Wunderschöne Landschafts- und Architekturbilder werden die Kalbenser in diesem Jahr begleiten, wenn sie den neuen Heimatkalender aufhängen. Diesmal zeigt der nämlich keine alten Stadtansichten, sondern Werke von Künstlern der Mildestadt.

Kalbe l Schon das Titelbild lässt eine Reise vermuten: Eine Lock schnauft auf den Betrachter zu. Sie macht ordentlich Dampf und neidisch auf die, die schon darin sitzen. Gut, dass man einfach dazusteigen kann. Und wer sie antritt, die Fahrt durch Kalbe, wird schließlich ein Jahr unterwegs sein und dabei mit Beginn jedes Monats eine neue, besondere Ansicht der kleinen Mildestadt kennenlernen. Sie alle sind gemalt, mal mit Ölfarben, mal als Tuschezeichnung, meist in Acryl, und sie alle zeigen, wie sich Kalbe dem Künstlerauge präsentiert.

"Wir haben uns in diesem Jahr mal etwas anderes einfallen lassen", erläutert Heimatforscher Henning Krüger. Seit vielen Jahren ist er federführend für den Kalbenser Heimatkalender zuständig. Bislang stellte er ihn aus historischen Ansichten seiner Heimatstadt zusammen. So manche alte Postkarte kam da zu neuen Ehren und gab längst vergessene Ansichten preis. Mittlerweile warten in jedem Herbst schon viele Kalbenser auf den neuen Heimatkalender.

Sie werden in diesem Jahr nun vielleicht überrascht sein, vermutet Krüger. Allerdings, wie er hofft, natürlich im positiven Sinn. Und da lässt ihn sein Optimismus sicher nicht im Stich, denn auch der Kalender 2015 zeigt schließlich Kalbe von seinen schönsten Seiten.

Los geht es ziemlich kühl - logisch, ist ja auch Januar. Karola Limbergs Aquarell "Am Burggraben" lässt den Betrachter dann auch automatisch die Schultern hochziehen, während er über den vertrauten Weg schlendert, denn es liegt Schnee in Kalbe.

Und der bleibt auch im Februar noch liegen. Hier lässt sich der 2010 verstorbene Maler Ulrich Schmidt "An der kleinen und großen Milde" über die Schulter schauen. "Seine Frau Renate hat das Bild und dazu das Motiv für den Monat Juli zur Verfügung gestellt", freut sich Henning Krüger.

Sein Dank gilt zudem Käthi Pluschke, die ein Bild ihres 1981 verstorbenen Vaters Fritz Mertens beisteuerte. Es ist das einzige Hochformat im Kalender, deshalb steht neben seinem Bild ein Gedicht der Kalbenserin Hilde Menk (1908 - 2002). "Aber das passt wirklich gut , freut sich die Tochter des bekannten Malers über die gelungene Kombination.

Der Mai ist wiederum noch einmal von Klaus Ozminski illustriert. Seine Lok aus dem Cover hat offenbar an der Mildebrücke angehalten. Und dort blüht - wie könnte es im Mai anders sein - wunderschön ein Kirschbaum.

Ebenfalls von einem Hobbykünstler namens Schmidt, diesmal aber von Hans Schmidt, dem Bruder von Ulrich Schmidt, stammt schließlich das Juli-Bild. Es zeigt "Die Burgruine von Osten gesehen".

Aber auch eine weitere Ansicht der Burg, eine wesentlich ältere Darstellung der Ruine, ist im Kalender zu finden. Gemalt hat sie Oscar von Alvensleben und damit ein Nachfahre der einstigen Besitzer. Sein Stich ist denn auch das älteste Bild im Kalender. Alvensleben lebte nämlich von 1831 bis 1903 und eigentlich in Dresden, erklärt Henning Krüger. Dort war er Kunstmaler. Offenbar hatte er aber auch ein Faible für Geschichte. Ihm sei es nämlich zu verdanken, dass der Giebel der Burgruine einst restauriert wurde. Wie er noch im 19. Jahrhundert aussah, zeigt nun eindrucksvoll das August-Kalenderblatt.

Freuen können sich die künftigen Besitzer des Kalbenser Heimatkalenders aber auch auf die wunderschönen Bilder von Anke Jäger, die offenbar nach einem Regenguss in der Altstadt unterwegs war und sich von den Spiegelungen der Fassaden inspirieren ließ sowie von Angela Ufer, die mit künstlerischem Blick auf die Wassermühle blickte und das in einem Aquarell festhielt.

"Der Kalender zeigt, dass Kalbe schon immer eine Künstlerstadt war."

Henning Krüger

Weitere Monate zieren schließlich Bilder von Siegfried Korporal (1916-1986), Joseph Krock (1907-1989) und Adolf Mertens (1892-1958), die ebenfalls alle in Kalbe lebten.

Wer allerdings ein Bild der jüngeren Künstlergeneration sucht, der jungen Leute also, die als Stipendiaten gerade derzeit wieder Kalbe bevölkern, sucht vergebens. Der Kalender, so sagt Henning Krüger schmunzelnd, zeige doch aber, "dass Kalbe nicht erst in jüngster Zeit, sondern schon immer eine Künstlerstadt war."

Der Heimatkalender ist ab sofort in der Buchhandlung Vathge oder in der Tourist-Information zum Selbstkostenpreis von 19 Euro erhältlich.