Gardelegen l Beim Starkregen in den vergangenen Wochen standen in der Stendaler Straße die Schächte der Schmutzwasserkanalisation voll, die Wassermenge stieg deutlich an. Bei den Verantwortlichen im Wasserverband Gardelegen ließ das - einmal bildlich gesprochen - die Alarmglocken schrillen. Denn irgendwo muss das Wasser ja herkommen. Der Verdacht: Es gibt sogenannte Fehlanschlüsse, zum Beispiel Regenrinnen, die direkt in die Kanalisation führen.

"Meist unwissentlich", erklärt Sebastian Kauer, zuständiger Schmutzwasser-Meister beim Wasserverband Gardelegen. Ob nun unwissentlich oder wissentlich, die Fehlanschlüsse müssen gekappt werden. Denn nicht umsonst gebe es eine Trennkanalisation für Regenwasser und Schmutzwasser, erklärt der Fachmann. Das sei so, "damit kein Regenwasser in die Kläranlage gelangt und dort gereinigt werden muss". Denn die zusätzlichen Kosten würden auch die Kunden treffen.

Gestern war Wasserverband-Mitarbeiter Stefan Krüger an der Stendaler Straße im Einsatz. Denn nach den starken Regenfällen der letzten Zeit hatte es dort eine sichtbare Überlastung des Kanals gegeben. Aber wo genau kam das Mehr-Wasser her? Die Stendaler Straße ist lang. Darum geht die Suche nur Schritt für Schritt voran. Im Schmutzwasserkanal kann der Nebel von einem Schacht aus eine Strecke von etwa 150 Meter zurücklegen, also eine Distanz von zwei bis drei Haltungen, wie der Fachmann sagt. Eine Haltung ist der Abstand zwischen zwei Schächten.

Über einen Schlauch wird der Nebel in den Abwasserkanal geblasen. Er wird in einem Nebelkasten erzeugt, indem eine entsprechende chemische Flüssigkeit auf eine erhitzte Spirale trifft und dann verdampft. Während sich der gesundheitlich unbedenkliche Rauch seine Bahnen sucht, schaut sich Stefan Krüger genau um. Kommt der Nebel aus den Abwasserschächten und aus den Dachentlüftungen der anliegenden Häuser, ist alles in Ordnung. Steigt der Nebel aber aus Fallrohren oder Dachrinnen, ist eine Fehleinleitung entdeckt. "Das wird dann dokumentiert, und der Eigentümer bekommt Post von uns", erklärt Stefan Krüger.

Für die Dokumentation hatte er gestern Daniela Schulz an seiner Seite. Die Gardelegerin studiert an der Luther-Universität in Halle im Studienfach Management für natürliche Ressourcen und absolviert derzeit ein vierwöchiges Praktikum beim Wasserverband Gardelegen. Dort durchläuft sie alle Bereiche, um sich einen Überblick über den Kreislauf des Wassers zu verschaffen.

Damit in den Kreislauf des Schmutzwassers nicht das Regenwasser gelangt, gibt es die Nebel-Kontrollen in allen Orten des Verbandsgebietes. Einen festen Rhythmus für die Suche nach Fremdeinleitern gebe es nicht, "wir machen das bedarfsorientiert", erklärt Sebastian Kauer. Wenn zum Beispiel ungewöhnlich große Mengen nach Regen anfallen, dann gibt es Klärungsbedarf. Ziel sei es, sagt der Schmutzwasser-Meister, die Anzahl der Fehlanschlüsse zu reduzieren.

Wenn die Mitarbeiter mit der Nebeltechnik loslegen, dann ist zuvor die Rettungsleitstelle informiert worden - falls besorgte Bürger die Feuerwehr alarmieren, weil es aus Häusern qualmt.

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