Mieste l "Hey du, hör auf. Du kannst doch gar nicht singen und schon gar nicht Gitarre spielen. Und überhaupt, was heißt hier Gitarre, so ein Ding von Billigmarke. Damit würde ich nie losziehen." Auf die in diesen Situationen üblichen Beschimpfungen und oft auch Handgreiflichkeiten verzichtete Tim Trüe dann allerdings ganz bewusst, denn vor ihm saß eine Gruppe von Grundschülern, die den Dialog zwischen dem 16-Jährigen aus Miesterhorst und Felix Wanzeck (13) aus Kleinau sehr aufmerksam verfolgte. Einige kicherten zwar, denn die beiden Akteure hatten durchaus schauspielerisches Talent. Aber die Auswertung im Anschluss machte durchaus deutlich, dass ihnen das nicht fremd war. "Wie fühlt sich Felix jetzt?", wollte Tim Trüe von seinen jungen Zuhörern wissen. "Nicht gut, weil du ihn ja total runtergemacht hast", "Er ist völlig eingeschüchtert", "Er hat Angst, traut sich gar nichts mehr zu", waren einige Antworten der Kinder.

Sechs Stationen zum Mitmachen und Zuschauen

Tim Trüe und Felix Wanzeck gehörten am Sonnabend zum Betreuerteam des diesjährigen regionalen Kinderkirchentages in Mieste, der im Riesebergsaal, im Pfarrpark und aufgrund der Bauarbeiten in der Kirche im Gemeinderaum der katholischen Kirchengemeinde stattfand. 60 Mädchen und Jungen aus der Region Gardelegen, Mieste und Breitenfeld waren der Einladung zum Kindertag gefolgt. So viele wie noch nie, zeigte sich Gemeindepädagogin Christel Schwerin erfreut. Der Kindertag stand in diesem Jahr unter dem Motto "Ich höre was, was du nicht siehst" und beschäftigte sich im weitesten Sinne mit Mobbing, Konfliktbewältigung, Gemeinschaft und Werten wie Rücksichtnahme, Zuhören, Achtung und Respekt. Vorbereitet hatten dieses Angebot Eltern und Jugendliche aus Mieste und Oebisfelde, darunter auch Pfadfinder. Sie agierten am Sonnabend auch als Betreuer der sechs Gruppen, die insgesamt sechs Stationen zu absolvieren hatten. Und das machten die Mädchen und Jungen, allesamt im Grundschulalter, mit viel Eifer und Freude.

Namenskärtchen für jedes Kind

Unter anderem wurden Masken gebastelt (oft versteckt man sich hinter Masken) und Gespräche über Dosentelefone geführt (miteinander ins Gespräch kommen, reden und zuhören). Um Vertrauen ging es bei einer Station im Pfarrpark, die von Anna-Maria von Elm (18) und Leon Alemann (14) betreut wurde. Die Kinder standen sich im Kreis gegenüber, gingen dann aufeinander zu im Vertrauen darauf, dass das jeweils andere Kind den Kreis passieren kann, ohne angerempelt oder zur Seite geschubst zu werden. Und das auch mit verbundenen Augen.

Jedes Kind hatte ein Kärtchen mit seinem Vornamen an der Jacke angebracht. Auch eine Form von Achtung, denn so konnten sich alle mit dem Namen ansprechen, auch wenn sie sich nicht kannten.

Zum Mittag gab es Nudeln mit Tomatensoße

Und das sei auch ein Ziel der Kindertage der Kirchengemeinde. "Das Kennenlernen, Ängste zu überwinden, auf andere Kinder zuzugehen und natürlich in der Gemeinschaft etwas zu unternehmen, was Spaß macht - spielen singen, basten und erzählen", betonte Christel Schwerin.

Zum Auftakt und zum Abschluss führten Konfirmanden ein Anspiel zum Thema des Kindertages vor, das sie selbst gestaltet hätten und inhaltlich auch sehr beeindruckend gewesen sei, denn die jungen Leute hätten Situationen wie Ausgrenzung von Menschen, einzig wegen des Nichtbesitzes von Dingen wie Handys, dargestellt.

Zwischendurch konnten sich die Kinder mit Äpfeln, Bananen und Tee stärken. Zum Mittagessen gab es ein typischen Kinderlieblingsgericht: Nudeln mit Tomatensoße und zum Dessert Rote Grütze. Für das leckere Essen und die Verpflegung insgesamt hatte am Sonnabend Gaby Stöwesandt vom Miester Gemeindekirchenrat gesorgt.

   

Bilder