Mit einem Gottesdienst hat gestern die evangelische Gemeinde in Gardelegen Kantorin Natalia Gvozdkova verabschiedet. Rund 100 Besucher kamen, um deren Leistung in der Stadt zu würdigen.

Gardelegen l Natalia Gvodzkova hielt die Stimmgabel an ihr Ohr. Noch einmal sang sie das "Kyrie eleison". Kurz wischte sie sich danach übers Auge. Es hieß gestern für die Kantorin Abschied von Gardelegen zu nehmen. Noch einmal stieg sie zur Orgel auf. Nach dem Lied wartete am Altar Superintendent Matthias Heinrich. Die rund hundert Besucher hörten, wie die Kantorin die Stufen wieder herunterschritt.

"Ich erinnere mich noch, wie sie vor vier Jahren hier vorgespielt haben", sagte Heinrich. "Sie haben die Andacht nicht mit einem brachialen Bach beendet. Das passte zur Orgel und zur Andacht", erzählte der Superintendent.

Er lobte ihre Arbeit in der Gemeinde und als Kreiskantorin. "Herr, lass sie spüren, dass ihr Einsatz viele Menschen froh und dankbar gemacht hat", sagte er während des Segens.

Auch Pfarrer in Ruhe Horst Dietmann bedankte sich für die herzliche Zusammenarbeit. Mit Blick auf den Abschied der Kantorin sagte er: "Wehmut soll uns nicht bewegungslos machen."

"Wir hoffen, dass bald jemand weiter mit uns orgeln, singen, beten, feiern und blasen wird."

Horst Dietmann

Gewohnheiten lähmen, machte er in seiner Predigt deutlich. Sie führen zu Stillstand. Der Glaube an Gott gebe den Menschen aber Zuversicht, das Altgewohnte hinter sich zu lassen, beweglich im Geist zu bleiben und sich auf das Neue einzulassen.

In den vier Jahren habe die Kantorin mit der Gemeinde herzlich zusammengearbeitet und gelebt und viel Freude geschenkt.

"Wir hoffen auf eine kurze Vakanzzeit", sagte er mit Blick auf den Superintendenten. "Und dass jemand bald weiter mit uns orgeln, singen, beten, feiern und blasen wird."

"Wir verabschieden Dich mit einem sehr weinenden Auge - unseretwegen."

Gabriele Schulz

Gabriele Schulz vom Kirchenvorstand umarmte die Kantorin und sagte: "Liebe Natalia, all Deinen Fleiß, Deine Ausdauer können wir nur bewundern." Die Kantorin habe dem Posaunenchor neue Impulse gegeben. "Und dass unsere Orgel auf Vordermann gebracht wurde, ist mit Dein Verdienst", sagte Schulz. Die Kantorin habe darauf gedrängt. Das habe zwar manchmal Nerven gekostet, sagte Schulz lächelnd und fügte hinzu: "Aber dafür ist die Orgel jetzt gut spielbar und gut hörbar."

"Wir verabschieden Dich mit einem sehr weinenden Auge - unseretwegen - und einem sehr lachenden Auge - Deinetwegen", sagte Schulz.

Zum Schluss des Gottesdienstes gab es für die Arbeit Gvodzkovas noch einmal Applaus. Und auch der Kantorin fiel ihr Abschied sichtlich schwer. "Ich habe hier viele Freunde gefunden", sagte sie. "Fehlen werden mir vor allem die Menschen und diese tolle Kirche." Die Gemeinde habe es ihr einfach gemacht, sich einzuleben. Sie tritt ab November eine Stelle in Norddeutschland an. Viele Gemeindemitglieder bedankten sich noch einmal persönlich bei der Kantorin. Im Gemeindehaus war ein Kuchenbuffet aufgebaut.

Am Freitag, 31. Oktober, sitzt Natalia Gvodzkova beim Reformationsgottesdienst ab 10 Uhr zum letzten Mal als Kantorin an der Orgel von St. Marien.

   

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