Vor knapp 40 Zuhörern konzertierte das Kölner Tenorduo im Rathaussaal. Ein merkwürdiges Konzert mit Musikern, die fast im Dunkeln sangen.

Gardelegen l Es sollte die ganz große Bühne sein, immerhin der rote Teppich lag da. Die Tenöre Toni di Napoli und Pietro Pato als "Tenöre4you" konzertierten am Sonnabend im Gardeleger Rathaussaal. Doch es war eher eine Film- und Lichtershow mit Gesang für die knapp 40 Zuhörer.

Während Pietro Pato mit seiner warmen Stimme durchaus zu gefallen wusste, war di Napolis klassisch ausgebildete Stimme immer wieder einfach zu laut. Und das, obwohl er sich schon weit weg vom Mikrofon stellte, wenn die höheren Tonpassagen kamen.

Di Napoli, der eine klassische Gesangsausbildung in Wien genossen hatte, moderierte den Abend - in jeder Ansage lag so viel Hall auf dem Mikrofon, dass man sich vorkam, als wäre der Rathaussaal eine leere Kirche. Fast unerträglich laut war der Gesang di Napolis beim Klassiker "O sole mio", den "jeder Tenor singt, ob er singen kann oder nicht", hatte er zuvor angekündigt. Dazu Filmchen an der Wand von Venedig und alten italienischen Gemäuern.

Beim "Ave Maria" war die Rückwand des Rathaussaals mit dem historischen Schriftzug und den Stadtwappen in flirrendes Licht gehüllt, das aussah wie der Bildschirmschoner vom Computer. Die Sänger waren nur von zwei kleinen Strahlern beleuchtet, ansonsten war es dunkel im Saal.

Immer, wenn einer sang, verschwand der andere Tenor hinter einem Aufsteller im Dunkeln. Mehr als bemüht waren die Musiker, ihr überschaubares Publikum bei "Amazing Grace" zum Mitsingen zu bewegen. Da war einfach auch nicht jeder textsicher.

Im Mondschein verschwand die Rückwand des Saals, als die beiden "Memory", das wohl bekannteste Lied aus dem Musical Cats, sangen. Grün und irisch wurde es im Saal, als "You raise me up" erklang und dazu ein Einspielfilm von der grünen Insel zu sehen war. Und das mit so rasanten Kamerafahrten auf die Küste, dass sich die Besucher eher wie im Kino als im Konzert gefühlt haben müssen. Die Pause war für den CD-Kauf gedacht, Getränke gab es nicht. Nach der Pause ging es mit dem Titanic-Filmsong, "Que Sera" und "Volare" weiter.

Fazit: Es gab schon deutlich schönere Kulturabende in Gardelegen für knapp 20 Euro Eintritt.

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