Engersen l Die zuständigen Akteure des Sportvereins Engersen haben in den vergangenen zwei Jahren große Anstrengungen unternommen, um die Kita Engersen, die 2012 von der Stadt Kalbe aus wirtschaftlichen Gründen aufgegeben worden war, am Leben zu erhalten. Sie haben sie in freie Trägerschaft übernommen und erreicht, dass dort lange liegen gebliebene Investitionen getätigt worden sind. Nun jedoch müssen sie zum 30. September aufgeben. Und der Grund klingt angesichts der intensiven Bemühungen der vergangenen Jahre geradezu profan: Für eine scheidende Mitarbeiterin lässt sich kurzfristig kein geeigneter Ersatz finden.

"Das ist eine Situation, mit der auch andere zu kämpfen haben."

"Das ist eine Situation, mit der auch andere zu kämpfen haben und die auf den deutschlandweiten Fachkräftemangel zurückzuführen ist", sagt Madeleine Jung. Sie und ihr Mann Christian, der Vorsitzender des Sportvereins Engersen und somit des Kita-Trägers ist, hatten sich in der Vergangenheit an vorderster Front um den Erhalt der Einrichtung bemüht, hatten sogar in diesem Jahr noch einmal einen Antrag bei der Stadt Kalbe eingereicht und um weitere Investitionsmittel zur Ertüchtigung der Kita gebeten.

Aktuell werden dort von drei Mitarbeitern insgesamt 14 Kinder betreut. Doch eine Kraft, die bislang für 20 Wochenstunden angestellt war, hat zum 31. August gekündigt, da sie andernorts eine Vollzeitstelle erhalten hat. Es sei bislang nicht gelungen, eine Nachfolgeregelung zu treffen. Und mit zwei Mitarbeitern, auch wenn diese ganztags tätig seien, ließe sich nun einmal keine Kita aufrechterhalten. "Es muss ja nur einmal jemand krank werden", gab Madeleine Jung am Dienstag zu bedenken.

Die Eltern seien am Montagabend während einer Versammlung offiziell über die neue Situation informiert worden. Zuvor habe es eine Rücksprache mit der Stadtverwaltung Kalbe gegeben. Und von dort sei bestätigt worden, dass in der Kommune genügend Betreuungsplätze für alle Engersener Kinder bereitstünden, teilte Madeleine Bierlich mit.

"Es hat uns wirklich einige schlaflose Nächte gekostet."

Doch sie machte auch deutlich, dass die Entscheidung, die Kita "Grashüpfer" zum 30. September zu schließen, sehr schwer gefallen sei. "Es hat uns wirklich einige schlaflose Nächte gekostet. Und natürlich ist das alles sehr bitter", sagte sie.

Was nun mit dem Gebäude werden soll, das muss der Stadtrat entscheiden. Denn die Kommune ist Eigentümerin. Und als solche hatte sie in den vergangenen zwei Jahren auch insgesamt 42124 Euro in die Engersener Kita investiert. Das Geld stammte aus der Rücklage der einstmals selbstständigen Gemeinde und diente in erster Linie der Erfüllung von Brandschutzauflagen. Ohne diese hätte der Sportverein als Kita-Träger nicht mit einer weiteren Betriebserlaubnis rechnen dürfen. Die Stadt verlangte für die Investitionen aber die Unterzeichnung einer Garantieklausel. Und aus der ging hervor, dass innerhalb eines bestimmten Zeitraumes erreicht werden muss, dass die Kita Engersen unter freier Trägerschaft nicht teurer bewirtschaftet wird als unter Trägerschaft der Kommune. Letztere war laut Gesetz schließlich weiterhin für den sogenannten Defizitausgleich zuständig. Künftig jedoch gibt es für den Sportverein keine Gelegenheit mehr, sich diesbezüglich zu beweisen.