Rio de Janeiro - das klingt nach Sonne, Strand, Samba und ...Fußball. Dass am Zuckerhut 2014 auch Volleyball gespielt wurde, und zwar ebenfalls auf Weltmeisterniveau, ging wohl an vielen vorbei. Doch auch hier spielte Deutschland. Mit dabei: ein Gardeleger.

Gardelegen/München/Rio de Janeiero l Es ging nicht um Tore, sondern um Punkte, aber es war auch eine echte Weltmeisterschaft. Die Spieler allerdings tragen sonst Uniform. 17 deutsche Soldaten traten bei der 33. Volleyball-Militär-Weltmeisterschaft, die das Conseil International du Sport Militaire (CISM) vom 20. bis zum 31. Juli in RiodeJaniero ausrichtete. Unter ihnen war auch Timm Benecke (26), der sich seine Volleyballsporen einst beim SSV 80 Gardelegen verdiente.

"Anfang des Jahres habe ich dann plötzlich Post bekommen."

Groß ist er nämlich schon damals, als er noch in der Altmark zu Hause ist. Kraft hat er auch, der Gardeleger Junge. Schon als Schüler nutzt er sein außergewöhnliches Talent deshalb, um Punkte zu machen. Timm Benecke spielt Volleyball, nicht nur im Gardeleger Gymnasium, sondern auch im Verein. Trainiert wird er dort zunächst von Frank Kreißl beim Gardeleger Verein SSV 80. Hier lernt er die ersten Regeln des Spieles, die wichtigsten Tricks. Bereits als 18-Jähriger wechselt Benecke dann nach Stendal, spielt dort in Sachsen-Anhalts Oberliga.

Doch auch die Mannschaft der Rolandstadt muss bald auf ihren Spitzenspieler verzichten. Denn nach dem Abitur 2007 steht für ihn anstelle von Volleyball zunächst einmal die Bundeswehr im Fokus. In Gotha wird er Feldwebel, studiert schließlich an der Universität der Bundeswehr in München.

Während der ganzen Zeit verliert der Gardeleger, der mittlerweile einen Offiziersgrad hat, die Leidenschaft für seinen Sport aber natürlich nicht. Es treibt ihn wieder ans Netz. Einmal Volleyballer, immer Volleyballer. Sein neuer Verein heißt seit einem Jahr TSV Unterhaching. Benecke wird mit der Universitätsmannschaft sogar bayerischer Hochschulmeister. Und spätestens hier werden wohl die Talentscouts der Bundeswehr auf den jungen Altmärker aufmerksam.

"Anfang des Jahres habe ich dann plötzlich Post bekommen", erzählt Benecke. In dem Brief wird er eingeladen zum Probe- und Sichtungstraining jeweils im Januar, im Mai und im Juni dieses Jahres. Dort trainiert er schließlich mit Profis der ersten und zweiten Bundesliga. Mit jedem Trainingslager sind allerdings weniger Soldaten dabei, als beim Mal davor. Und im Juni steht dann endgültig fest: Benecke ist dabei. Er fährt mit zur Volleyball-Militär-Weltmeisterschaft in Brasilien

"Unser Warm-up fand morgens am Strand statt."

"Das fand ich natürlich großartig", sagt er schmunzelnd. Und das wird es am Ende auch. Schon der Flug ist ein Erlebnis für die jungen Leute und allein das Rahmenprogramm ist es wert, dabei zu sein. Denn natürlich erwartet die Spieler ein wunderschönes und gastfreundliches Land.

"Untergebracht waren wir zum Beispiel in einem Militärkomplex, in der Sportschule des Heeres in Rio", erzählt er. "Und die liegt auch noch direkt neben dem Zuckerhut", dem Wahrzeichen der brasilianischen Hauptstadt. "Unser Warm-up fand deshalb morgens natürlich am Strand statt", schwärmt Benecke. Wo sonst?

In ihrer Freizeit, an den spielfreien Tagen kommen die jungen Soldaten schließlich auch mit vielen Spielern anderer Mannschaften zusammen. Und dabei wird dann auch schnell klar, dass die Auswahl der Sportler in anderen Ländern längst nicht nach den selben Maßstäben erfolgt, wie in Deutschland. "Bei uns sind alle Spieler Soldaten", erklärt Benecke. Sieben Athleten kommen von der Sportfördergruppe Warendorf, die zur Bundeswehr gehört. Fünf Volleyballer kommen direkt aus der bestehenden Truppe.

"Das Spiel gegen Kanada war als Pflichtsieg deklariert."

"In anderen Staaten zum Beispiel, läuft das allerdings etwas anders", sagt Benecke. Wer gut spielt, werde einfach mal kurzfristig zum Soldaten gemacht.

Bei der deutschen Mannschaft sind aber natürlich nicht nur alle Spieler Bundeswehrsoldaten. Auch der Rest vom Team trägt Uniform. Und zwar angefangen vom Trainer - in diesem Fall Oberleutnant Frank Oliver Otter von der Truppenübungsplatzkommandantur Wildflecken - über den Co-Trainer und Mannschaftsscout Florian Vogel aus dem Sanitätsdienstkommando der Bundeswehr bis hin zum Team-Koordinator, Oberstabsfeldwebel Dietmar Gleisle von der Bundeswehrsportschule, sind alle Militärangehörige. Ein Oberstabsatzt und ein Hauptfeldwebel übernehmen zudem auch die medizinische Betreuung der Mannschaft.

Lediglich die Schiedsrichter, die die Volleyballer nach Brasilien begleiten, sind Zivilisten. Sie kommen vom deutschen Volleyballverband.

Bei den Spielen in Rio, die für die Deutsche Mannschaft bereits am zweiten Tag nach der Anreise beginnen, spielt Benecke schließlich in der Position des Diagonalangreifers. Der erste Gegner heißt Indien. Mit 3:1 können die Deutschen das Team mit einem Satzverlust besiegen. "Und auch das von unserem Trainergespann als Pflichtsieg deklarierte Spiel gegen Kanada" gewinnen die deutschen Soldaten mit einem souveränen 3:0 Ergebnis.

Anhand von Videoaufzeichnungen werden die beiden Spiele anschließend jedes Mal ausgewertet. Aber auch die gegnerischen Mannschaften werden vom Co-Trainer gefilmt, "um das typische Spielverhalten zu analysieren", erklärt Benecke. Denn nun liegt das Augenmerk der Deutschen auf der Mannschaft des Irans. "Und die Männer aus dem Nahen Osten waren der unangefochtene Favorit der Gruppe", erläutert Benecke. Auf das Ergebnis 1:3, waren die Deutschen deshalb besonders stolz, auch ohne den Sieg. Denn der gewonnene Satz hatte ihnen eine Höchstleistung abverlangt.

Nach dem 0:3 gegen Venezuela und dem 1:3 gegen Südkorea ist die erste Runde beendet. Das Ergebnis war nicht schlecht: Die deutsche Mannschaft wurde Gruppenvierter.

Durch zwei krankheitsbedingte Ausfälle arg geschwächt mussten sich die deutschen Soldaten dann allerdings auch mit einem 0:3 gegen China und anschließend auch gegen den "alten Bekannten" Südkorea geschlagen geben. Am Ende platzierte sich die deutsche Militärmannschaft schließlich auf dem achten Platz.

Auch wenn sich Timm Benecke und seine Mitspieler wohl ein besseres Abschneiden gewünscht hätten, wird er die Tage in Rio garantiert nicht vergessen, versichert Benecke. Denn allein die Teilnahme war ein großartiges Erlebnis. Zudem gab es ein tolles Programm, zu dem auch die Besichtigung der brasilianischen Marineschule und des Forte de Copa Cabana, Touren durch die City, Besichtigung der Christusstatue und eine Hafenrundfahrt gehörte. "Das war alles schon ziemlich spannend!"

"Für jeden Spieler gab es eigentlich nur eine Urkunde."

Mit nach Hause nahmen die Männer übrigens keine tollen Prämien oder teure Sachpreise, wie ihre Kollegen vom Fußball noch wenige Tage zuvor. "Für jeden Spieler gab es eigentlich nur eine Urkunde", sagt Benecke, auf die er aber schon ziemlich stolz sei, wie er zugibt. Stolz auf ihren "Weltmeisterspieler" ist natürlich auch Beneckes Familie in Gardelegen. Und stolz können eigentlich auch alle sein, die sein Talent einst entdeckten und ihn dementsprechend förderten.

Sieger der 33. Volleyball-Militär-Weltmeisterschaft wurde der Gastgeber Brasilien. Vielleicht ein kleines Trostpflaster für die jüngst doch nicht ganz so erfolgreiche Fußballnation.

   

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