela Neuschulz Monate zuvor durch hunderte Bewerbungsmappen geblättert, ehe die Verantwortliche des Personalmanagements die vielversprechendsten Kandidaten für die Mechatroniker-Lehrstellen einlud. Pander und Schleef sind seit Donnerstag fertig mit ihrer Ausbildung – und seit Freitag fest angestellt.

"Wer Interesse, Fleiß und Teamfähigkeit zeigt, hat Chancen auf einen Ausbildungsplatz"

Zurzeit liegen hingegen gerade mal zehn Bewerbungsmappen auf dem Schreibtisch von Angela Neuschulz, zehn Interessenten für vier Mechatroniker-Ausbildungsplätze, die Eldisy ab September besetzen möchte. "So etwas hatten wir noch gar nicht", sagt Neuschulz und schüttelt den Kopf. Vor genau einem Jahr waren es 150 Bewerbungen, vor zwei Jahren gar 370.

"Wir suchen dringend Bewerber, bis Ende März ist noch Zeit", sagt Neuschulz. Es ist sogar möglich, sich noch in dieser Woche für ein Praktikum in den Winterferien bei Eldisy zu bewerben. Und wer sich dort bewährt, "Interesse, Fleiß und Teamfähigkeit zeigt, hat gute Chancen auf einen Ausbildungsplatz", so die Personalmanagerin. Denn etliche Ausbildungsplätze seien in den vergangenen Jahren an Praktikanten vergeben worden: "Wir haben einen ersten Eindruck vom künftigen Lehrling und er weiß, was ihn in der Ausbildung erwartet."

Voraussetzungen für die Lehrstellen sind der Realschulabschluss und möglichst gute Kenntnisse in Mathematik und Physik. Gerade der theoretische Teil der Mechatroniker-Lehre sei sehr anspruchsvoll. So manch ein Lehrling habe deswegen auch die ausbildungsbegleitende Hilfe in Anspruch genommen, so Neuschulz. Sozusagen berufsspezifische Nachhilfestunden nach Feierabend. Die Kluft zwischen Real- und Berufsschule sei riesig. "Da fangen einige in der Berufsschule mit Prozentrechnung an und die Lehrer müssen erst einmal alle auf einen Stand bringen und schaffen es gar nicht, den eigentlichen Stoff zu vermitteln", so Neuschulz‘ Erfahrungen. Durchaus erschreckend seien die teils ungenügenden Noten der Bewerber, die sie erhalte: "Da sind auch mal Fünfen und Sechsen dabei." Neuschulz: "Viele Top-Schüler gehen dann doch zu VW."

Nicht nur gute Mathe-Kenntnisse sind als Mechatroniker wichtig, "handwerkliches Geschick ist natürlich auch gefragt", sagt David Schleef, der seine Ausbildung mit der Note "Gut" abschloss und künftig im Ausbildungsmanagement beim Anlagenbau tätig sein wird. Schleef stieß vor vier Jahren über das Internet auf seinen Arbeitgeber und absolvierte – wie auch Christopher Pander – Schnuppertage bei dem Dichtungssysteme-Hersteller. Schon vor einem Jahr wussten Schleef und Pander, dass sie übernommen werden. "Das war schon Erleichterung und ist keine Selbstverständlichkeit", betont Christopher Pander. Der 20-Jährige ist in der Abteilung Konfektion tätig, arbeitet ausschließlich in der Normalschicht, genau wie Schleef.

"Die wirtschaftliche Lage ist sehr gut. Wir haben eine hohe Auftragslage"

"Wer bei uns Bereitschaft und soziale Kompetenz zeigt", habe gute Chancen, auch nach der Ausbildung bleiben zu dürfen, so Neuschulz. Jedes Jahr wurden bislang einer oder auch mehrere Lehrlinge übernommen.

Zurzeit sind 430 Frauen und Männer bei Eldisy tätig, so viele wie noch nie, darunter 55 Leiharbeiter. "Mehr geht auch nicht", sagt Neuschulz. In der Produktion wird seit mehr als einem Jahr im Vier-Schicht-System gearbeitet. "Die wirtschaftliche Lage ist sehr gut. Wir haben eine hohe Auftragslage und schaffen es nicht anders", auch wenn dieses Arbeitsmodell nicht sonderlich familienfreundlich sei, fügt die Personalmanagerin hinzu. "Unser Wunschdenken ist das Drei-Schicht-System." Doch 2011 werde das nicht eintreten, wie es dann weitergehe, sei offen.

Von den Leiharbeitern seien zahlreiche mit befristeten Arbeitsverträgen übernommen worden, "nach sechs Monaten weiß man, wer sich gut eingearbeitet hat und flexibel ist". Doch eines betont Neuschulz: Jobs in der Automobil-Zulieferindustrie "werden nie sicher sein, das ist immer ein Auf und Ab".

Umso mehr freute sie sich nun, dass von drei Lehrlingen, die ihre Gesellenbriefe erhielten, zwei übernommen werden konnten. Ganz bewusst setze das Unternehmen auf Realschüler, betont die Personalmanagerin: "Wir wollen hier Facharbeiter haben, die mit ihrem Status auch glücklich sind. Wir sind ein mittelständisches Unternehmen und haben dadurch nur begrenzte Aufstiegsmöglichkeiten." Aber es geht auch anders: Einem ehemaligen Lehrling, "ein Abiturient, der schon in der Berufsschule ein wahrer Überflieger war", finanziert das Unternehmen seit Oktober das Maschinenbau-Studium in Braunschweig. Neuschulz: "Wir wollen ihn haben und wissen, was wir an ihm haben."