Mit einer perfekten Mischung aus viel Musik, Humor, Literatur und Rezitationskunst hat die dritte Kalbenser Kulturnacht ihre Besucher begeistert. Für fast alle hätte das, was da am Vorabend des Einheitsfeiertages in drei Gasthäusern geboten wurde, noch ewig so weitergehen können.

Kalbe l "Wir haben doch keine Zeit", sagt Wally Althoff, klopft auf die Uhr an ihrem Handgelenk und ermahnt das Publikum, das gerade vor Vergnügen quietscht, zu mehr Disziplin. Dabei trägt sie selbst die Schuld daran, dass da ein Meer von Lachtränen fließt.

Die 61-Jährige ist bei der dritten Kalbenser Kulturnacht für die Abteilung Humor zuständig. Aber dass sie jeweils nur ein paar Minuten Zeit hat, ihr Spaßfeuerwerk zu zünden, das bringt sie dann doch gehörig ins Schwitzen. "Da bleib´ ick ja völlig steril", krakeelt die Frau, die dafür bekannt ist, dass sie verbal auch mal in Ecken schießt, die sonst tabu sind. Und seien es bei den Herren die Geheimratsecken und bei den Frauen die Altersflecken. Zartbesaitete sollten die Stendalerin eben nicht buchen. Dass es davon aber in der Altmark nicht so viele zu geben scheint, zeigt die Tatsache, dass der Terminkalender von Wally Althoff schon für die nächsten Jahre randvoll ist.

Programm begeistert generationsübergreifend

Der Kultur- und Heimatverein Kalbe, der auch diesmal für die Kulturnacht verantwortlich zeichnet, hat die Humoristin hingegen rechtzeitig engagiert. Und auch bei allen anderen Künstlern hat der Vorstand zeitig gehandelt und zudem den absolut richtigen Riecher bei der Auswahl bewiesen. Das Programm begeistert generationsübergreifend. "Das ist wirklich ein richtig toller Abend", sagt zum Beispiel Nicole Kühnel und lauscht versunken den wunderschönen Melodien von Camomile.

Hinter diesem Namen, der zu deutsch Kamille bedeutet, verbirgt sich eine Band, deren Musik so entspannend wirkt wie eine Tasse Tee - und deren Anfänge bis in das Jahr 2008 zurückreichen. "Doch zur Kulturnacht heute spielen wir erstmals in großer Besetzung", sagt Ramon Zarges. Der frühere Bismarker und heutige Hallenser ist neben dem Kalbenser Sebastian Krüger der kreative Kopf der Gruppe, zu der auch Sven Schmidt (Schlagzeug), Matthias Haase (Gitarre) sowie Michael Krüger (Trompete und Geige) gehören. Diese drei Herren sind beziehungsweise waren ebenfalls einmal Kalbenser. Mit "Breakfast at Lakes" gibt es auch ein Album mit eigenen Songs der Band. Und das geht während der einzelnen Auftritte am Veranstaltungsabend weg wie geschnitten Brot. Denn die Menschen sind angetan von dem, was sie da hören.

Das gilt auch für das, was Spleen abliefern. Hierbei handelt es sich ebenfalls um eine Band aus der Region. Und auch sie hat sämtliche Songs, die sie am Donnerstagabend vorträgt, selbst geschrieben. Natürlich sind sie perfekt auf die Bluesröhre von Sängerin Elisabeth Wagner, einer in Garlipp lebenden Amerikanerin, und auf das grandiose Gitarrenspiel des Winkelstedters Jörg Rahmsdorf abgestimmt. Für die treibenden Beats ist Schlagzeuger Stefan Kühl aus Kalbe zuständig, für den Bass der Laatzker Burghardt Wehner.

Musik gibt es an diesem Abend aber auch noch in anderer Form. So hat der aus Semlin stammende Autor Eugen Gliege, der unter anderem aus seinem Buch "Liebe heiter und frivol" amüsante Kurzgeschichten vorliest, seine bezaubernde Tochter Katharina mitgebracht. Sie trägt mit engelsgleicher Stimme irische Folksongs vor und wird dabei von Denny Wolgast auf dem Keyboard begleitet.

Als Solist agiert hingegen Torsten Muck. Der Kakerbecker wird mittlerweile über die Grenzen seiner Heimatregion hinaus als Udo-Lindenberg-Double gefeiert. Wenn er in das Outfit des Panikrockers schlüpft, dann gibt es eine Metamorphose. Dann imitiert er diesen nicht nur, dann verwandelt er sich in Udo Lindenberg. Dabei hatte alles mal als Karnevalsgag begonnen. Inzwischen ist Torsten Muck seinem Idol sogar schon mehrfach persönlich begegnet. Das scheint irgendwie total abgefärbt zu haben. Und dann singt der Mann auch noch live! Das finden die Besucher im Café "Friedenseck" so grandios, dass sie sich zu stehenden Ovationen hinreißen lassen.

Ohne Zugabe kommt aber auch Manfred Richter nicht aus den Sälen. Der Kalbenser rezitiert seit einigen Jahren öffentlich Otto-Reutter-Couplets. Und er hat sie alle drauf, die bekannten und vor allem langen Stücke des aus Gardelegen stammenden Meisters. Sei es dessen "Blusenkauf" oder Richters erklärtes Lieblingscouplet "Ich habe zu viel Angst vor meiner Frau".

Dankeschön an die teilnehmenden Gastwirte

Die übrigens sitzt an diesem Abend auch im Publikum. Und zwar in den "Ratsstuben". Das Haus, in dem am Ende ebenfalls die Plätze knapp geworden sind, gehört schließlich der gemeinsamen Tochter. "Ausverkauft" hieß es zuvor bereits im Eiscafé "Piccolo" und im Café "Friedenseck". Und Andrea Müller, die Vorsitzende des Kultur- und Heimatvereins, versäumt es natürlich nicht, allen beteiligten Gastwirten - also Sandra Kunze, Andrea Daries und André Tepper - für die erneute Unterstützung zu danken. Schließlich findet die Kulturnacht ja schon zum dritten Mal statt.

Andrea Müller und ihr Ehemann Harald waren es übrigens auch, die einst die Idee für diese Veranstaltungsreihe hatten. Sie hatten nämlich etwas Ähnliches in Schwerin erlebt und waren von dem dortigen Konzept - die Gäste bleiben sitzen, die Künstler rotieren - so begeistert, dass sie die Idee mit nach Kalbe brachten. Und 2010 fand dann die erste Auflage der Kulturnacht statt.

Es gibt sie, immer am Vorabend des Einheitsfeiertages, nur alle zwei Jahre. Leider, wie viele der Anwesenden am Donnerstagabend meinen.

   

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