Das Leben in der Künstlerstadt Kalbe zeigt sich in unterschiedlichsten Facetten. Am Mittwoch beispielsweise war eine junge Russin dabei zu beobachten, wie sie an der Milde ein Bild malte. Und gern ließ sich Elizaveta Tusheva dabei über die Schulter schauen.

Kalbe l Eine junge Frau, das Gesicht unter einem Strohhut vor zu viel Sonne geschützt, steht nahe der katholischen Kirche an der Milde. Vor ihr eine Staffelei, auf der nach und nach ein Ölbild entsteht. Es zeigt die Rückansicht der Kalbenser Altstadthäuser, wie Elizaveta Tu- sheva sie sieht. Diese versetzten Linien und die Farben, die sich im Spiel zwischen Licht und Schatten so schnell verändern, sie sind das, was die junge Frau bei ihrer Arbeit inspiriert.

Dass die 25-Jährige zu den diesjährigen Sommercampus-Stipendiaten gehört, ist schon am Fahrrad zu erkennen, das da neben der Staffelei steht. Denn es ist im kunterbunten Farbmix der Künstlerstadt lackiert.

Neugierig bleiben einige Passanten stehen und schauen auf das Kunstwerk, das Elizaveta Tusheva da entstehen lässt. Doch sie selbst scheint kaum etwas davon mitzubekommen. Denn während sie so malt, erklingt Musik aus kleinen Kopfhörern, die an ihr Smartphone angeschlossen sind. Das wiederum trägt die junge Frau in der Hosentasche.

In diesem Jahr gehörte sie zu den ersten, die zum Sommercampus angereist sind. Und wenn sie die Künstlerstadt Kalbe in der kommenden Woche wieder in Richtung Berlin verlässt - dort ist sie noch bis September als Austauschstudentin an der Kunsthochschule Weißensee eingetragen -, dann mit sehr vielen positiven Eindrücken. Und die wird sie auch bald mit ins ferne Moskau nehmen. Denn dort ist die junge Künstlerin, die gerade ein sechsjähriges Studium in der Fachrichtung Buchillustration abgeschlossen hat, eigentlich zu Hause. In Weißensee lebt und arbeitet sie hingegen seit Oktober 2013. Als sie dort von der Ausschreibung zum Kalbenser Sommercampus erfuhr, da sei sie sich, sagt sie, sofort sicher gewesen: "Da will ich hin." Und Künstlerstadt-Initiatorin Corinna Köbele zeigte sich dann auch beeindruckt von der Bewerbung - und lud Elizaveta Tusheva ein. Auf die Frage, was ihr in Kalbe besonders gefallen habe, gibt diese lächelnd die spontane Antwort: "Die vielen Störche." Aber auch "die sehr gute Organisation" des Sommercampus und die liebevolle Art vieler Menschen, denen sie vor Ort begegnet sei, hätten sie beeindruckt, sagt die junge Frau. Insgesamt fünf Bilder hat sie während ihres Aufenthaltes in der Künstlerstadt gemalt. Und es gibt für das eine oder andere sogar schon Kaufinteressenten.