Das Kalbenser Burg- und Heimatmuseum "Altes Wachhaus" ist um eine Attraktion reicher. Seit kurzem gibt es dort fünf neue Klapptafeln mit teils bislang unbekannten, zeitgeschichtlichen Dokumenten. Zu verdanken ist dies der Privatinitiative von Henning Krüger.

Kalbe l Was die Aufarbeitung der Kalbenser Stadtgeschichte betrifft, engagiert sich ein Mann in besonderem Maße: Henning Krüger. Und er stellt die Ergebnisse seiner Arbeit immer wieder der interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung (www.kalbe-milde.de). Auf diese Weise konnten auch die fünf neuen Klapptafeln bestückt werden, die seit kurzem die Ausstellung im Burg- und Heimatmuseum "Altes Wachhaus" bereichern und die Zeitdokumente zeigen, die bis dato teilweise noch völlig unbekannt waren.

So ist zum Beispiel Kartenmaterial zu sehen, das Kalbe in seinen Grenzen um 1700 zeigt. Gefunden hatte Henning Krüger diesen historischen Stadtplan vor einigen Wochen, als er im Zuge von Ahnenforschung die Staatsbibliothek "Preußischer Kulturbesitz" in Berlin besucht hatte.

Keiner hatte bis dahin gewusst, dass es diese Karte gibt."

Hobbyhistoriker Henning Krüger

"Keiner hatte bis dahin gewusst, dass es diese Karte gibt", freut sich der engagierte Hobbyhistoriker noch heute über seine Entdeckung.Aber auch ein alter Landschaftsplan, der Kalbe und seine Umgebung Ende des 18. Jahrhunderts und somit auch mit einigen Milde-Armen zeigt, die es wegen der späteren Meliorationsmaßnahmen heute gar nicht mehr gibt, ist Bestandteil der neuen Info-Tafeln.

Besonders stolz ist Henning Krüger jedoch auf eine, mit Computerhilfe erstellte Skizze samt Legende, die auf der Basis jener archäologischen Untersuchungen erarbeitet worden ist, die seit 1910 auf dem Burggelände erfolgt sind. Die Skizze zeigt das Areal, wie es 1632 - damals wurde die Burg geschleift - tatsächlich ausgesehen haben könnte. Zwar gäbe es die eine oder andere historische Zeichnung. Doch seien diese Darstellungen nach heutigen Erkenntnissen wohl etwas geschönt, wie Henning Krüger vermutet. Die von ihm erstellte Skizze sei hingegen "der Versuch einer Rekonstruktion".Und vielleicht lasse sich mit ihrer Hilfe ja vielleicht irgendwann einmal eine Grafik vom ursprünglichen Burggelände erstellen. Doch sei dies Zukunftsmusik.

Keine Blicke in die Zukunft, sondern in die Vergangenheit bieten hingegen mehrere historische Fotos von der Burgruine, die ebenfalls in den Klapptafeln zu finden sind. Sie füllen dort mehrere der insgesamt zehn Blätter. Aber auch Ansichten der Gutshäuser von Alvensleben und von Goßler sind eingearbeitet. Dem Betrachter bietet sich also jede Menge Anschauungsmaterial.

Das ist der Unterschied zu den daneben hängenden Zeittafeln, welche die Kalbenser Stadtgeschichte fast ausschließlich in Textform abhandeln. Dass es sie überhaupt gibt, dazu hat ebenfalls Henning Krüger mit seinen Zuarbeiten beigetragen, auch wenn das Konzept selbst von der damaligen Leiterin der Tourist-Information, Nicole Große, erarbeitet und dann mit finanzieller Unterstützung der Raiffeisenbank Kalbe/Bismark umgesetzt worden ist.

Im Nachgang, so Henning Krüger, habe er jedoch immer wieder überlegt, welche Möglichkeiten es gäbe, die Stadtgeschichte auch grafisch darzustellen. Und so sei ihm die Idee mit den Klapptafeln gekommen. Gemeinsam mit der heutigen Leiterin der Tourist-Info, Beatrice Krause, habe er nach einem geeigneten Platz dafür gesucht - und ihn auch gefunden. Die Stadt habe dann das Gehäuse und die Aufhängung der Tafeln bezahlt. Er selbst habe sich, auch finanziell, um die notwendigen Plexiglasscheiben sowie um die Reproduktionen der Zeitdokumente gekümmert, erzählt der 62-Jährige auf Nachfrage. "Mein Traum wäre natürlich", sagt er mit Blick in den großen Ausstellungsraum, "wenn hier in der Mitte ein Modell der Burg stehen würde", so wie sie früher einmal ausgesehen haben könnte. Doch eine solche Miniatur gibt es nicht, dafür aber eine des Wachhauses, die aktuell den besagten Ausstellungsraum ziert. Und bis sich vielleicht irgendwann einmal tatsächlich Henning Krügers Traum erfüllt, helfen die von ihm zusammengetragenen Materialien dem Geschichtsinteressierten weiter.