Er ist vorbei, der Sommercampus der Künstlerstadt Kalbe. 54 Stipendiaten aus elf Nationen waren dabei, die Kalbenser waren tolle Gastgeber und Vereinschefin Corinna Köbele ist sicher, dass es weitergeht - und wie.

Kalbe l Sie hat einen schönen Vergleich parat: "Ich habe kürzlich in einem anderen Ort ein Veranstaltungsprospekt gelesen", erzählt Corinna Köbele schmunzelnd. "Da waren auf der letzten Seite die Sponsoren aufgeführt." Würde man ein solches für den Sommercampus der Künstlerstadt erstellen, "würde es wohl sinnvoller sein, die Leute zu nennen, die nicht geholfen haben. Da würden wir weniger Platz brauchen."

"Unzählige Menschen" hätten in diesem Jahr nämlich auch wieder geholfen, den Campus vorzubereiten und am Laufen zu halten, schwärmt die zierliche Vereinschefin.

"Es ist unglaublich, wie das um sich gegriffen hat."

Von der Dachdeckerfirma, die schnell mal eine volle Dachrinne reinigte, über weitere Unternehmen, Sponsoren, Leute, die Einweckgläser oder Essen vorbeibrachten, Menschen die putzten, Stipendiaten betreuten, Fahrräder oder Möbel spendeten... "ob Bank oder Sparkasse, Firma oder Privatperson, es ist unglaublich, wie das um sich gegriffen hat."

Und so füllt sich schließlich auch am Freitagabend wieder wie von Zauberhand der Tisch mit den Speisen. Es ist wie beim Tischlein deck dich: Fast jeder, der kommt, um den Abschluss des Sommercampus mitzufeiern, hat etwas mitgebracht. Alle anderen helfen beim Dekorieren, beim Tischdecken oder beim Aufstellen der Gläser, die den Gästen auch später im Dunkeln den Weg in die Scheune weisen sollen, die an diesem Abend selbst wie ein kleines Kunstwerk aussieht.

Sie gehört übrigens dem Kalbenser Attila Wiechmann "und ich habe schon lange ein Auge darauf geworfen", sagt Corinna Köbele. Das Gebäude sei nämlich ideal für solche Veranstaltungen der Künstlerstadt. Zählt man sie mit, - und das darf man wohl - sind es mittlerweile elf Häuser, die dazu gehören, die entweder Unterkünfte oder Ateliers der Stipendiaten sind.

Und über sie freut sich Corinna Köbele natürlich am meisten. Mit ihren Kunstwerken, Installationen, Filmen und in diesem Jahr sogar mit den tollen Konzerten, hätten sie auch diesmal wieder viele Anregungen gegeben. "Es ist doch immer wieder erstaunlich, wie sich Menschen plötzlich mit Kunst auseinandersetzen, die sie sonst gar nicht beachten würden". Denn darum gehe es doch. Menschen sollten angeregt werden, über Kunst nachzudenken. Nicht jeder müsse alles schön finden, was die Kunststudenten so bauen, malen, komponieren, schreiben oder installieren. Allein der Austausch darüber sei doch schon toll.

Und das habe in diesem Jahr doch wieder wunderbar funktioniert, schwärmt Köbele. Bei den Rundgängen durch die Ateliers, aber auch "abends am Lagerfeuer oder auf der Straße", überall seien die Kalbenser oder Menschen von außerhalb mit den Stipendiaten ins Gespräch gekommen. Es habe interessante Kontakte zwischen den jungen Leuten und den Einheimischen genau so gegeben, wie sich die Studenten untereinander befruchtet hätten. Und mancher, dessen Bewerbung ihr zunächst nicht so gefallen habe, sei "hier richtig abgegangen", versichert sie schmunzelnd.

"Im Herbst kommt noch was ganz Großes auf uns zu."

Toll findet Köbele aber auch, dass die Künstlerstadt mittlerweile auch andernorts in den Köpfen der Menschen sei: "Man denkt an uns", sagt sie. Ein Beispiel sei unter anderen das Gardeleger Altmark-Klinikum, wo erstmals in diesem Sommer Stipendiaten der Künstlerstadt ausstellen durften. "Die Idee setzt sich immer mehr fest."

Menschen zusammenbringen, das ist es, was die Wahlkalbenserin mit ihrer Künstlerstadtidee schaffen möchte. Ein Alleinstellungsmerkmal für Kalbe schwebt ihr dabei vor.

Vor ihrem geistigen Auge hat Köbele dabei immer noch die österreichische Stadt Gmünd. So etwas möchte sie für Kalbe auch erreichen. "Aber natürlich geht das nicht von heute auf morgen", schätzt sie realistisch ein. Man dürfe auch nicht vergessen: "Unser Verein existiert ja erst seit eineinhalb Jahren." In dieser Zeit habe er aber bereits zwei Mal einen Sommercampus und sogar einen Wintercampus für junge Kunststudenten organisiert.

Ach so: Wird es denn auch 2014 wieder einen Winter- und 2015 wieder einen Sommercampus geben? "Aber ja, ja, ja", sagt Corinna Köbele. Und es werde auch im Herbst noch etwas passieren. "Da kommt was ganz Großes auf uns zu", verspricht sie. Die Kooperationspartner würden schon in den Startlöchern stehen. "Und es wird noch mal eine ganz andere Ebene sein, als das, was wir bisher hier hatten."

   

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