Stolpersteine werden ab Freitag an die Schicksale jüdischer Familien aus Gardelegen erinnern. Eine Ausstellung bei der Stadtverwaltung begleitet die Aktion.

Gardelegen l Lachende Kinder sind auf einem alten Schwarz-weiß-Foto zu sehen. Sie scheinen fröhlich. Doch die Idylle trügt. Das Bild ist Ende der 1930er Jahre in Gardelegen aufgenommen. Die Kinder sind jüdischen Glaubens. Sie spielten zusammen, weil die anderen deutschen Kinder nicht mehr mit ihnen spielen durften. In dem Garten der Familie Lippstädt in der Bahnhofstraße 87 hatten sie eine Art Abenteuerspielplatz.

Das Foto ist Teil einer kleinen Ausstellung, die von Stadtverwaltungsmitarbeiter Rupert Kaiser ins Leben gerufen wurde. Der Anlass sind die ersten Stolpersteine, die in Gardelegen am morgigen Freitag verlegt werden. Sie erinnern an die Schickale jüdischer Familien, die einst in Gardelegen gelebt haben - so wie das von Familie Lippstädt. 1942 wurde die Familie nach Theresienstadt deportiert. 1944 ermordeten die Nationalsozialisten Leo, Julie und Joachim Lippstädt in Auschwitz.

Acht Schüler des Geschwister-Scholl-Gymnasiums hatten mit ihrer Lehrerin Andrea Müller die Initiative ergriffen und die Aktion in die Stadt geholt. Sie recherchierten Familiengeschichten, nahmen Kontakt zu Verwandten auf und sammelten Dokumente, Fotos und Spenden.

Der Künstler Günter Demnig hat die Stolperstein-Aktion 1992 gegründet. Europaweit erinnern mittlerweile mehr als 45000 solcher Gedenksteine an die Gräueltaten der Nationalsozialisten. Demnig wird die acht Steine am Freitagvormittag selbst verlegen. Die Gymnasiasten gestalten vor Ort jeweils ein kurzes Programm.

Die Ausstellung im Haus II der Stadtverwaltung kann zu den Öffnungszeiten besichtigt werden. Und Rupert Kaiser hofft auf Mithilfe. Denn von einigen der Ermordeten - wie der Familie Lemberg - fehlen Bilder. "Wir wollen den Opfern ein Gesicht geben", sagt Kaiser. Er hofft, dass es in Gardelegen bald noch mehr Stolpersteine geben wird.

Viel Lob gab es von Kaiser für das Engagement der Schüler. Sie hatten ihm wie das Altmärkische Antiquariat Gardelegen Material für die Ausstellung zur Verfügung gestellt.