Am 28. November wurde in Gardelegen ein neuer Stadtrat gewählt. Die Volksstimme stellt von nun an in den folgenden Ausgaben täglich eine(n) der 36 Ratsfrauen und Ratsherren vor.

Jävenitz. Jeden Tag steht er als Bäckermeister vor seinem Backofen und zaubert süße Kuchen- und Tortenkreationen: Allerdings liebt er selbst gar nicht so sehr das Süße: Christian Glatz liebt es eher deftig und isst dazu seine Lieblingsbrötchen – selbstgebacken versteht sich. "Ich esse am liebsten meine doppelten Brötchen, die nach einem guten, alten Rezept meines Vaters gebacken werden", erzählt Christian Glatz. Familientradition ist für den jungen Bäckermeister insgesamt wichtig. Kein Wunder also, dass er den Beruf des Bäckers gewählt hat und nun in fünfter Generation den Familienbetrieb in Jävenitz weiterführt. "Im Jahr 2009 haben wir unser 120-jähriges Jubiläum gefeiert", sagt Christian Glatz nicht ohne Stolz.

Geboren wurde er in Gardelegen. Seine Kindheit und Jugend verlebte er in seinem Heimatdorf Jävenitz. Dort ging er in den Kindergarten und zur Schule. Nach dem Abschluss der zehnten Klasse stand dann die Frage der Berufswahl, die für den heute 31-Jährigen eigentlich doch keine wirkliche Frage war. "Meine Schwester war in der Schule ohnehin besser als ich, da bin ich eben Bäcker geworden", erzählt Christian Glatz augenzwinkernd. Seine Schwester Andrea arbeite als Steuerberaterin. "Das hat für mich auch Vorteile. Da habe ich auch was davon und umgekehrt auch", sagt er und lacht. Um Backwaren brauche sich seine Schwester keine Sorgen zu machen. Die werden geliefert.

Nach Abschluss der Bäckerausbildung, die er zum Teil in der Bäckerei seines Vaters Georg Glatz absolvierte, ging es für den jungen Gesellen gleich weiter mit dem Lernen. Christian Glatz begann im Juli 1998 eine Meisterausbildung, die er 2000 erfolgreich abschließen konnte. Noch in der Lehrausbildung ereilte die Familie ein schwerer Schicksalsschlag. "Als ich im letzten Lehrjahr war, fiel mein Vater ins Koma. Das war für uns damals schon eine schwere Zeit", erinnert sich Christian Glatz. Für ihn eine doppelte Verpflichtung, fleißig zu lernen und zu arbeiten, um den Familienbetrieb am Leben zu erhalten. Morgens stand er am Backofen, danach fuhr er zweimal pro Woche entweder nach Gardelegen oder nach Hannover, um für die Meisterprüfung zu büffeln. Im November 2000 erhielt er dann seinen Meisterbrief, der seitdem eingerahmt an der Wand seines Bäckereishops hängt. "Ohne die Hilfe meiner Familie wäre das nicht möglich gewesen", sagt Glatz. Überhaupt dreht sich bei Familie Glatz vieles um die Bäckerei. Freizeit, so sagt Christian Glatz, habe er nicht viel. "Wenn ich dann doch mal die Gelegenheit habe, bin ich gern mit meinen Freunden unterwegs und besuche Konzerte oder Rockfestivals", sagt der junge Mann, der noch Junggeselle ist. "Bei meinem Beruf ist es gar nicht so einfach, eine Frau zu finden", hat der 31-Jährige im Laufe der Jahre erfahren. Im Sommer verbringt er seine freien Stunden im großen Garten an seinem Elternhaus, das er gemeinsam mit seiner Mutter Hannelore und seinem 87 Jahre alten Großvater Alexander bewohnt.

Seit einigen Jahren engagiert sich Christian Glatz auch in der Kommunalpolitik als Mitglied des Jävenitzer Gemeinderates. Den gibt es mit der Zwangszuordnung der Gemeinde zur Stadt Gardelegen nicht mehr. Aber so ganz aufgeben wollte der 31-Jährige die Kommunalpolitik nicht. Er entschloss sich, für den neuen Stadtrat zu kandidieren. "Damit Jävenitz überhaupt im neuen Stadtrat vertreten ist, habe ich mich dazu entschlossen. Ich war allerdings dann doch etwas überrascht, dass ich es geschafft habe", gesteht Glatz und versichert zugleich, dass er im Rat sein Bestes geben wolle. Seinen Schwerpunkt sieht er im sozialen und kulturellen Bereich.

Worüber ärgert sich Christian Glatz und worüber freut er sich? "Ich ärgere mich über Menschen, auf die man sich nicht verlassen kann, die ihre Versprechen oder Zusagen nicht einhalten", sagt Glatz – ohne lange überlegen zu müssen. Freuen kann sich der junge Mann immer wieder über seinen Freundeskreis. "Ich bin froh, dass ich viele gute Freunde habe, die mir helfen und mit denen man was unternehmen kann", sagt Glatz. Für die Zukunft wünscht er sich Gesundheit und dass das Familienunternehmen noch viele Generationen Bestand haben wird.