Bis zum Jahresende muss sich der Stadtrat dazu äußern, wie es mit der Grundschule Estedt weitergeht. Diesen Zeitrahmen setzt das Landesschulamt. Den wird die Stadt aber nicht einhalten, weil, so Bürgermeister Konrad Fuchs, "zunächst der Schulelternrat und die Gremien befragt werden müssen".

Gardelegen l Seit dem 8. September sitzen die Abc-Schützen in allen Grundschulen auf ihren kleinen Stühlen. Nur in Estedt begann das Schuljahr ohne erste Klasse. Zu wenig Kinder waren angemeldet. Die Mindestschülerzahl 13 wurde unterschritten. Das Land ließ keine Ausnahmeregel zu. Und so werden die Erstklässler aus Estedt und Wiepke, Zichtau und Schenkenhorst nun in Gardelegen beschult.

Die Schule indes läuft derzeit weiter, mit dem Einverständnis der Landesregierung auch ohne Klasse 1 und somit deutlich unter der vom Land vorgegebenen Mindestschülerzahl von 52. Auch das ist eine Ausnahme. Aber die wird sich im kommenden Schuljahr nicht wiederholen. Denn "die Möglichkeit der auslaufenden Beschulung ist in der SEPl-VO 2014 (Verordnung zur Schulentwicklungsplanung 2014) nicht vorgesehen", teilt das Landesschulamt in Magdeburg dazu auf Nachfrage mit. Übersetzt man das Amtsdeutsch, heißt das: Ein Weiterbestehen der Schule nur mit Klasse drei und vier wird nicht genehmigt.

"Es ist eine schwierige Situation, auch für die Schulorganisation."

Silke Stadoer, Pressesprecherin des Landesschulamtes

Was also dann? Hier wird man im Landeschulamt weniger konkret. "Der Planungsträger der Schulentwicklungsplanung des Altmarkkreises Salzwedel", also der Altmarkkreis, sei "aufgefordert worden, in seiner Fortschreibung der Schulentwicklungsplanung bis zum 31.12.2014 darzulegen, mit welchen Maßnahmen eine verordnungskonforme Darstellung bis zum Beginn des Schuljahres 2015/16 erreicht werden soll", heißt es dazu in der Stellungnahme. Das könnte laut Landesamt eine "Stärkung" des Standortes sein, aber auch dessen "Aufhebung".

Die Stadt muss also dem Landkreis mitteilen, ob die Grundschule Estedt im kommenden Jahr "verordnungskonform" von mindestens 52 Schülern besucht wird oder der Grundschulstandort aufgegeben wird.

Nun ist es so, dass es 2015 durchaus eine erste Klasse in Estedt geben könnte. 15 Kinder sind im Einzugsbereich Estedt im entsprechenden Alter. Die geforderte Größe der Eingangsklasse wäre also theoretisch erreicht. Doch selbst wenn alle 15 Kinder in Estedt eingeschult - und nicht noch einige Eltern für ihr Kind die evangelische Grundschule auswählen würden -, wäre ein Weiterbestehen des Schulstandortes Estedt nicht gesichert. Denn es fehlte in diesem Fall ja wiederum die zweite Klasse.

"Wir haben dem Kreis mitgeteilt, dass wir erst 2015 entscheiden."

Bürgermeister Konrad Fuchs

Insgesamt neun Kinder aus dem Estedter Bereich sind in diesem Jahr in die Gardeleger Reutter-Schule eingeschult worden. Sollten diese Kinder nun ab 2015, also in ihrem zweiten Schuljahr, wieder in Estedt beschult werden, hätte die Schule immer noch nicht die geforderte Mindestschülerzahl von 52 erreicht. Denn in der dritten Klasse lernen ab 2015 neun und in der vierten 18 Schüler. Es fehlte also selbst bei der optimistischsten Betrachtung genau ein Schüler.

Es sei tatsächlich eine schwierige Situation bei so geringen Schülerzahlen, bestätigt Schulamtspressesprecherin Silke Stadoer. Das gelte aber ebenso für die "Schulorganisation", da es einfach schwierig sei, in so kleinen Schulen einen Lehrerausfall zu kompensieren.

In der Zwickmühle sieht sich auch Bürgermeister Konrad Fuchs. Ja, die Stadt sei vom Kreis aufgefordert worden, sich zu Estedt zu positionieren, bestätigt er. "Aber was sollen wir melden?" Schließlich gebe es nur zwei Möglichkeiten, dazu aber zwei komplett gegensätzliche Stadtratsbeschlüsse: "Wir könnten Estedt stärken, indem wir Gardeleger Schüler dorthin schicken. Das hat der Stadtrat abgelehnt. Oder wir schließen die Schule, das hat der Stadtrat auch abgelehnt." Es sei "dasselbe Zahlenspiel" wie vorher. "Sollen sich die Eltern Gedanken machen."

Dem Kreis habe die Stadt deshalb erst einmal mitgeteilt, "dass wir erst Anfang 2015 eine Entscheidung treffen werden, weil zunächst einmal der Schulelternrat und die Gremien dazu befragt werden müssen", so Fuchs. Bislang sei dazu noch keine Antwort vom Kreis eingetroffen.