Heute ist der internationale Weltvegetarier Tag, der seit 1977 die Vorzüge der vegetarischen Lebensweise bekannter machen soll. Die Volksstimme sprach mit Salzwedeler Paul Reichel darüber, wieso er kein Fleisch isst.

Salzwedel l Schnitzel, Bratwurst, Steak - für den 21-jährigen Paul Reichel kommt das nicht in Frage. "Das Töten an sich finde ich einfach pervers", erzählt er. Seit frühester Kindheit hat der Student der Heilpädagogik immer viel Fleisch gegessen. Mit ungefähr 14 bis 15 Jahren kam für ihn der Wandel. "Ich habe in dieser Zeit nur noch Fast Food in mich reingestopft. Durch eine Freundin in der Schule und eine bekannte Ernährungsberaterin meiner Mutter bin ich zur Bio-Ernährung gekommen." Paul wollte endlich wieder mehr kochen, immerhin ist sein Vater Koch. Und so fing er an, sich mit dem Thema "Bio" genau zu beschäftigen. Nach und nach hinterfragte er für sich selbst die Haltung von Schlachttieren, was der regelmäßige Fleischkonsum mit der Umwelt anstellt und welche Probleme in der Dritten Welt herrschen.

"Früher habe ich sehr gerne Rumpsteak gegessen. Als ich einmal mit meiner Familie essen war, fiel der Startschuss für mein vegetarisch-veganes Leben. Als das Fleisch so vor mir lag, habe ich einfach nur angefangen zu weinen, und mir war klar, jetzt oder nie." So ernährte er sich zwei Jahre lang ausschließlich vegan und lernte eine Menge über das Kochen ohne tierische Produkte.

Für Pauls Familie war es anfangs schwer, diesen plötzlichen Wandel zu verstehen. Mittlerweile nutzt sein Vater die vegane Küche sogar schon für sein Catering, und seine Mutter hat sich ein eigenes veganes Kochbuch angelegt. Auch seine Oma findet immer mehr Gefallen an den Gerichten und Möglichkeiten der tierfreien Nahrung. "Es ist wirklich ein Austausch geworden. Wenn ich etwas koche, wird mir gerne gesagt, was gut und was schlecht war."

Nach den zwei Jahren kam Paul zum Vegetarismus zurück - lebt jedoch weitestgehend vegan. "Ich gönne mir zum Beispiel ab und an mal ein Stück Käse." In Kochsendungen holt er sich Anregungen und versucht diese ohne tierische Produkte zu Hause nachzukochen. "Ich finde es toll, dass man immer wieder neuen Dinge entdecken kann, gerade im Zutatenbereich."

Der neue Lebensstil hat seine Vorteile: Jahrelang war Paul Kickboxer. Durch den Wandel konnte er seine Leistung steigern und auch seine Konzentration in der Schule ging stetig bergauf.

Dennoch ist es für Paul nach wie vor schwierig, vor allem auf dem Land, vegane Zutaten einkaufen zu können. Erst seitdem er in Berlin studiert, muss er nicht mehr auf das Onlineangebot im Internet zurückgreifen. "Bei uns in der Mensa wird sogar vegetarisches und veganes Essen angeboten, richtig toll. Berlin ist einfach sehr offen für diese Art von Ernährung - das macht es leichter."

Meinungen

Franka Vagts, 16 Jahre: "Ich nutze nur Naturkosmetik, die ohne Tierversuche hergestellt wurde, und ich achte auch bei einem Großteil meiner Kleidung darauf, dass sie fair und bio hergestellt wurde. Allerdings ist es schwer, sich immer daran zu halten. Ich trage auch Lederschuhe, weil sie länger halten und ich das für nachhaltiger halte."

Isabell Meißner, 18 Jahre: "Ich bin Vegetarierin und trage kein Fell oder Naturleder. Ich benutze veganes Shampoo und Naturkosmetik, zum Beispiel Puder und Abschminktücher. Nur meine Mascara ist kein Bio- oder Naturkosmetikprodukt, denn ich habe die Erfahrung gemacht, dass diese ständig verwischt, wenn sie ohne Chemikalien produziert worden ist."

Simon Brzezicha, 19 Jahre: "Ich lebe seit anderthalb Jahren vegan, und zwar aus ethischen Gründen. Tiere sollten als Lebewesen und nicht als Lebensmittel angesehen werden. Für mich gibt es keine Alternative zum vegangen Leben, deshalb achte ich auch bei Kleidung und Kosmetikprodukten darauf, dass sie fabriziert wurden, ohne an Tieren getestet worden zu sein. Das Essen auf öffentlichen Veranstaltungen ist für Veganer oft ein Problem, da es keine vegane Variante gibt."

Anna Brzezicha, 16 Jahre: "Ich bin seit anderthalb Jahren Vegetarierin, weil ich der Meinung bin, dass auch Tiere die gleichen Rechte haben wie wir und wir sie nicht einfach töten dürfen. Ich habe einen Zettel in meinem Portemonnaie, auf dem alle Marken stehen, die ihre Kosmetikprodukte nicht an Tieren testen und danach kaufe ich dann ein. Ich trage auch kein Leder oder andere Klamotten, die tierische Produkte enthalten."