Seit Mai ist die Wernstedter Ortsdurchfahrt voll für den Verkehr gesperrt. Doch ein Ende ist in Sicht. Die Straße, die zu den wichtigsten Verkehrsachsen der Altmark gehört, weil sie die Kreisstädte miteinander verbindet, soll noch in diesem Monat freigegeben werden.

Wernstedt l "Gewiss doch!" Das sagt Ortsbürgermeisterin Anni Schulz, wenn sie danach gefragt wird, ob in Wernstedt gefeiert wird, wenn die Ortsdurchfahrt wieder für den Verkehr freigegeben wird. Am 24. Oktober, darauf haben sich die Baubeteiligten verständigt, soll es soweit sein.

So ganz selbstverständlich scheint es allerdings nicht, dass auf ein solches Ereignis angestoßen wird. Auch in Klein Engersen hätte es vor wenigen Wochen einen ähnlichen Anlass gegeben. Auch dort war die Ortsdurchfahrt nämlich zuvor saniert worden. Doch hatte Ortsbürgermeister Wilfried Hartmann dann erklärt: "Hier hat keiner Lust zu feiern." Der Grund: Die Anlieger der Straße werden anteilig an der Finanzierung beteiligt.

"Unvorhersehbare Schwierigkeiten im Untergrund aufgetreten"

Pressestelle des Landes-Bauministeriums

Dasselbe Problem gibt es auch in Wernstedt. Doch den Anliegern seien vorläufige Zahlen genannt worden, sodass sie sich ungefähr darauf einstellen könnten, was da auf sie zukomme, sagt Anni Schulz. Natürlich sie niemand begeistert. Denn Straßenausbaubeiträge seien eine Belastung für die Menschen, weiß die Ortsbürgermeisterin. Und hinzu kommt, dass in Wernstedt bis zur Vereinheitlichung der entsprechenden Satzung im vergangenen Jahr sogenannte wiederkehrende Beiträge galten. Das bedeutete: Wenn irgendwo gebaut wurde, dann wurden alle Grundstückseigentümer im Dorf zur Kasse gebeten, nicht nur die direkten Anlieger. Das ist nun anders. Und zwar in der gesamten Einheitsgemeinde Kalbe.

Dennoch dürfte bei den Anwohnern der Wernstedter Bahnhofstraße, wie die Ortsdurchfahrt offiziell heißt, wohl auch Freude herrschen. Da ist sich Anni Schulz ziemlich sicher. Schließlich hätten sie lange genug das ständige Poltern ertragen müssen, wenn Lkw über die marode Pflasterstraße gedonnert seien.

Die ist nun nicht mehr wiederzuerkennen. Auf 570 Metern ist die Ortsdurchfahrt grundhaft ausgebaut und mit einer Bitumendecke versehen worden. Außerdem sind neue Geh- und Radwege sowie auch eine neue Haltebucht für Busse hergestellt worden. "Der Einbau neuer Entwässerungsleitungen und die Wiederherstellung der Vorflutanlage komplettieren das Vorhaben", heißt es dazu aus dem Landes-Bauministerium.

Das Land ist nämlich Träger der Ortsdurchfahrt und hat den Löwenanteil der Investitionssumme aufzubringen. Diese beläuft sich auf rund eine Million Euro. Die Stadt Kalbe, die für die Nebenanlagen zuständig ist, hat 314000 Euro davon zu finanzieren, wobei auch Fördergeld und Anliegerbeiträge mit einfließen. Der Wasserverband Gardelegen ist ebenfalls mit im Boot, hat aber nur einen vergleichsweise kleinen Anteil von 4000 Euro zu tragen.

Eigentlich sollte die Straße, an der seit Mai gebaut wird, bereits im September wieder ihrer Bestimmung übergeben werden. Dass sie nach wie vor voll gesperrt ist, liegt laut Pressestelle des Bauministerium daran, dass "unvorhersehbaren Schwierigkeiten im Untergrund aufgetreten sind. Ohne einen entsprechenden Mehraufwand hätten diese zu Tragfähigkeitsproblemen geführt."

"Das letzte große Ziel, das ich mir gesetzt hatte als Ortsbürgermeisterin."

Ortsbürgermeisterin Anni Schulz

Derzeit würden die restlichen Arbeiten an den Nebenanlagen, zu denen auch ein Regenrückhaltebecken gehöre, erfolgen. "Wenn die Fahrzeuge jetzt schon rollen dürften, ginge es nicht ordentlich weiter", weiß die Ortsbürgermeisterin. Denn der Verkehr, der über die Wernstedter Bahnhofstraße fließe, sei doch sehr erheblich. Immerhin gehört diese zur Verbindungsstrecke zwischen den zwei altmärkischen Kreisstädten. "Allein 65 Busse fahren hier jeden Tag." Das, so Anni Schulz, sei gezählt worden. Für sie selbst ist mit dem Abschluss der Bauarbeiten "das letzte große Ziel, das ich mir gesetzt hatte als Ortsbürgermeisterin, erreicht. Seit 2006 planen wir daran. Nun steht die Maßnahme endlich vor ihrem Abschluss", freut sich die Frau, die seit 47 Jahren an der Spitze des Dorfes steht und die verrät, dass es da ja doch noch zwei große Wünsche gäbe: die Sanierung der Kreisstraße zwischen Wernstedt und Engersen sowie den grundhaften Ausbau der Landesstraße zwischen Wernstedt und Kalbe, für die wegen der Eigentumsverhältnisse ein zeitaufwändiges Planfeststellungsverfahren eingeleitet worden ist. Und dessen Ende ist leider, das hat das Bauministerium jetzt noch einmal bestätigt, immer noch nicht in Sicht.

Doch im Ort selbst, und das macht Anni Schulz schon mächtig stolz, ist dann alles, was zu erledigen war, erledigt.