Im Rahmen seiner Besuchsreihe "Menschen und Unternehmen" war Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) am Mittwoch bei der Gardeleger Firma Elektro-Maass zu Gast. Im Mittelpunkt des Gespräches stand das Thema Unternehmensnachfolge.

Gardelegen l Als Firmeninhaber Jörg Kämpfer mit der Vorstellung seines Handwerksbetriebes fertig war, gab es für Ministerpräsident Reiner Haseloff nur ein Fazit: "Das ist eine Erfolgsgeschichte, die man rüberbringen muss." Und die Erfolgsgeschichte hat seiner Ansicht nach auch eine wichtige Botschaft für andere, besonders ältere Handwerker und Unternehmer: "Leute, wartet nicht zu lange." Denn ein Besitzerwechsel in einem Unternehmen benötige einen gewissen Zeitraum, benötige eine Übergangsphase, "damit die Firma mit einem neuen Unternehmer eine Chance hat", sagte der Ministerpräsident. Denn von diesen Chancen, von erfolgreichen Betriebsübergaben, hänge es ab, "ob Arbeitsplätze erhalten bleiben", sagte Haseloff. Ein gutes Beispiel dafür hatte er kurz zuvor gehört.

"Oft schwer, die eigenen Kinder zu motivieren"

Adelbert Neuling, Handwerkskammer

Wilfried Maß, der 1998 seine Firma gegründet hatte, übergab sie zu seinem 60.Geburtstag an Jörg Kämpfer. Das war zum 1. Januar 2012. Kämpfer hatte im Jahr 2003 als Elektromeister in der Firma Elektro-Maass begonnen. Als dann 2009 feststand, dass der Inhaber sich in einigen Jahren zurückziehen möchte, begann die Vorbereitung auf den Wechsel. Dazu gehörte, dass Sigrun Kämpfer, die Ehefrau des heutigen Chefs, ins Büro des Handwerksbetriebes wechselte. Der Generationswechsel hat in dieser Firma, die ihren Sitz am Kämmereiforst hat, sehr gut geklappt.

Derzeit sind 22 Mitarbeiter beschäftigt, im vergangenen Jahr lag der Umsatz bei 1,8 Millionen Euro. Elektro-Maass arbeitet als Dienstleiter für Energieversorger und im Bereich Elektroinstallationen. Den Namen der Firma habe er bewusst nicht geändert, "weil er in der Region bekannt ist und für Qualität steht", sagte Jörg Kämpfer. Der Firmenname - auch das ist ein Thema bei Betriebsübergaben. Denn mittlerweile sind es oft nicht die Kinder, die den Betrieb weiterführen möchten.

Das ist ein Problem, das Adelbert Neuling, Vizepräsident der Handwerkskammer Magdeburg, kennt. "Oft ist es schwer, die eigenen Kinder dafür zu motivieren", sagte er gestern beim Gespräch. Dass auch ein Mitarbeiter für die Nachfolge in Frage kommen kann, zeige das Beispiel Elektro-Maass, nahm Landrat Michael Ziche den Faden auf. Er nannte es "bewunderswert", mit welchem Vertrauen Wilfried Maaß "seinen Nachfolger aufgebaut und ihn nicht als Konkurrenten gesehen hat".

Für Handwerker, die den Schritt in die Selbstständigkeit wagen und eine Firma übernehmen, wünscht sich Jörg Kämpfer, "dass die Förderprogramme mehr auf Leute wie mich zugeschnitten werden". Leute, die in der DDR aufgewachsen sind "und sich keine Million ansparen konnten". Helfen würde zum Beispiel, wenn es für die Rückzahlung von Krediten und das Zahlen von Zinsen eine gewisse Anlaufzeit gibt. "Ich muss ja erst einmal arbeiten, um Geld zu verdienen", sagte Kämpfer, der auch Obermeister des Elektrohandwerkes ist.

Im Gespräch, an dem Vertreter der Handwerkskammer sowie aus der Kommunal- und Landespolitik teilgenommen haben, ging es zudem um die Probleme bei der Fachkräftegewinnung. Das sei nicht einfach gewesen in den vergangenen Jahren, sagte Sigrun Kämpfer. "Das Handwerk muss für junge Leute attraktiv gemacht werden", forderte sie und lobte Praktikumsinitiativen der Handwerkskammer oder die Organisatoren von Ausbildungsmessen.

Die Frau im Unternehmen des Mannes, tagsüber zusammen arbeiten und manchmal auch daheim noch über die Firma sprechen. Das Gehörte verführte den Ministerpräsidenten - an Sigrun Kämpfer gewandt - zu der Frage: "Ist Ihr Liebesleben besser geworden?" Ihre Antwort: "Wir sind weiterhin glücklich verheiratet!" Noch eine positive Botschaft dieses Nachmittages.

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