Dass die Geschehnisse an der Gardeleger Feldscheune Isenschnibbe nicht vergessen werden, dafür sorgt der Förderverein der heutigen Mahn- und Gedenkstätte. In diesem Jahr soll am Gedenktag für die Opfer des Faschismus die Ermordung von 31 Häftlingen in Jävenitz im Mittelpunkt des Gedenkens stehen.

Gardelegen l War es ein Massenmord, als 1945 im April 31 KZ-Häftlinge in Jävenitz ermordet wurden? Torsten Haarseim beantwortet diese Frage eindeutig mit Ja. "Es waren 31 Menschen, wo fängt man sonst an, etwas als Massenmord zu bezeichnen?"

"Bis dato sind die Ereignisse in Jävenitz kaum thematisiert worden."

Die Geschichte der Männer, die von den Flüchtlingstransporten der Nazis fliehen konnten und schließlich doch aufgegriffen und nur wenige Tage vor Kriegsende umgebracht wurden - Haarseim hat sie recherchiert und Material neu zusammengestellt. Am Montag, 8. September, will er sie erzählen. Nicht nur den Jävenitzern, aber in Jävenitz. In der Aula der Grundschule wird er ab 18 Uhr einen Vortrag zum Thema "Ermordung der KZ-Häftlinge im Wald von Jävenitz" halten. Anhand von Fotos, die viele noch nicht kennen werden, aber auch mit ganz berührenden Geschichten wird der Gardeleger an die Ereignisse vor 69 Jahren erinnern und hofft, dass viele dabei sein werden, um die Ereignisse, die "bis dato ja kaum thematisiert wurden", nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

Denn dass dies nicht passiert, sei man den 31 Männern aus verschiedenen Nationen schuldig, mahnt Haarseim. Ihr Schicksal gehöre untrennbar zu dem der mehr als 1000 KZ-Häftlinge, die am 13. April 1945 in der Isenschnibber Feldscheune verbrannt, erstickt oder bei ihrer Flucht aus den Flammen erschossen wurden. An sie erinnert die heutige Mahn-und Gedenkstätte Isenschnibbe.

In jüngster Zeit widmet sich der heutige Förderverein Mahn-und Gedenkstätte Isenschnibbe insbesondere aber auch "den Orten an der Strecke", erinnert Haarseim.

Bereits im vergangenen Jahr war auf dem Estedter Friedhof ein neuer Gedenkstein aufgestellt worden, denn auch dort waren im April vor 69 Jahren 112 KZ-Häftlinge aus verschiedenen Konzentrationslagern durch das Dorf getrieben und, teils durch Genickschuss, vor ihrem eigens für sie ausgehobenen Massengrab brutal durch Fallschirmjäger der Wehrmacht hingerichtet worden.

Einen Gedenkstein gibt es in Jävenitz zwar bereits seit 1969. Am 13. September, am internationalen Gedenktag für die Opfer von Faschismus und Krieg, soll dort nun aber eine neue Bronzetafel enthüllt werden. Auch zu dieser Veranstaltung, die durch die Jävenitzer Vereine, insbesondere den Heimatverein, begleitet wird, hoffen die Mitglieder des Fördervereines Mahn- und Gedenkstätte Isenschnibbe auf große Beteiligung durch die Bürger.

"Viele der dramatischen Ereignisse sind in Vergessenheit geraten."

Nach der Gedenkstunde, die um 14 Uhr beginnt, werden die Teilnehmer schließlich auch den Ort des Geschehens besuchen. Geplant ist ein gemeinsamer Gedenkmarsch zur Mordgrube im Wald bei Jävenitz, wo die Flüchtlinge getötet wurden. Dort soll der Opfer gedacht werden, ein ökumenisches Gebet mit Pfarrer Ludwig Rother und Pfarrer Jürgen Brilling soll gesprochen werden. Und für alle, die sich die Strecke nicht zutrauen, wird die Stadt zwei Transporter zur Verfügung stellen.

"Viele der damaligen chaotischen und dramatischen Ereignisse in Jävenitz sind schon in Vergessenheit geraten", sagt Haarseim. Er und auch alle anderen Mitglieder des Fördervereines hoffen deshalb auch darauf, dass sich noch Jävenitzer finden, die sich vielleicht an diese Tage im April 1945 erinnern können, oder die von ihren Angehörigen Geschichten hörten, die sie weitergeben können. Denn nach dem Vortrag am 8. September in der Grundschule ist auch eine Diskussion vorgesehen.

Über eine rege Beteiligung daran, aber auch über alte Fotos aus dieser Zeit oder späteren Tagen, die mit dem Mord an den 31 Männern in Verbindung standen, würde sich der Verein freuen. Und vielleicht, so hofft Haarseim, hat auch jemand einen Hinweis darauf, wo die Namensliste der Opfer geblieben ist, um sie aus der Anonymität zu holen. "Dass sie bekannt waren, ist sicher". Haarseim geht davon aus, dass die Amerikaner sie notiert haben.

Zwei neue Namen wurden erst vor Kurzem dem Totenbuch der Gardeleger Mahn- und Gedenkstätte hinzugefügt. Der 23-jährige Jean (Louis) Mérand und der 19-jährige Frans Jonghbloet, die in der Feldscheune umkamen, wurden dort aufgenommen. Der Neffe von Frans Jonghbloet hatte nachgewiesen, dass beide dort zu Tode kamen. Das Land hatte dies nach Recherchen bestätigt, die Kosten für den Eintrag hatte die Stadt Gardelegen übernommen.

 

Bilder