Die meisten waren in den Miester Kinosaal gekommen, um sich unterhalten zu lassen. Doch Ortsbürgermeister Kai-Michael Neubüser erinnerte dort gestern auch daran, warum es diese traditionsreiche Veranstaltung, den politischen Frühschoppen, überhaupt gibt.

Mieste l "Manches scheint uns im Jahr 25 nach dem Mauerfall längst selbstverständlich." Dabei könnten sich doch die meisten der Anwesenden noch gut an jene Zeiten erinnern, in der es zum Beispiel die Presse- oder Redefreiheit nicht gegeben habe, sagt Kai-Michael Neubüser am Rande des gestrigen Frühschoppens im Miester Kinosaal.

Gemeinsames Singen der Nationalhymne

Für den Ortsbürgermeister handelt es sich dabei nach wie vor um eine politische Veranstaltung. Denn sie werde ja nicht grundlos Jahr für Jahr am Einheitsfeiertag organisiert. Und genau daran hat er auch während seiner kurzen Eröffnungsrede erinnert, an die sich das gemeinsame Singen der Nationalhymne angeschlossen hat. Und die meisten hätten auch mit eingestimmt, auch wenn die Deutschen ja nicht gerade für ihren großen Patriotismus bekannt seien, so Neubüser. Aber was damals vor 25 Jahren mit der friedlichen Revolution geschafft worden sei, das sei eben etwas Außergewöhnliches. Und darauf könnten die Menschen in diesem Land zu Recht stolz sein.

Und weil es eben so ein besonderer Anlass ist, schenkt die Kochgruppe der Feuerwehr an diesem Tag auch keine Erbsensuppe aus der Gulaschkanone aus, sondern eine echte Festtagssuppe, nämlich die Altmärkische Hochzeitssuppe. "Die Klößchen haben wir selbst gedreht", betont Uwe Wessalowski von der Feuerwehr Mieste.

Doch nicht nur dort ist er aktiv, sondern auch im Männergesangsverein, dessen Vorsitzender Wessalowski ist. Und natürlich darf dieser Klangkörper während des Frühschoppens nicht fehlen, bei dem er unter anderem mit dem Gefangenenchor aus der Oper "Nabucco" für Gänsehautmomente sorgt. Die gibt es aber auch beim gemeinsamen Auftritt mit dem Musikzug der Miester Feuerwehr. Auch dieser hat zuvor schon allein zahlreiche Lieder präsentiert - mit dem Sangesduo Henry Mertens und Erika Maaß sowie mit dem trompetenden Chef, Helmut Scheinert, an vorderster Front.

Es sei schön, dass in Mieste auf derartige Ensembles zurückgegriffen werden könne, betont der Ortsbürgermeister und betätigt sich mal eben als Kellner - indem er nämlich die Aktiven auf der Bühne mit kühlen Getränken versorgt.

Zudem erinnert Neubüser noch einmal daran, dass der Frühschoppen ja schon 1999 unter Federführung seines Amtsvorgängers Dirk Schütze ins Leben gerufen worden sei. Und schon damals seien Chor und Musikzug mit von der Partie gewesen.

Veranstaltung gibt es bereits seit 1999

Zwar sei die Resonanz, wahrscheinlich auch wegen des Brückentages, den viele für einen Kurzurlaub nutzen würden, diesmal nicht ganz so groß wie in den Vorjahren, so der Ortsbürgermeister. Doch bemerkenswert sei für ihn, dass nicht nur die ältere Generation im Kinosaal erschienen sei, sondern auch die Jugend.

Die macht es sich allerdings lieber draußen vor der Tür gemütlich. Denn auch dort stehen Tische und Stühle. Und ein kühles Bierchen schmeckt im Schein der Sonne doch gleich noch einmal so gut.

   

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