So geht friedlich: Beim Letzlinger Sommermarkt trafen am Sonnabend Bürger und viele der selbsternannten Friedensaktivisten aufeinander. Das Ergebnis war ein fröhlicher Mischmasch aus vielen Ständen, Erbsensuppe und blauen Ballons.

Letzlingen l "Lasst sie tanzen, ist doch schön", sagt Regina Lessing und grinst. Amüsiert schaut dann nicht nur die Letzlinger Ortsbürgermeisterin auf die unbekannten jungen Leute, die sich da am Sonnabend nach dem Song "Komm wir fahren nach Amsterdam" auf dem Letzlinger Marktplatz selbstvergessen drehen, hüpfen und blaue Luftballons mit Friedenstaubenmotiv schwingen.

Die hatte ihnen zuvor Klaus Czernitzki in die Hand gedrückt. "Friedenstauben sind ja wohl unpolitisch?" fragt er vorsichtshalber in die Runde. Schließlich hätten die Organisatoren im Vorfeld deutlich gemacht, dass es sich beim Letzlinger Sommermarkt um "eine völlig unpolitische Veranstaltung" handele, sagt Czernitzki und grinst seinerseits.

Der Chef der Börde-Linken ist am Sonnabend als Mitglied der Bürgerinitiative Offene Heide vor Ort. Am Rand des Marktplatzes, hat die nämlich ihren Stand aufgebaut hat und e auch Teilnehmer des Camps "War-starts-here" (Der Krieg startet hier) sind da.

Wer sich dort aufhält trägt zumeist Basecap, Kapuzenshirt oder wahlweise einen rosa Rucksack beziehungsweise eine Weste mit durchgestrichenem Panzer auf dem Rücken. Dort läuft auch die Gegenmucke: Statt Schlagern tönt "Sag mir wo die Blumen sind" aus dem Lautsprecher. Danach kann man nicht tanzen. Aber Czernitzki schickt die jungen Leute ohnehin mit seinen Ballons auf den Marktplatz. Zumal die Einheimischen ganz unüberhörbar lauter sind. Das Gardeleger Party-Duo "Na und" hat offensichtlich die leistungsstärkere Anlage. Da macht den jungen Leuten, einige mit seltsam verklärten Gesichtern, das Tanzen auch augenscheinlich gleich viel mehr Spaß.

"Das hat nichts mit irgendeiner Art von Protest zu tun."

Ortsbürgermeisterin Regina Lessing

Und so funktioniert am Sonnabend alles ganz harmonisch in Letzlingen. Das bestätigen beide Seiten: "Die sind gar nicht so böse, die Letzlinger", sagt Czernitzki. "Ein paar haben uns heute morgen sogar mit Keksen und Eis versorgt." Und wer davon nichts abbekam, ging eben einfach auf die andere Marktseite. Dort gab es leckere Erbsensuppe und später dann Kaffee und Kuchen. "Wir haben ihnen gesagt: Essen könnt ihr hier, diskutiert wird bei euch", hatte Regina Lessing gleich im Vorfeld die Fronten geklärt. Die Letzlinger wollten sich ihren Sommermarkt nicht durch laute Auseinandersetzungen stören lassen.

Der Markt übrigens ist in diesem Jahr ein wirklicher Anziehungspunkt. Neben den Imbiss- und Getränkeständen laden Flohmarkt- und Kunstgewerbestände zum Stöbern ein, es gibt Mitmachangebote, zum Beispiel von der örtlichen Sparkasse und der Volksbank und später startet sogar ein Spielprogramm für Jung und Alt.

"So schön haben wir es diesmal", schwärmt denn auch Regina Lessing. Zudem diene das Ganze ja auch noch einem guten Zweck, erinnert sie. Der Erlös der symbolischen Standmiete und anderer Einnahmen zuzüglich zweier Spenden der beiden Kreditinstitute kommt nämlich dem Förderverein des Potzehner Freibades zugute. Ein kleiner finanzieller Ausgleich dafür, dass die engagierten Vereinsmitglieder in diesem Jahr schon auf unangenehme Weise mit den sogenannten Friedensaktivisten Bekanntschaft gemacht haben. Die hatten das Bad vor wenigen Wochen nämlich mit Unmengen an Konfetti verschmutzt (wir berichteten) und so eine aufwendige Reinigungsaktion nötig gemacht.

Schmutz und Zerstörung, die den Campteilnehmern zugeordnet werden, gab es in der vergangenen Woche aber auch wieder (siehe unten). Und selbst wenn am Sonnabend auf dem Markt alles friedlich blieb, kochte doch in so manchem Letzlinger der Ärger über Vorkommnisse wie beschmierte Hochsitze und den zerstörten Holzkohlemeiler - auch in Regina Lessing: "Denn das", so schimpft die Ortsbürgermeisterin, "ist nämlich wirklich eine Schweinerei und hat auch überhaupt nichts mit irgendeiner Art von Protest zu tun."

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