Früh übt sich - dieser Spruch bekommt in diesem Schuljahr in der Gardeleger Außenstelle der Kreismusikschule eine ganz eigene Bedeutung. Hier können Eltern ihre Kinder ab sofort nämlich schon mit der Geburt zum Unterricht anmelden.

Gardelegen l Lisbeth und Hermine staunen: Die Umgebung hier um sie herum ist neu. Zwar sind ihre Mamas bei ihnen, das ist ja schon mal beruhigend. Aber so recht geheuer ist ihnen der Ort offensichtlich noch nicht. Lisbeth schaut mit ihren drei Monaten ernsthaft und etwas skeptisch über ihren großen Nuckel hinweg in die Runde, und die sieben Monate alte Hermine macht schon mal vorsichtshalber eine kleine Schippe und weint so ein ganz kleines bisschen vor sich hin. Entspannung sieht anders aus.

Aber dann - Was ist das? - werden die Augen der beiden kleinen Mäuse ganz groß. Hermine vergisst sogar, dass sie eigentlich weinen wollte. Doch die Musik, die plötzlich erklingt, ist viel spannender. Die Glockentöne kommen von dem glänzenden Ding vor ihr. Gleichmäßig klingelt es im Takt.

Das neue Angebot heißt Musikgarten für Babys

Und dann singt Anna Wolfowski zur Triangel leise ein paar Töne, und Nadine Bosse und Ulrike Demuth, die beiden Mamas von Lisbeth und Hermine, singen mit. Ein bisschen Schaukeln dazu, auf Mamas Knien, ganz sanft bewegen sich auch die Hände der drei Frauen, und sofort ist zu sehen: Das finden die beiden Babys großartig. Hermine versucht ein Lächeln, und sogar die zarte Lisbeth guckt nicht mehr ganz so ernst. Und den Schnuller braucht sie auch nicht mehr. Ganz offensichtlich fühlen sich die zwei geborgen und sicher, und irgendwie sehen sie auch so aus, als ob sie sich prima unterhalten...

Was da vor einigen Tagen im Unterrichtsraum am Gardeleger Holzmarkt passiert heißt "Musikgarten für Babys" und ist das neueste Angebot der Kreismusikschule für junge Eltern in Gardelegern.

Zwar gibt es das Fach Musikgarten schon seit vielen Jahren. Anna Wolfowski führt Zwei- bis Fünfjährige darin an die ersten Instrumente heran, tanzt und singt mit ihnen und ihren Eltern oder Großeltern. Weil man mit Musik aber eben einfach nicht früh genug anfangen kann - schließlich kommen Babys ja schon mit individuellen musikalischen Erfahrungen auf die Welt -, gibt es nun diesen besonderen Musikunterricht, der für Eltern und ihre Babys von null bis achzehn Monate gedacht ist.

Sogar Schulerfolge werden durch Musik beeinflusst

Dabei ist Unterricht natürlich nicht das richtige Wort. Denn vieles muss man nämlich gar nicht lernen. Das machen Mamas - und natürlich auch die Papas - meist schon instinktiv ganz richtig: Wenn ihr Baby weint, nehmen sie es auf den Arm, wiegen es und singen ihm vor. Musik und sanfte Bewegungen, das sagt uns schon unser Verstand, beruhigen und machen glücklich.

Und nichts anderes sagt Anna Wolfowski. Sie weiß allerdings auch, warum das so ist. Und sie kann den Eltern außerdem ganz viele Tipps zum Thema musikalische Früherziehung geben: zum Beispiel, welche Tonfolgen wie auf Kinder wirken, warum Musik die Entwicklung des Gleichgewichtsorganes positiv beeinflusst und warum sich Musikalität und Rhythmusgefühl später auf den Erfolg in der Schule und das gesamte Leben auswirken können.

Einen weiteren positiven Effekt habe das neue Angebot zudem oft für die Eltern, weil die Entbindung, schlaflose Nächte und ganz aufs Baby abgestellter Alltag ja auch Stress bedeuten können. Gemeinsam in der Gruppe lässt sich auch für sie beim Singen und Tanzen Entspannung finden, verspricht Anna Wolfowski. Die entspannten Gesichter der beiden Muttis neben ihr geben ihr da vollkommen recht.

Ein Infoabend zum Musikgarten für Babys wird am Dienstag, 8. September, um 19 Uhr im Saal der Gardeleger Musikschule stattfinden.