Das erste Theaterstück im Rahmen des Sommercampus 2014 der Künstlerstadt wurde am Freitagabend in Kalbe aufgeführt. Antonia Lebsa, Studentin der Kunst- und Erziehungswissenschaften, war die Autorin wie auch einzige Darstellerin des Eine-Frau-Stückes.

Kalbe l Sie hatte schon etwas Beklemmendes, diese Stille, die am Freitag beim ersten Theaterabend der Künstlerstadt Kalbe herrschte und den Zuschauern förmlich unter die Haut kroch. Im Haus der ehemaligen Berufsberatung/Handwerkskammer an der Gerichtsstraße verfolgten etwas über 30 Kunstinteressierte das Eine-Frau-Theaterstück "In vollen Zügen", das Künstlerstadt-Stipendiatin Antonia Lebsa geschrieben hat. Ihr Thema: psychologische Krankheitsbilder und ihre Behandlung mit Medikamenten.

Kunststudentin erschafft drei imaginäre Räume

"OUTPUT" stand in großen schwarzen Buchstaben auf der linken Wand des Zimmers, "INPUT" auf der rechten. Drei imaginäre Räume lagen dazwischen, so dass die Zuschauer den Blick auf ein altes Schlafsofa, das das Zuhause repräsentierte, den Zwischenraum, der die Öffentlichkeit darstellte und einen Schreibtisch als Arztpraxis hatten. In diesen Räumen agierte Marie, so hat Antonia Lebsa, Studentin für Kunst- und Erziehungswissenschaften, ihre Figur genannt. Und Marie hat ein Problem. Das Problem sind ihr Ex-Freund und ihre Eltern, die sie zum Psychologen schicken, weil sie denken, Marie komme mit ihrem eigenen Leben nicht klar und brauche deshalb Hilfe.

Sommercampus-Stipendiatin Antonia Lebsa, hat das Ein-Personen-Stück mit dem Titel "In vollen Zügen" nicht nur erdacht und umgesetzt sondern führte es auch auf. Unterstützt wurde sie bei der Uraufführung von anderen Stipendiaten.

Schon nach wenigen Minuten war zu spüren, weshalb das Stück Zuschauern ab 18 Jahren vorbehalten war. Denn Marie schüttet vor ihren Zuhörern ihr Herz aus und lässt ihr Leben Revue passieren. Sie berichtet deprimiert von einem ständigen Auf und Ab im Leben eines jungen Mädchens.

Depression und Gedanken an Suizid

Sie erzählt von Begebenheiten, wie sie direkt aus dem Leben gegriffen scheinen. Da ist zum Beispiel der Besuch beim Arzt, der ein Medikament verschreibt und dadurch die Spirale nach unten, in die Depression, erst richtig in Fahrt bringt.

Marie beginnt an sich zu zweifeln. Braucht sie wirklich psychologische Hilfe? Ein Schwanken zwischen Traurigkeit und Fröhlichkeit setzt ein. Es geht sogar so weit, dass sie sich Gedanken über den Tod macht und darüber, sich das Leben zu nehmen. Diagnose: psychologisch instabil. Zwischen Krankheit, Trauer und der Hoffnung auf Heilung denkt sie nur noch über Leben und Sterben nach. Bis sie am Ende fast selbst glaubt, dass sie psychisch krank ist.

Aufregend schön sind da wieder die Momente in denen die Lebensfreude des Mädchens durchbricht, und Marie tanzen gehen und Party machen möchte. Doch da ist schon der nächste Rückschlag, der nach dem Kuss des Freundes und ihrem Wunsch gleich mit mehreren Männer die Nächte zu verbringen, kommt. Und die Traurigkeit kehrt zurück. Mit einer Zigarette als letztem menschlichen Genuss springt Marie, um ihrem Leben ein Ende zu setzen, aus dem Fenster - am Freitagabend glücklicherweise aus dem Erdgeschoss an der Gerichtsstraße.

Im Stück stirbt sie nicht.Was folgt sind Krankenhausaufenthalt und Beruhigungsmedikamente. Wieder zu Hause, kehrt nach zwei Monaten das Leben in Maries Körper zurück. Jetzt will sie ihr Leben in die Hand nehmen und etwas daraus machen.

Ruhe, ja beängstigende Stille lag nach dem Stück im Raum. Fast zaghaft setzte der Applaus für die 23-jährige Darstellerin ein. Zu ihrem Stück folgten dann einige Fragen aus dem Publikum. Die junge Dresdnerin nahm sich gern Zeit, diese zu beantworten und mit ihren Gästen zu sprechen.

 

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