Die Geheimnisse des Bodens rund um das Isenschnibber Schloss werden derzeit gelüftet. Studenten der Universität Potsdam gehen dort nämlich in die Tiefe. Schippe und Spaten brauchen sie dazu allerdings nicht.

Gardelegen l Zentimeter für Zentimeter setzt Franz Walther das Messgerät weiter. Jedes Mal ein prüfender Blick zu seiner Kommilitonin Vanessa Hiemer, die ein ganzes Stück entfernt von ihm an einem Laptop sitzt. Sie gibt ihm Handzeichen: Alles klar, es kann weitergehen. Und während Maria Reschke den ganzen Vorgang dokumentiert, sorgt Tim Jacobi für freie Bahn. Er hält die Kabel fest, damit sie sich nicht irgendwo verheddern.

Was die vier seit Montag rund ums Schloss Isenschnibbe anstellen, sorgt ganz sicher für fragende Blicke bei denen, die sie sehen. Dass die Studenten der Universität Potsdam gerade erfassen, wie es rund drei bis vier Meter unter ihnen aussieht, mag man indes kaum glauben. Doch sie können wirklich feststellen, was sich rund ums Isenschnibber Schloss im Boden verbirgt. Und zwar "mittels Geomagnetik, Elektromagnetik, Geoelektrik oder Georadar", erläutert Dr. Erika Lück. Gemeinsam mit ihrem Kollegen, Prof. Dr. Jens Tronicke, betreut sie die vier Studenten der Geophysik bei ihrem viertägigen Praktikum in Gardelegen.

"Der Burgturm wurde 1759 abgerissen."

Archäologe Ulf Frommhagen

"Sie sollen lernen, diese Verfahren im Rahmen ihrer studentischen Ausbildung praktisch anzuwenden", erläutert Lück. Aufgezeichnet werden mit den vier verschiedenen Messverfahren die Bodenstrukturen. Das können Fundamente und Steine sein, aber auch Erdschichten, die aufgrund ihrer Beschaffenheit verraten, ob es hier mal eine Bebauung gegeben hat. Nebenbei werden übrigens auch Versorgungsleitungen sichtbar, das ist allerdings ein Effekt, den die Geophysiker eher als störend ansehen.

Im Ergebnis wird es aber auf jeden Fall eine Karte vom untersuchten Gebiet geben. Und die zeigt im Idealfall Fundamente einer Burg. Das zumindest hofft Kreisarchäologe Ulf Frommhagen, der gestern die Wissenschaftler vor Ort besucht hat. Eine Burg hat es nämlich nachweislich bis ins 18. Jahrhundert hinein an dieser Stelle gegeben. "Der Burgturm wurde 1759 abgerissen", sagt Frommhagen. Auf alten Stichen ist er noch zu sehen. Wo genau er stand, das sollen nun die Messungen der Potsdamer Wissenschaftler ergeben.

Die sind übrigens nicht zum ersten Mal in der Altmark. Auch in Lindstedt sind schon Messungen auf dem Areal der einstigen Turmhügelburg vorgenommen worden. Seither gibt es zwischen dem Verein Historische Region Lindstedt und den Potsdamern Verbindungen. "Der Verein hat uns auch die Übernachtungen in Lindstedt ermöglicht", zeigt sich Erika Lück erfreut.

In den nächsten Tagen wird das Team übrigens die Gardeleger Daten in der Uni auswerten. Vielleicht ist das Geheimnis der Burg dann ja gelüftet.

 

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