Mit 18 Reitern und 21 Kutschen starteten die Pferdefreunde aus Jeseritz und ihre Gäste am Sonnabend in ihre 25. Fuchsjagd. Die Teilnehmer feierten gleichzeitig das 15-jährige Vereinsbestehen.

Jeseritz l "So viele Kutschen waren es glaube ich noch nie." Peter Kremer sieht man die Freude über die gelungene Jagd am Sonnabendnachmittag deutlich an. Immerhin war es diesmal ja auch ein Jubiläum. "Vielleicht sind deshalb so viele gekommen", vermutet der Vorsitzende des ländlichen Reit- und Fahrvereines Jeseritz. Denn immerhin seit einem Vierteljahrhundert wird in Jeseritz der Fuchs gejagt. Kein echter natürlich, sondern nur ein puscheliger roter Schwanz. Der allerdings ist echt - sowohl der, der am Sonnabend an Kremers Kragen wehte, der als Master allen voranritt als auch der am Galgen. Als eine der Ersten ritt Monique Schulze aus Zobbenitz durchs Feuer und danach unter dem Fuchsschwanz durch. Ganz knapp verpasste sie die puschelige Trophäe. Im Galopp holte sich diese am Sonnabend schließlich Frank Lemme aus Gardelegen nach einem 18-Kilometer-Ritt mit vielen Sprüngen, bei denen der letzte wieder durch brennendes Stroh führte. Der Sieg kostete den stolzen Jagdsieger dann natürlich die eine oder andere Runde: "Frank, denk dran, wir trinken alle gern Bier", erinnerte ihn Vizevereinschefin Ines Rapp fröhlich übers Mikrophon, kaum dass er die Tophäe in den Händen hielt. Lemme ließ sich dann auch nicht lange bitten und spendierte ein Fass Bier für alle.

Teuer - in Sachen Strafgeld - wurde es aber auch für viele andere Reiter. Und das nicht nur wegen vergessener Ausrüstung zu der zwingend ein Strick, ein Leckerli, Messe, Kondom und Taschentuch gehörten, sondern auch wegen vieler anderer "Delikte". Denn den Augen der gestrengen Strafrichterinnen Sabine Grünberg und Sabine Glomm entging nichts. Sie hatten die gesamte Jagd aus der Kutsche heraus beobachtet und eifrig jeden Verstoß gegen traditionelle Vorschriften notiert.

So hatte sich wieder mal fast jeder Reiter irgendwann vor den Master gedrängelt. Verrissene Sprünge - Cowboy Alfonso Cavallaro aus Rühen hatte zum Beispiel nicht einen geschafft - oder das Rauchen unter der Kappe wurden ebenso geahndet wie das Verhalten der Kutscher: So zahlte Friedrich Knake für einen "Flurschaden", den er beim Im-Kreis-Drehen mit seiner Kutsche hinterließ oder Walter Heuer dafür, dass er sein Kutschpferd "fauler Sack" nannte.

"Thilo Fehse hatte außerdem eindeutig die lauteste Kutsche", monierte Grünberg. Allerdings auch die fröhlichste. Mit lautem Gesang fuhr das Gespann als eines der Ersten auf dem Acker ein und verbreitete so gleich gute Stimmung. Immerhin hatten die Besucher, wegen einer morgendlichen Verspätung, schon etwas länger auf die eintreffenden Reiter und Kutschen gewartet.

Letzten Endes kam es ja aber darauf an, dabei zu sein. Und das konnte auch die elfjährige Fabienne Schneemann wieder behaupten. Als jüngste Reiterin schlug sie sich wacker. Den weitesten Anreiseweg hatte indes Laura Rau. Die gebürtige Jeseritzerin, die nun in der Schweiz lebt, konnten auch 780 Kilometer Entfernung nicht davon abhalten, mitzureiten.

Gegründet wurde der Verein, der die Jagd seit 25 Jahren organisiert, vor 15 Jahren. Zuvor waren die Mitglieder eine freie Gruppe. Damals, erzählte Vizechefin Ines Rapp, sei es besonders um den Nachwuchs gegangen, denn in Jeseritz gab es viele junge Reiter.

Dass der Vereinsgeburtstag und die 25-jährige Fuchsjagd etwas Besonderes waren, war auch während der Siegerehrung zu merken. Neben dem Sieger bekamen diesmal nämlich auch treue Jagdteilnehmer wie die Kutscher Hartmut Günther, Walter Heuer, Lothar Genge und das Solpker Kutschenteam einen Pokal, einen weiteren erhielt Uwe Herbst, der zum ersten Mal mit einem Sechsspänner dabei war.

Ein tolles Kompliment machte dem Verein schließlich Sieger Frank Lemme: "Die Jeseritzer Fuchsjagd ist die schönste der Region", schwärmte er. Das liege daran, dass Vereinschef Peter Kremer, so ein "tolles familiäres Team hinter sich hat."

   

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