Acht Stolpersteine erinnern seit gestern in Gardelegen an das Schicksal der jüdischen Bewohner der Stadt. Schüler des Gymnasiums hatten alles vorbereitet.

Gardelegen l Es dauerte jeweils nur ein paar Minuten. Künstler Gunter Demnig nahm Steine aus dem Pflaster, ersetzte sie mit den Stolpersteinen. Feiner Zement und Beton sorgen für Stabilität. Mit dem Hammer klopfte er die Gedenksteine fest.

Ein Stein, ein Menschenleben - in Gardelegen erinnern seit gestern acht Stolpersteine an Schicksale der jüdischen Bewohner Gardelegens. So wie das von Elly Cohn. Ihrer Familie gehörte die ehemalige Hopfendarre an der Hopfenstraße. Trotz der Nationalsozialisten blieb die junge Jüdin Gardelegen treu. Um ihrer Deportation ins Konzentrationslager Auschwitz zu entgehen, nahm sie sich 1942 das Leben. Die Gardelegerin Regine Oesterreich hatte den Schülern im Vorfeld von dem Leben der Jüdin in der Hopfendarre berichtet. "Es ist mein Geburtshaus", sagte Oesterreich. Ihre Großeltern hatten es von Cohns gekauft, ließen Elly Cohn aber weiter darin wohnen. Regine Oesterreichs Großmutter Margarete Pessel sprach mit ihrer Enkelin über das Schicksal der jungen Frau.

So schnell das Verlegen der Steine ging, dahinter steckten eineinhalb Jahre harte Arbeit. Die Gardeleger Gymnasiasten Tabea Kreutz, Alina Wolfowski, Karla Steinecke, Robert Ghigeanu, Lena Leuschner, Jessica Kraska, Gunnar Bude und Lea Weisbach hatten alles mit ihrer Lehrerin Andrea Müller organisiert. Sie recherchierten die Familiengeschichten, nahmen Kontakt zu den Verwandten der Opfer auf, führten viele Gespräche mit Gardelegern und sammelten Spenden. Hilfe bekamen sie unter anderem von Karl-Heinz Reuschel. Seine Schwiegermutter Gisela Bunge hatte sich intensiv mit den Schicksalen der jüdischen Bewohner Gardelegens auseinandergesetzt und darüber ein Buch geschrieben.

"Die Aktion ist richtig, notwendig und wichtig", sagte Gardelegens Bürgermeister Konrad Fuchs. Er ist voll des Lobes für den Einsatz der Elft-klässler und ihrer Lehrerin. Fuchs betonte, dass die Schüler die Stolpersteine komplett aus Spenden finanziert haben.

Während des Verlegens der Stolpersteine gestalteten sie mit anderen Gymnasiasten ein einfühlsames Programm. Und Lena Leuschner brachte den Sinn der Aktion mit einem jüdischen Sprichwort auf den Punkt: "Tot sind nur diejenigen, an die sich niemand erinnert."

   

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